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23.11.2022

16:18

Erst geht Ronaldo, nun der US-Investor. dpa

Manchester United

Erst geht Ronaldo, nun der US-Investor.

Premier League

Erst geht Ronaldo, nun der Investor: US-Familie Glazer bietet Manchester United zum Verkauf an

Von: Torsten Riecke

Die US-Eigentümer wittern gute Verkaufspreise für den englischen Fußball-Rekordmeister – und scheuen den Wettbewerb mit Ölfonds. Die Aktie macht einen Kurssprung.

London Nicht nur Superstar Christiano Ronaldo hat die Nase voll von Manchester United. Auch die Investorenfamilie Glazer will ihr Engagement bei einem der weltweit wertvollsten Fußballklubs nach 17 Jahren offenbar beenden. Man suche nach strategischen Alternativen und erwäge auch einen Verkauf des Premier-League-Vereins, teilte der US-Eigentümer jetzt mit.

An der Börse notierte Manchester United am Mittwoch mit einem Marktwert von knapp 2,5 Milliarden Dollar. Der Aktienkurs legte nach Bekanntwerden der Verkaufspläne um bis zu 15 Prozent zu, ging danach aber wieder zurück.

Auch Klopp-Klub FC Liverpool könnte verkauft werden

„United ist nicht nur ein Fußballverein, wenn er eine so große weltweite Fangemeinde hat“, begründete Joe Ravitch, Mitgründer der Raine Group, die Attraktivität der Marke. Die US-Bank Raine Group hat bereits den Verkauf von Chelsea erfolgreich abgewickelt und soll jetzt auch die Glazers unterstützen. Außerdem wird die Familie von der Londoner Rothschild Bank beraten.

United ist nicht der einzig prominente Name, der auf dem Markt ist. Die amerikanische Fenway Sports Group (FSG) hatte zuvor bereits angekündigt, dass sie über einen Verkauf des FC Liverpool nachdenke. Es ist kein Zufall, dass zwei US-Investoren nahezu zeitgleich Verkaufspläne im Fußballgeschäft hegen.

Der Grund liegt in den attraktiven Bewertungen der kostenintensiven Investments. Im Mai hatte eine vom US-Investor Todd Boehly geführte Gruppe den FC Chelsea für umgerechnet fünf Milliarden Euro vom russischen Oligarchen Roman Abramovich gekauft. Der über den Schätzungen liegende Verkaufspreis, in dem auch eine Investitionszusage von rund zwei Milliarden Euro enthalten war, hat offenbar auch die Eigentümer von Manchester United und Liverpool auf den Geschmack gebracht.

Der FC Liverpool, bei dem der deutsche Coach trainiert, steht offenbar ebenfalls vor einem Verkauf. dpa

Jürgen Klopp

Der FC Liverpool, bei dem der deutsche Coach trainiert, steht offenbar ebenfalls vor einem Verkauf.

Beide US-Investoren sind dazu immer weniger bereit, im millionenteuren Wettrennen um internationale Superstars mit den Investitionen arabischer Ölstaaten mitzubieten. Die europäischen Spitzenklubs Manchester City und Paris Saint Germain (PSG) gehören Investoren aus Abu Dhabi beziehungsweise Katar, wo gerade die Fußballweltmeisterschaft ausgetragen wird.

Vor einem Jahr hatte zudem ein vom saudischen Staatsfonds PIF geführtes Konsortium den Traditionsverein Newcastle United für 360 Millionen Euro übernommen. Auch das unter Fans „Magpies“ genannte Team investiert nun kräftig in neue Spieler.

Ronaldo-Abschied ein mitentscheidender Faktor

Ebenfalls kein Zufall ist, dass die Verkaufspläne der Glazer-Familie am Tag bekannt wurden, an dem die frühere Vereinsikone Ronaldo den Klub im gegenseitigen Einvernehmen verlässt. Der Portugiese war lange einer der teuersten Fußballspieler der Welt. 2018 ist er für eine Ablösesumme 117 Millionen Euro von Real Madrid zu Juventus Turin gewechselt.

Im Alter von 36 Jahren kehrte er im vergangenen Jahr zu Machester United zurück – der Verein, der für ihn einst den internationalen Durchbruch bedeutete. Ronaldo hatte kürzlich der Glazer-Familie in einem TV-Interview vorgeworfen, „sich nicht um den Klub zu scheren“. Daraufhin kam es zum Bruch. Ronaldos immenser Markenwert zahlte dennoch auf die Marke Manchester United ein.

Das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ schätzte den Verkaufswert des Klubs im Mai auf rund 4,6 Milliarden Dollar. Die sportlich enttäuschende Saison 2021/22 beendete der börsennotierte Verein mit einem Nettoverlust von knapp 116 Millionen Pfund (133 Millionen Euro).

„Wir werden alle Optionen prüfen, um sicherzustellen, dass wir unseren Fans am besten dienen und dass Manchester United die bedeutenden Wachstumschancen, die dem Verein heute und in Zukunft zur Verfügung stehen, maximiert“, versprachen die Glazers in ihrer Erklärung.

Ein neuer Käufer müsste auch in das Stadion Manchester Uniteds investieren. AP

Old Trafford

Ein neuer Käufer müsste auch in das Stadion Manchester Uniteds investieren.

Die meisten United-Fans dürften einen Ausstieg der US-Investoren kaum bedauern. Seit ihrem Einstieg 2005 kam es immer wieder zu Protesten. Was auch damit zu tun hat, dass die damalige Transaktion von 790 Millionen Pfund vor allem durch neue Schulden finanziert wurde, die der Klub zu schultern hatte. Die gescheiterten Pläne, eine europäische „Superliga“ zu gründen, dürften ebenfalls dazu beigetragen haben, dass die Glazer-Familie nun nach einem Exit sucht.

An Interessenten für die wertvolle Marke dürfte es nicht mangeln. Erst im Sommer hatte der britische Milliardär Sir Jim Ratcliffe, Gründer und Chef der Chemiegruppe Ineos, sein Interesse an Manchester United bekundet. Damals lehnten die Glazers noch ab. Ratcliffe wollte zu Spekulationen über ein neues Angebot am Mittwoch keine Stellung nehmen.

Liverpool sucht ebenfalls nach einem Käufer

Egal wer am Ende das Rennen macht, ein neuer Eigentümer muss nicht nur für den Klub viel Geld auf den Tisch legen, auch das traditionsreiche Stadion Old Trafford muss mit einer Millionensumme renoviert werden. Eine ähnliche Auflage gab es zuletzt beim Verkauf des FC Chelsea.

Auch 55 Kilometer weiter westlich beim Erzrivalen Liverpool sieht es ähnlich aus. Der Klub lieferte sich in der Premier League in den vergangenen Jahren ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Manchester City, konnte aber zuletzt den teuren Einkäufen der von Erfolgstrainer Pep Guardiola trainierten und von Scheich Mansour Bi Zayed Al Nahayn aus Abu Dhabi finanzierten Truppe nicht Paroli bieten.

Die FSG hatte Liverpool 2010 für rund 300 Millionen Pfund erworben. Heute ist der von Jürgen Klopp trainierte Arbeiterverein mehr als zehnmal so wertvoll. Der in Boston ansässige US-Investor, dem auch die Baseball-Mannschaft der Red Sox gehört, hat die amerikanischen Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley mit der Suche nach einem Käufer beauftragt.

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