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15.03.2019

05:04

Probleme ohne Ende

Facebook verliert weitere Führungskräfte

Von: Axel Postinett

Facebook im Krisenmodus: Das Unternehmen verliert zwei wichtige Führungskräfte – und es sieht nicht danach aus, als ob das schon das Ende wäre.

Mit Chris Cox und Chris Daniels verlassen weitere Führungskräfte den Konzern. AP

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Mit Chris Cox und Chris Daniels verlassen weitere Führungskräfte den Konzern.

San FranciscoEs war kein guter Tag für Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Zuerst mussten über Stunden erneut massive Ausfälle bei wichtigen Diensten wie Facebook und Instagram hingenommen werden. Dann musste das Unternehmen den Verlust zweier wichtiger Führungskräfte verkünden.

Produktchef Chris Cox und der Chef des Chatdienstes WhatsApp, Chris Daniels, hätten beschlossen, den Konzern zu verlassen, sagte Zuckerberg in einem Blogeintrag. Neuer Chef von WhatsApp werde Will Cathcart, der zuletzt für die Facebook-App verantwortlich gewesen sei. Zuckerberg beschrieb Cathcart als „eine der talentiertesten Führungskräfte unserer Firma“.

Cox war mehr als 13 Jahre bei dem Unternehmen und erst kürzlich zum obersten Produktchef aufgestiegen. Sein Job werde zunächst nicht neu besetzt, teilte Zuckerberg mit. Stattdessen werden die Chefs von Facebook, Instagram, Messenger und WhatsApp direkt an ihn berichten. Die Facebook-Aktie verlor im nachbörslichen Handel rund zwei Prozent.

Hinweise auf interne Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Führungsebene über den aktuellen Wechsel von offener Kommunikation hin zu mehr verschlüsselter Sicherheit und Privatsphäre verdichten sich derweil: „Das wird ein riesiges Projekt“, schrieb Cox in einem Facebook-Eintrag, „und wir brauchen Führungskräfte, die sich für die neue Richtung begeistern“.

Cox selbst, der unter anderem die „Timeline“ bei Facebook eingeführt hatte, war immer ein Verfechter offener Kommunikation. Der Fakt, dass seine Stelle jetzt nicht neu besetzt wird, deutet ebenfalls darauf hin, dass Zuckerberg zumindest während des großen Umbaus die Zügel anziehen und in seinem Machtbereich konzentrieren will. Chris Daniels war nur knapp ein Jahr Chef des Messengers WhatsApp, der jetzt stark in Facebook integriert werden soll.

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Die Produktentwicklung bei Facebook, so schätzen viele Marktbeobachter, wird sich dramatisch ändern. Eine auch interne Verschlüsselung der Produkte und Mitteilungen wird Zuckerberg helfen, weiter hohe Werbeumsätze zu generieren, ohne dass er sich um mögliche Rechtsverletzungen kümmern oder Regulierer fürchten muss. Facebook hat dann schlicht keinen Zugriff und Einfluss mehr auf die Inhalte und muss nichts vorab prüfen oder löschen. Was nicht von außen gemeldet wird, existiert nicht.

Bereits im vergangenen Jahr hatten die Gründer der Facebook-Akquisition Instagram das Unternehmen verlassen. Einer der Gründer von WhatsApp, Brian Acton, verließ den Social-Media-Riesen 2017, der andere, Jan Koum, im Jahr 2018. Es soll Differenzen hinsichtlich der Monetarisierung des Dienstes gegeben haben.

Mark Zuckerberg will jetzt alle bislang völlig autarken Angebote eng miteinander verzahnen. Zum einen, um die Nutzung und Profitabilität zu erhöhen, zum anderen aber wohl auch, damit die Messengerdienste nicht mehr nachträglich von Facebook abgespalten werden können.

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Verschärfter Druck auf Zuckerberg

Das aber verlangen erste Politiker und Regulierer. Sie argumentieren, dass die Übernahmen niemals hätten genehmigt werden dürfen. Seit gut einem Jahr verschärft sich der Druck auf Zuckerberg, dem Kritiker vorwerfen, er habe bei den zahlreichen Skandalen um Fake News, Wahlmanipulationen und Problemen mit Privatsphäre immer nur das eingeräumt, was ohnehin bekannt geworden war und danach eine wachsweiche Entschuldigung abgegeben.

Bis 2016 hatte Facebook eine im Silicon Valley selten zu sehende Kontinuität in seiner obersten Führungsmannschaft. Das scheint vor dem Hintergrund des angekündigten Strategiewechsels mittlerweile der Vergangenheit anzugehören.

WhatsApp-Mitgründer Brian Acton hatte erst am vergangenen Mittwoch bei einem Vortrag an der Universität Stanford seine Zuhörer aufgefordert, die Facebook-App zu löschen. Sie sollten doch zu ihm wechseln. Acton ist mittlerweile der Chef der beliebten und stark wachsenden WhatsApp-Alternative Signal, ein Non Profit-Angebot.

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