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25.04.2017

11:13 Uhr

Rocket Internet im Minus

Für Oliver Samwer läuft die Zeit

VonMiriam Schröder

Licht und Schatten bei Rocket Internet: In der Bilanz steht ein hoher Verlust, gleichzeitig machen wichtige Beteiligungen Fortschritte. Firmenchef Oliver Samwer hat noch bis Jahresende Zeit, seine Versprechen einzulösen.

Der Rocket-Chef hatte versprochen, dass bis Ende 2017 drei wichtige Beteiligungen profitabel sind. dpa

Oliver Samwer

Der Rocket-Chef hatte versprochen, dass bis Ende 2017 drei wichtige Beteiligungen profitabel sind.

BerlinUnter dem Strich sieht es wieder mal nicht gut aus für Rocket Internet: Das Unternehmen von Oliver Samwer hat das Jahr 2016 mit einem Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von minus 565 Millionen Euro abgeschlossen – ein doppelt so hoher Verlust wie im Vorjahr. Das Ergebnis sei vor allem der Entkonsolidierung von Tochterunternehmen sowie den Abschreibungen geschuldet, die man im letzten Jahr habe vornehmen müssen, sagte Finanzchef Peter Kimpel am Dienstag bei der Präsentation der Ergebnisse.

Fortschritte hingegen gab es bei den einzelnen Beteiligungen zu vermelden: Der Umsatz von fünf ausgewählten Portfoliounternehmen stieg zusammengerechnet von 1,7 Milliarden Euro auf 2,2 Milliarden Euro. Die Verluste reduzierten sich um 234 Millionen auf rund 360 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte an dieser Stelle noch ein Verlust von einer Milliarde gestanden.

Das sagt Oliver Samwer selbst

Über seine Arbeitsmaxime

„Zu viele Menschen glauben ihren eigenen Pressemitteilungen. Messt Erfolg nicht an Berichterstattung, sondern ökonomischem Einfluss. […] Betreibt ein Start-up wie eine Bäckerei: Backt am Morgen, verkauft über den Tag und zählt die Einnahmen in der Nacht! […] Fürchtet euch nicht davor, im Dreck zu leben. […] Geht zu McKinsey, wenn ihr gescheitert seid. Warum vorher? Jetzt seid ihr jung. Ihr solltet glücklich sein. Gott hat euch das Internet gegeben!“

Oliver Samwer zu unterschiedlichen Gelegenheiten über seine Arbeitsmaximen

Über seine Zeit an der WHU

„Das Tollste waren die Gastvorträge von Unternehmern, die im Zeitraffer erzählten, wie sie aus dem Nichts eine Firma mit ein paar Hundert oder sogar 20.000 Leuten schufen, wie sie auch mal am Abgrund standen, bis dann gerade noch rechtzeitig der entscheidende Auftrag kam.“

Oliver Samwer über die Vorzüge seines Studiums an der WHU

Über das ideale Start-up

„Das ideale Start-up ist eine Kombination aus Gelegenheit, Team und Timing. Das ideale Start-up adressiert einen riesigen Marktplatz, der offen für eine Veränderung ist oder gerade durch einen Paradigmenwechsel kreiert wird, hat ein Team, das empfindlich genug für die Anforderungen des Marktes ist, und im richtigen Moment auf den Markt kommt, nicht zu früh und nicht zu spät. Jede einzelne dieser Eigenschaften, wenn sie schlimm genug ist, tötet das Unternehmen.“

Oliver Samwer und Max Finger über ein „ideales Start-up“ in ihrer Diplomarbeit

Über den Verkauf von Alando

„Wir haben Alando überhaupt nicht zum richtigen Zeitpunkt verkauft. Wir waren doch Idioten, dass wir ausgestiegen sind. Wir waren die größte deutsche Auktionsseite. Heute macht Ebay in Deutschland 120 Millionen Euro Gewinn im Jahr, folglich war es nicht klug, Alando für 50 Millionen Dollar zu verkaufen. Im Nachhinein sehen ich und meine Brüder das als unseren vielleicht größten Fehler an.“

Oliver Samwer über den frühen Ausstieg der Samwers bei Alando

Über kleine Niederlagen

„Eine wirklich schlimme Niederlage haben wir nicht erlitten. Aber wir sind oft durch den Dreck gerobbt. Die Erfolge, die sich hinterher in der Zeitung so mühelos lesen, haben in Wahrheit wahnsinnig viel Kraft gekostet. Und es gab immer kleine Niederlagen – und oft großes Bangen. Bertelsmann hat bei Alando mal intensiv alle unsere Nutzer angespamt und versucht, sie uns auszuspannen. Das hat uns einige schlaflose Nächte gekostet. Bis wir gesehen haben: Die Leute bleiben bei uns.“

Oliver Samwer 2007 über die Herausforderungen ihrer Alando-Zeit

Über die Anfänge von Jamba

„Wir haben uns damals mit dem 'Wireless'-Markt beschäftigt, nach Japan geschaut und uns die europäischen Märkte angesehen. Wir stellten fest, dass nicht News, Verkehrsnachrichten oder Börsenkurse das Geschäft mit Mobilfunkdiensten ausmachten, sondern Entertainmentinhalte. Wir sahen den Boom, [...] dass Spiele fürs Handy in Japan bereits ein Renner waren und stellten uns vor, dass dies zusammen mit Musik und Bildern auch in Europa funktionieren könnte.“

Oliver Samwer im Jahre 2003 über die Entstehung von Jamba

Über Schnelligkeit

„Wir bekommen jeden Tag viele Businesspläne und E-Mails von Start-ups zugeschickt. Haben wir dann an einer erfolgversprechenden Idee Interesse gefunden, kommt es relativ zeitnah und pragmatisch zur Kontaktaufnahme. Nach kurzer Zeit können wir dann auch bereits eine Investitionsentscheidung treffen, da wir keine bürokratischen Prozesse durchlaufen müssen. Ein Gespräch unter uns drei Brüdern genügt. Vom ersten Meeting bis zur Entscheidung braucht es oft weniger als 48 Stunden.“

Oliver Samwer über die Schnelligkeit des European Founders Funds

Über den European Founders Fund

„Wir haben uns in den USA und Asien umgeschaut. Dabei ist uns im kalifornischen Silicon Valley aufgefallen, dass viele erfolgreiche Unternehmer ihr Geld in Start-ups investieren und den jungen Firmen dann auch aktiv zur Seite stehen. […] Wir wollen den Gründern aber nicht nur Geld, sondern auch unsere aktive Unterstützung und unseren Rat geben.“

Oliver Samwer über die Aktivitäten des European Founders Funds

Quelle

Joel Kaczmarek, „Die Paten des Internets“, erschienen im Finanzbuchverlag FBV, ISBN: 978-3-89879-880-8

Damals waren in der Rechnung allerdings noch zwei Unternehmen enthalten, die jetzt nicht mehr dabei sind, weil Rocket sie verkauft oder seine Beteiligung stark reduziert hat. Die Zahlen der einzelnen Start-ups seien wichtiger als das Ergebnis der Holding, betonte Kimpel: „Wenn unsere Portfoliounternehmen gute Ergebnisse erzielen, wird sich das langfristig auch im Ergebnis von Rocket Internet zeigen.“

So sanken die Verluste der Global Fashion Group (GFG), einem Zusammenschluss von Zalando-Klonen mit Ablegern in der ganzen Welt, 2016 um fast die Hälfte auf minus 128 Millionen Euro. Der Umsatz stieg auf mehr als eine Milliarde Euro. Namshi, der Teil der Gruppe, der im mittleren Osten operiert, war 2016 bereits profitabel.

Gleichzeitig war die Global Fashion Group in hohem Maße für das negative Gesamtergebnis verantwortlich: Im Zuge einer Finanzierungsrunde im vergangenen Jahr hatten die Investoren, neben Rocket vor allem die schwedische Investitionsbank Kinnevik, die Bewertung der GFG um rund zwei Drittel auf eine Milliarde Euro reduziert. Das sei dem allgemeinen Marktumfeld geschuldet und habe nichts mit der Performance des Unternehmens zu tun, beteuerte Kimpel.

Auch die Möbelhändler Westwing und Home24 konnten ihre Verluste deutlich reduzieren. Allerdings wachsen beide Unternehmen auch langsamer als zuvor, Home 24 etwa nur noch um 4,3 Prozent. Starkes Wachstum zeigt nach wie vor der Kochboxenversender Hello Fresh. Die Umsätze stiegen hier um 96 Prozent auf 597 Millionen Euro. Der Ebitda-Verlust ist mit 82,6 Millionen Euro weiterhin hoch, wenngleich sich die Marge verbesserte.

„Im Jahr 2016 haben unsere ausgewählten Unternehmen weitere Fortschritte auf dem Weg in Richtung Profitabilität erzielt und gleichzeitig ihren Umsatz gesteigert,” sagte Rocket-Chef Oliver Samwer. Bis Ende 2017 sollen drei der größten Beteiligungen profitabel sein. Dieses Versprechen muss er halten, will er das Vertrauen seiner Aktionäre zurückgewinnen.

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Kommentare (5)

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Herr Hofmann Marc

25.04.2017, 11:26 Uhr

Schaut verdammt düster für Rocket Internet aus....Negative Zahlen wo man hinschaut und dann auch noch der größte Investmentpartner von Rocket Internet abgesprungen.
Internet Rocket hat schon zu lange darauf gewartet, dass er vom Markt angenommen wird...der Markt zeigt Oliver Samwer erst die Gelb und mit der Zeit eben jetzt die Rote Karte.
Das war es dann wohl.

Herr Hans-Jörg Griesinger

25.04.2017, 12:03 Uhr

z. Bsp. Hello Fresh / Kochboxen
Ist ein völlig überteuertes Geschäftsmodell, welches
Welcher Kunde gibt dafür überhaupt soviel Geld aus?
2x 5 Mahlzeiten pro Woche = 58,00 €
Sa. und Sonntag habe ich dann immer noch nichts auf dem Teller.
Macht in einem Monat 121,80 € (21 Tage zugrunde gelegt).
Aber nur für eine Mahlzeit für 2 Personen.
Frühstück und Abendessen sind darin nicht enthalten.
Selberkochen lohnt da vom Preis her immer, zudem bin ich dabei viel flexibler und nicht auf bestimmte Gerichte festgelegt.
Nein „Hello fresh“ ist nur wieder was für Hipster und diese i-Lifestyle-Typen.
Deshalb ist dieser Geschäftsidee auch kein dauerhafter Erfolg beschieden.



Herr Hans-Jörg Griesinger

25.04.2017, 12:11 Uhr

Wer soll zudem von diesen kleinen Portionen überhaupt satt werden?
Sieht mir eher nach Vorspeise aus, anstatt Hauptgericht.
Ich verstehe die Leute nicht, die für solche Kochboxen soviel Geld bezahlen.

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