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31.03.2022

13:10

RTL-Mutterkonzern

Bertelsmann schüttelt Coronakrise mit Rekordgewinn ab – Kriegsfolgen sind unklar

Von: Michael Scheppe

Das Familienunternehmen steigert seinen Gewinn um 58 Prozent, besonders das Streamingangebot wächst. Die Folgen des Ukrainekriegs kann CEO Rabe nicht abschätzen.

Bertelsmann versucht lokal gegen die globale Konkurrenz wie Amazon, Google und Facebook anzukämpfen. imago images / IPON

Bertelsmann-CEO Thomas Rabe im Jahr 2019

Bertelsmann versucht lokal gegen die globale Konkurrenz wie Amazon, Google und Facebook anzukämpfen.

Düsseldorf Trotz Coronakrise hat das Familienunternehmen Bertelsmann 2021 das beste operative Ergebnis in seiner Geschichte erzielt. Der Medien-, Dienstleistungs- und Bildungskonzern setzte im vergangenen Jahr 18,7 Milliarden Euro um. Das ist ein operatives Plus von elf Prozent. Unter dem Strich stieg der Gewinn um 58 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro. Das teilte der Konzern mit Sitz in Gütersloh am Donnerstagmorgen mit.

„2021 war das stärkste Jahr in der Unternehmensgeschichte. Wir haben das beste Konzernergebnis seit 2006 erzielt“, wird Konzernchef Thomas Rabe in einer Mitteilung zitiert. Das 1835 gegründete Unternehmen profierte vor allem von einer starken Erholung der Werbemärkte und der weiter positiven Entwicklung der Buchverlags- und Dienstleistungsgeschäfte. Der Konzern, der weltweit 145.000 Mitarbeiter beschäftigt, steigerte seine Zahlen auch durch Veräußerungsgewinne aus Unternehmensverkäufen.

Der wichtigste Bereich von Bertelsmann ist die TV-Gruppe RTL. Ihr Umsatz stieg um zehn Prozent auf 6,6 Milliarden Euro, wie die Bertelsmann-Tochter bereits vor zwei Wochen mitteilte. Bertelsmann-Chef Rabe, der zugleich die RTL Group lenkt, hat das Medienhaus umgebaut: Zu Jahresbeginn ist der Kölner TV-Sender mit dem Hamburger Traditionsverlag Gruner + Jahr zusammengegangen. Es sei „ein nationaler Media-Champion in Deutschland entstanden“, wie Rabe gern sagt.

Der Manager verfolgt in Europa die Strategie, in den jeweiligen Ländern starke Bewegtbild-Angebote durch Kooperationen oder Zusammenschlüsse zu schaffen. Damit versucht Bertelsmann lokal gegen die globale Konkurrenz anzukämpfen. Die Branche wird im Werbemarkt von den US-Konzernen Google, Facebook (Meta Platforms) und Amazon dominiert. Gleichzeitig graben Streamingplattformen wie Netflix oder Disney plus Zuschauer ab.

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    In Deutschland hat Rabe etwa die Plattform RTL plus (vormals „TV Now“) erneuert. Nutzer sollen ab Mitte 2022 dann nicht nur wie bislang TV-Inhalte anschauen, sondern auch Musik und Podcasts hören und E-Magazine lesen können. Auch in Frankreich und den Niederladen strebt Bertelsmann eine Fusion von Sendergruppen an.

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    Der Streamingdienst RTL plus spielt in der Strategie von Bertelsmann eine zentrale Rolle. Der Dienst und das niederländische Pendant Videoland zählen inzwischen 3,8 Millionen zahlende Abonnenten, 74 Prozent mehr als im Vorjahr. Bis 2026 strebt die Gruppe zehn Millionen zahlende Abonnenten an. Zum Vergleich: Netflix hat hierzulande nach Schätzungen rund elf Millionen Nutzer.

    Folgen des Ukrainekriegs sind noch unklar

    Und Bertelsmann will weiter in das Streamingangebot investieren. Im Vergleich zu 2021 plant RTL, seine jährlichen Programminvestitionen bis 2026 auf rund 600 Millionen Euro zu verdreifachen, kündigte Rabe bereits im Herbst an. Insgesamt plant Bertelsmann bis 2025 mit Investitionen von fünf bis sieben Milliarden Euro.

    Die Folgen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine kann Bertelsmann noch nicht abschätzen. „Für 2022 rechnen wir mit einem moderaten Umsatzanstieg sowie einem operativen Ergebnis, das vor Investitionen in das Streaminggeschäft der RTL Group auf Rekordniveau stabil ist“, sagt Finanzvorstand Rolf Hellermann. Diese Erwartungen würden allerdings nicht die Folgen des Kriegs reflektieren.

    Zum Verbund von Bertelsmann gehören neben der RTL Group und Gruner + Jahr auch der IT-Servicedienstleister Arvato, die Buchverlagsgruppe Penguin Random House, das Musikunternehmen BMG, die Printing Group, die Education Group sowie das Fondsnetzwerk Bertelsmann Investments. Der zweitgrößte Bereich Arvato steigerte seinen Umsatz auf fünf Milliarden Euro, der drittgrößte Bereich Penguin Random House machte einen Umsatz von gut vier Milliarden.

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