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19.09.2017

03:48 Uhr

Selbstfahrende Autos

Das Silicon Valley schaltet einen Gang hoch

VonAxel Postinett

Intel und die Google-Schwester Waymo kooperieren bei selbstfahrenden Autos. Waymo arbeitet schon länger mit Komponenten des Chipherstellers, heißt es. Die Gewichte in dem Zukunftsmarkt verschieben sich.

Die 2016 gebauten Chrysler Pacifica-Minivans von Waymo haben Standard-Technologie von Intel an Bord. Reuters

Waymo

Die 2016 gebauten Chrysler Pacifica-Minivans von Waymo haben Standard-Technologie von Intel an Bord.

San FranciscoBei der Entwicklung selbstfahrender Fahrzeuge gibt es eine neue Allianz: Die Google-Schwester Waymo und Intel schließen eine Partnerschaft. Intel werde Waymo mit der nötigen Technologie versorgen, um „selbstfahrende Fahrzeuge der Kategorie 4 und 5“ zu bauen, so Intel-Vorstandschef Brian Krzanich. Ab der Stufe vier sind die Fahrzeuge in der Lage, ohne menschliches Eingreifen zu fahren. In den niedrigeren Stufen ist zumindest für den Notfall und in Krisensituationen noch ein menschlicher Fahrer hinter dem Steuer nötig.

Waymo arbeitet schon länger mit Komponenten des Chipherstellers, wie das Unternehmen in einem Blogeintrag veröffentlichte. Die 2016 gebauten 100 Chrysler Pacifica-Minivans von Waymo etwa hätten Standard-Technologie von Intel an Bord. Aber jetzt arbeite man bereits in der Planungsphase mit Intel-Ingenieuren zusammen und werde „einige der fortschrittlichsten Intel-Prozessoren und andere Technologie in unsere Plattform integrieren“, heißt es bei der Alphabet-Tochter.

Waymo entwickelt seit mehr als sieben Jahren eine eigene Hard- und Software-Plattform, die im Auto die Signale der Sensoren analysiert, Entscheidungen trifft und das Fahrzeug steuert. Doch für den Sprung in die nächste Kategorie ist die Waymo-Plattform offenbar einfach nicht schnell genug.

Es müssen tausende Signale gleichzeitig ausgewertet und „die feinsten Nuancen“ erkannt werden. Dafür benötige man „Hochleistungs-Computer“, so Waymo in seinem Blog-Eintrag. Intel soll diese jetzt liefern.

Stufen des automatisierten Fahrens

Bedeutung der Automatisierungsgrade

Um die Automatisierungsgrade der einzelnen Fahrsysteme zu klassifizieren, wurden auf nationaler und internationaler Ebene sechs Stufen von 0 bis 5 definiert. Diese technische Klassifizierung beschreibt sowohl, welche Aufgaben das System selbst wahrnimmt als auch, welche Aufgaben/Anforderungen an den Fahrer gestellt werden.

Quelle: Verband der Automobilindustrie (VDA)

Stufe 0 – nur der Fahrer aktiv

In der Stufe 0 gibt es keine automatisierten Fahrfunktionen. Der Fahrer führt allein die „Längsführung“ - Geschwindigkeit halten, Gas geben und bremsen – und die „Querführung“ (Lenken) aus. Es gibt keine eingreifenden, sondern lediglich warnende Systeme.

Stufe 1 – Assistiert

In der Stufe 1 kann ein System entweder die Längs- oder die Querführung des Fahrzeugs übernehmen, der Fahrer führt dauerhaft die jeweils andere Aktivität aus.

Stufe 2 – Teilautomatisiert

Erst in der Stufe 2 spricht man von teilautomatisiert, da der Fahrer nun beides, die Längs- und die Querführung, an das System in einem bestimmten Anwendungsfall übergeben kann. Der Fahrer überwacht das Fahrzeug und den Verkehr während der Fahrt fortlaufend. Er muss jederzeit dazu in der Lage sein, sofort die Steuerung des Fahrzeugs übernehmen zu können.

Stufe 3 – Hochautomatisiert

In Stufe 3 erkennt das System selbständig die Systemgrenzen, also den Punkt, an dem die Umgebungsbedingungen nicht mehr dem Funktionsumfang des Assistenzsystems entsprechen. In diesem Fall fordert das Fahrzeug den Fahrer zur Übernahme der Fahraufgabe auf. Der Fahrer muss die Längs- und die Querführung des Fahrzeugs nicht mehr dauerhaft überwachen. Er muss jedoch dazu in der Lage sein, nach Aufforderung durch das System mit einer gewissen Zeitreserve die Fahraufgabe wieder zu übernehmen.

Stufe 4 – Vollautomatisiert

Ab der Stufe 4 kann der Fahrer die komplette Fahraufgabe an das System in spezifischen Anwendungsfällen übergeben. Die Anwendungsfälle beinhalten den Straßentyp, den Geschwindigkeitsbereich und die Umfeldbedingungen.

Stufe 5 – Fahrerlos (autonomes Fahren)

Als letzte Entwicklungsstufe wird das fahrerlose Fahren, die Stufe 5, beziffert. Das Fahrzeug kann vollumfänglich auf allen Straßentypen, in allen Geschwindigkeitsbereichen und unter allen Umfeldbedingungen die Fahraufgabe vollständig allein durchführen. Wann dieser Automatisierungsgrad erreicht sein wird, kann heute noch nicht benannt werden. Der Fokus der Forschung und Entwicklung liegt zunächst auf den Automatisierungsgraden des teil-, hoch- und vollautomatisierten Fahrens. Das vollautomatisierte Fahren auf der Autobahn wird voraussichtlich in ferner Zukunft möglich sein.

Die Allianz mit Waymo ist für Intel, Spätstarter im Bereich selbstfahrende Autos, ein wichtiger Schritt, um den gefährlichsten Konkurrenten Nvidia einzuholen. Nvidia hat schon früh auf künstliche Intelligenz und Sensortechnik wie Bildanalyse in Echtzeit gesetzt und wird an der Börse als „das nächste Intel“ gehandelt. Die Aktie ist seit Jahresbeginn um 75 Prozent gestiegen. Die Intel-Aktie hat im selben Zeitraum nur um 2,1 Prozent zugelegt. Tesla ist der prominenteste Nvidia-Partner.

Intel ist mit der 15-Milliarden-Dollar-Akquisition der Kamera- und Sensorfirma Mobileye erst im März offiziell in das Rennen um die führende Technologie-Plattform im Automobilbereich eingestiegen und hat eine Allianz von Partnern um sich geschart. Dazu gehören unter anderem BMW, der Zulieferer Delphi und seit vergangener Woche Fiat-Chrysler. Diese Plattform soll allen Intel-Kunden zugänglich sein.

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Der Deal mit Waymo ist keine direkte Erweiterung der Allianz, sondern eher vergleichbar mit einer exklusiven Kooperation. Trotzdem wird die Partnerschaft indirekt davon profitieren, weil Intel-Ingenieure jetzt Prozessoren, Sensoren und Netzwerktechnik entwickeln können, die auf die gesammelten Daten von circa drei Millionen autonom gefahrenen Kilometern von Waymo-Fahrzeugen zurückgreifen können. Kein anderer Hersteller kann dies aufweisen. Es werde, so Intel-Chef Krzanich, „die führende Position Intels bei der Realisierung“ einer selbstfahrenden Zukunft sicherstellen.

Der künftige Markt für autonome Fahrzeuge ist heiß umkämpft. Nicht nur alle namhaften Automobilunternehmen forschen an dieser Technik. Vor allem im Silicon Valley und in China sind die großen Tech-Riesen wie Alphabet, der Fahrdienst Uber oder der chinesische Baidu-Konzern im Rennen. Baidu ist der größte Anbieter von Cloud-Computing und künstlicher Intelligenz in Asien.

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Ob Google, Nvidia oder Microsoft: Fast alle Tech-Giganten arbeiten an selbstfahrenden Autos. Der Chipriese Intel hängt bei diesem Rennen hinterher – aber drängt nun mit Hilfe eines Zukaufs in das Billionengeschäft.

Lyft, der Konkurrent von Uber aus San Francisco, soll nach Medieninformationen zusammen mit Drive.ai noch diesen Monat mit Testfahrten in San Francisco beginnen. Waymo hat im Mai eine Kooperation mit Lyft angekündigt und angeblich steht die Mutter Alphabet kurz davor, eine Milliarde Dollar in Lyft zu investieren. Diese Kooperation, zusammen mit der Intel-Technik, könnte Waymo und Lyft den entscheidenden Zeitvorsprung vor dem Konkurrenten Uber liefern.

Apple hat ebenfalls an einem selbstfahrenden Auto geforscht, das Projekt aber offenbar massiv zurückgefahren. Jetzt wird nur noch von einer Technologieplattform von Apple gesprochen.

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