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14.03.2019

08:50

Der Schauspieler Moritz Bleibtreu in einer Serie von TV Now

Moritz Bleibtreu in der TV Now-Serie „M“

Lohnt sich ein Abo? (Foto: RTL)

Streaming

Wie gut ist TV Now im Vergleich zu Netflix und Amazon Prime?

Von: Camilla Flocke

Mörderisches Angebot: TV Now wirbt gerade überall für seine neue Serie „M“. Dahinter steckt RTL. Der TV-Sender will Netflix und Amazon Prime Konkurrenz machen. Unserer Autorin testet Plattform und Preise.

Dieser Artikel ist am 14. März 2019 bei Orange - dem jungen Portal des Handelsblatts - erschienen.

„Ich hetz dich auf“, schreit es mir auf dem Heimweg von dem leuchtend roten Werbeplakat entgegen. Moritz Bleibtreu zeigt anklagend mit dem Zeigefinger auf seine Betrachter. Das Plakat wirbt für eine neue Serie: „M – eine Stadt sucht einen Mörder“. Die hat der Streamingdienst TV Now produziert. Dahinter steckt ein großer Fernsehsender: RTL.

TV Now: RTL greift mit Streaming Netflix und Amazon Prime an

Ende 2018 hat RTL angekündigt, seine Online-Mediathek zu einer Streaming-Plattform auszubauen. So will der Privatsender aus Köln den großen US-Anbietern Netflix und Amazon Prime Konkurrenz machen. Doch lohnt sich ein Abo für TV Now? Wir machen den Test.

Laut der Marktforscher von Goldmedia hatte 2017 fast jeder fünfte deutsche Haushalt mindestens ein Abo bei einem Streamingdienst. Amazon und Netflix sind dabei die Marktführer in Deutschland. Doch immer mehr Unternehmen wollen in das Geschäft mit den Videos auf Abruf einsteigen. So haben etwa Apple und Disney angekündigt, eigene Streaming-Plattformen aufzubauen.

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    Genau wie die RTL Group, zu der mehr als 60 TV-Sender und damit auch RTL in Deutschland gehören. Laut Konzernchef Bert Habets will das Unternehmen in den kommenden drei Jahren 350 Millionen Euro in Streaming investieren.

    RTL macht weniger Umsatz und Gewinn im Jahr 2018

    RTL muss sich verändern, denn das traditionelle TV-Geschäft schwächelt. Das geht aus den neuen Geschäftszahlen hervor, die der Konzern am Mittwochabend vorlegte. 2018 sank der Umsatz in Deutschland um 2,8 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Der Gewinn ging ebenfalls leicht zurück.

    RTL begründet das unter anderem mit niedrigeren Werbeeinnahmen, da beispielsweise die Fußball-Weltmeisterschaft und die olympischen Winterspiele im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ausgestrahlt wurden.

    Zurück zu meinem Test: Ich klicke auf das türkisfarbene Feld auf der Website von TV Now mit der Aufschrift „Jetzt testen“. Dann folgt das übliche Prozedere: E-Mail-Adresse, Geburtsdatum und Passwort eingeben, E-Mail-Adresse bestätigen.

    Dann kann ich erstmal die frei verfügbaren Angebote von TV Now nutzen. Dazu gehören Serien, Shows, Nachrichten, Magazine und Dokumentationen von RTL, die mindestens sieben Tage nach der Ausstrahlung im Fernsehen online verfügbar sind.

    TV Now: Preis liegt unter Netflix – aber nur für ein Gerät gleichzeitig

    Doch ich will ja unter anderem „M – eine Stadt sucht einen Mörder“ sehen. Dafür brauche ich einen Premium-Paket. Das kostet nach einer kostenlosen Testphase von 30 Tagen 4,99 Euro im Monat. Das sind zwar drei Euro weniger als bei den billigsten Angeboten von Netflix oder Amazon Prime. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied.

    Netflix bietet ein Premium-Abo, bei dem Nutzer auf bis zu vier Geräten gleichzeitig streamen können. Viele junge Menschen teilen sich den Zugang mit Freunden und zahlen so nur 3,50 Euro pro Person. Ob das legal ist, erklärt ein Anwalt in diesem Interview.

    Bei TV Now geht das nicht. Auf der Webseite heißt es:

    "Du kannst in deinem Account bis zu fünf Endgeräte registrieren. Das parallele Streaming an zwei oder mehreren Geräten gleichzeitig mit nur einem Account ist jedoch leider nicht möglich."

    Damit ist das Premium-Paket von TV Now pro Gerät sogar teurer als ein Netflix-Abo mit vier Zugängen. Ich will wissen, wie viele Premium-Abonnenten TV Now hat und rufe bei RTL an. Ein Sprecher antwortet, dass sie solche Zahlen nicht bekannt geben.

    Um das Premium-Paket testen zu können, muss ich weitere Daten eingeben und eine Zahlungsart wie Paypal, Kreditkarte oder Lastschrift auswählen. Dann kann es losgehen.

    Das erste, was ich oben auf der Website sehe, ist ein Bild eines oberkörperfreien jungen Mannes, der vor Palmen posiert. TV Now wirbt mit „Temptation Island“, einer Reality-Show in der vier Paare ihre Liebe zueinander testen und dabei auf die Probe gestellt werden. Anders als etwa bei Netflix kann ich nicht vorher einige meiner Lieblingsserien angeben, damit mir der Streamingdienst auf meinen Geschmack zugeschnittene Serien vorschlagen kann.

    TV Now: Weniger Auswahl im Vergleich zu Netflix und Amazon Prime

    Dabei sieht TV Now ähnlich aus wie Netflix oder auch Amazon Prime. Die Filme oder Serien werden in kleinen Kacheln dargestellt, die in waaggerechte Kategorien eingeteilt sind. Insgesamt sind es 25. Sie reichen von „Exklusiv bei TV Now“ über „Die besten US-Krimiserien“ bis zu „Schmucke Kerle, heiße Ladies“ und „Promis an der Schmerzgrenze“.

    Bei „Exklusiv bei TVNOW“ finden sich neben dem groß beworbenen „M – eine Stadt sucht einen Mörder“ noch acht weitere Serien. Darunter „Daniel Küblböck – die Doku“ und „Mary Kills People“, eine Serie, bei der die Hauptfigur unheilbar kranken Patienten beim Suizid hilft. So steht es in der Inhaltsangabe, als ich die Maus über das Titelbild der Serie bewege.

    Will ich mehr über die Serie erfahren, muss ich auf das Bild klicken. In einem Interview mit dem Medienportal DWDL.de kündigte RTL-Manager Jan Wachtel im Oktober 2018 an, dass TV Now pro Monat eine exklusive Eigenproduktion oder Inhalte veröffentlichen will, die es woanders nicht zu sehen gibt.

    Pro Kategorie stehen ungefähr zehn Serien oder Filme zur Auswahl. Was dabei auffällt: Nicht alle Angebote sind mit Premium gekennzeichnet. So zum Beispiel „Kitchen Impossible“, eine Kochsendung mit Tim Mälzer, oder die Vox-Produktion „Club der roten Bänder“. Die kann ich also auch mit dem kostenlosen Zugang schauen. Insgesamt bietet TV Now eine deutlich kleinere Auswahl als die Konkurrenz.

    TV Now: Serien von ARD und ZDF im Angebot

    Dazu kommt: Viele Angebote kann ich auch bei anderen Streamingdiensten sehen. Und ich finde sogar Produktionen von den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF. So etwa die Krimiserien „Mord mit Aussicht“ oder „Bella Block“. Die könnte ich aber auch entweder kostenlos im Fernsehen oder in den Mediatheken der Sender sehen. Allerdings sind die Serien dort meist nicht vollständig, sondern häufig ist nur die neueste Staffel abrufbar.

    Trotzdem will ich von RTL wissen, warum ich überhaupt ein Premium-Paket von TV Now abschließen sollte. Doch der Sender gibt mir auch dazu keine Auskunft. Genau wie auf die Frage nach dem Verhältnis zwischen den Abrufzahlen bei TV Now und den Einschaltquoten im Fernsehen.

    TV Now wirbt damit, dass man mit dem Premium-Paket die neuesten Folgen einiger Sendungen wie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ (GZSZ) schon vor der Ausstrahlung im Fernsehen streamen kann. Außerdem habe ich Zugang zu sämtlichen Livestreams der Sendergruppe von RTL, zu der unter anderem auch Vox, Super RTL oder RTL Crime gehören. Die könnte ich aber natürlich auch zum Großteil im Fernsehen schauen – nur halt nicht zu der Uhrzeit, zu der ich es will.

    „M – eine Stadt sucht einen Mörder“: TV Now-Erfahrung im Selbstversuch

    Es wird Zeit, dass ich etwas ausprobiere. Ich will sehen, was hinter der ersten eigenen Serienproduktion von TV Now steckt. Ich klicke auf die erste Folge von „M – eine Stadt sucht einen Mörder“ – und darf mir erst einmal einen Werbesport ansehen. Das muss ich bei Netflix oder Amazon Prime nicht. Warum das bei TV Now so ist, beantwortet mir RTL auch nicht.

    Als der Werbespot endlich vorbei ist, fängt die erste von sechs Folgen an. Die Serie spielt in Wien. Dort verschwinden nach und nach Kinder, deren Leichen erst später gefunden werden. Der Innenminister nutzt die Vorfälle für politische Zwecke. Die Medien heizen die Stimmung auf, die Bevölkerung wird unruhig und die Unterwelt nimmt die Sache in die Hand, damit die Polizei sie in Ruhe ihre unsaubere Geschäfte machen lässt.

    Die Serie war ursprünglich für den Spartensender RTL Crime geplant. Den kannst du zum Beispiel mit einem TV-Paket von Unitymedia sehen. Auf RTL Crime soll sie nun zu einem späteren Zeitpunkt laufen, berichtet unter anderem das Medienportal Meedia. Ob die Serie irgendwann im Free TV zu sehen ist, ist unklar.

    Nach der ersten Folge bleibe ich erstmal dran. Das Thema ist spannend, genau wie der oft mystisch-unheimliche Aufbau vieler Szenen. Doch die Spannung bleibt für mich nicht über die gesamte Zeit hoch und viele Charaktere kommen mir überzeichnet vor. Eines gelingt den Machern aber: Wie bei jedem guten Krimi will ich natürlich wissen, wer der Mörder ist. Nach den ersten drei Folgen kann es also gut sein, dass ich die Serie weiterschaue.

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