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10.10.2018

05:00 Uhr

Suchmaschine der nächsten Generation

Warum Alphabet in Hardware investiert

VonBritta Weddeling, Katharina Kort

Mit neuen Smartphones und intelligenten Lautsprechern folgt der Suchmaschinenkonzern Google den Nutzern radikaler denn je ins analoge Leben.

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San Francisco/New YorkEin Blick in die Google-Kamera genügt und das Smartphone blendet die gewünschte Information auf dem Bildschirm ein. Eine im Gerät hinterlegte künstliche Intelligenz (KI) erkennt ihre Umwelt und sogar die Marke der auffälligen Sonnenbrille der Besucherin im Publikum in der fünften Etage des Lofts im New Yorker Trendviertel Tribeca. Auch das Online-Kaufhaus, das den Basketball-Korb an Wand des weitläufigen hellen Raums verkauft, wird erkannt.

Bei Googles Hardware-Präsentation in seiner New Yorker Zentrale im Big Apple gewährt der Suchmaschinenriese Einblicke in die Strategie für die nächste Revolution, die er gerade anzettelt. Nur zwei Haltestellen vom Chelsea Market liegt die Zentrale im Meatpacking District – dort wo einst Schweine geschlachtet wurden, trifft sich heute die Tech- und Kunstszene.

Bislang zielte der Eroberungsplan aus Mountain View vor allem auf die digitale Welt. Nun schickt sich Google an, seinem Publikum radikaler denn je ins analoge Leben zu folgen. Neue intelligente Hardware wie die nächste Smartphone-Generation Pixel 3, Pixel 3 XL und Google Home Hub, der erste Lautsprecher mit Bildschirm, sollen Nutzer an das eigene Ökosystem binden und ihnen die Welt erklären, ganz einfach und bequem.

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„Informationen bereitzustellen, gehörte schon immer zu unserer DNA“, betont Googles Hardware-Chef Rick Osterloh. Der große Durchbruch ereigne sich jedoch „an der Schnittstelle von künstlicher Intelligenz, Software und Hardware“, also nur im Zusammenspiel von digitaler und analoger Welt.

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Google, das einmal als Schlagwortverzeichnis für Internetseiten begann, setzt deshalb mehr denn je auf eigene Hardware. Google-Chef Sundar Pichai bezeichnet die Investitionen in eigene Telefone, smarte Lautsprecher oder Virtual-Reality-Brillen als die „große nächste Wette“.

Zwar entwickelt sein Konzern bereits das Betriebssystem Android, das Hersteller kostenlos einsetzen können. Es sichert Google Werbeeinnahmen aus der mobilen Suche oder Anwendungen wie Maps, hinzu kommen Erlöse durch Apps, Videos und Musik. Durch die Strategie dominiert der Hersteller den Smartphone-Markt.

Laut der amerikanischen Statistikfirma Statcounter läuft Android auf 77 Prozent der Smartphones und Tablets. Zum Vergleich: Apple liegt bei nur 18,9 Prozent. Doch Google kann kaum kontrollieren, wie die zahlreichen Hersteller Android einsetzen, anders als der iPhone-Hersteller, der immer wieder neue Standards für die Smartphone-Branche setzt.

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Ein Tag nach Bekanntwerden der Datenpanne präsentiert Google in New York seine Produktneuheiten – in der Hoffnung, eine neue Zielgruppe für sich zu gewinnen.

Das mehrt den Hype um Cupertino. Während zwischen 60 und 70 Prozent der Apple-Nutzer die aktuelle Software verwenden und von hoher Leistung und den aktuellsten Sicherheitsstandards profitieren, trudeln bei Google Software-Updates auf den eigenen Hardware-Geräten oft mit monatelanger Verspätung ein.

Das soll nun anders werden. „Durch die eigene Hardware-Produktion will Google besser kontrollieren, wie Nutzer die eigenen Produkte erleben“, urteilt die Gartner-Analystin Annette Zimmermann. Mit den Geräten schaffe Google zudem eine Plattform, um „die eigene Software erst zum Glänzen zu bringen“, urteilt Kumar Shah, Managing Director bei der Investment-Firma Transit Capital.

Bei der Präsentation in New York flimmern Entertainment- und Medien-Angebote über Smartphones und Lautsprecher. Hardware-Chef Osterloh stellte eine Kooperation mit Star-Fotografin Annie Leibovitz vor, zeigte Titelbilder für Cover aus dem Verlagshaus Conde Nast, aufgenommen mit dem neuen Pixel 3, stellte besonders die Vorteile der neuen Pixel-Kamera samt der hinterlegten Algorithmen hervor.

Lautsprecher mit 7-Zoll-Bildschirm

Das Zuhause ist Google längst nicht smart genug. Google Home Hub, der erste eigene Lautsprecher mit einem 7-Zoll-Bildschirm aus der Produktion von Mountain View, soll es besser und übersichtlicher organisieren. Auf Zuruf aktiviert der Nutzer Apps, darunter Fotos, Videos, Maps oder der Kalender. Auf einen Blick zeigt der Hub in einem Dashboard den Status aller smarten Geräte an.

„Googles große Vision ist es, die Anzahl der Punkte zu erhöhen, an denen der Nutzer mit dem Google-Universum in Kontakt kommt“, urteilt Rohit Kulkarni von der Investmentfirma Sharespost. „Sprachsteuerung ist die nächste Generation der Suche.“ Bislang profitiert vor allem Amazon von dieser Entwicklung, das laut eMarketer inzwischen zur Nummer 3 im Markt mit digitalen Anzeigen hinter Google und Facebook avancierte.

Die neue Geräte-Generation um Googles Home Hub soll dagegen halten und vor allem mit der neuen Version von Amazons Echo Show konkurrieren, den der Online-Händler beim letzten Event in Seattle zeigte. Nach wie vor dominiert Amazon das Geschäft mit smarten Lautsprechern. Die Investmentfirma Loup Ventures geht davon aus, dass das Unternehmen aus Seattle bis Ende 2018 eine Reichweite von 52 Prozent erreicht, während Alphabet dann auf 28 Prozent komme.

Google rückt näher an Amazon

Doch Analysten rechnen damit, dass sich die Lage zu Googles Gunsten ändern werde. „Amazon ist derzeit der klare Anführer im Markt, doch Google ist in einer guten Position, um schnell aufzuholen“, urteilt Ramon Llamas von IDC. Schon jetzt registriere Google 400 Prozent mehr Anfragen an Google Home im vergangenen Jahr, so die Google-Managerin Dia Jolly. 85 Prozent der Besitzer eines smarten Lautsprechers nutzen die Geräte mit ihrer Stimme.

Bei den Smartphone-Verkäufen selbst ist Google wiederum immer noch eher ein Winzling. Laut der amerikanischen Datenfirma ICD verkaufte es 2017 vier Millionen Smartphones, doppelt so viele wie im vorherigen Jahr. Es liegt damit weit hinter Apple, das 2017 um die 217 Millionen iPhones verkauft hat. Bislang veröffentlicht Alphabet die Finanzen seiner Hardware-Verkäufe nicht einzeln. Doch die Unternehmensparte mit den „anderen Wetten“, in die auch die Cloud-Dienste fallen, erlöste im zweiten Quartal 4,4 Milliarden Dollar, was einem Anstieg um 37 Prozent entspricht.

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