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24.01.2019

17:22

Sundar Pichai

Wie sich der Google-Chef mit einer Lernoffensive beliebt machen will

Von: Annett Meiritz, Miriam Schröder, Frank Specht

Sundar Pichai will in Deutschland kostenlose Seminare anbieten – und damit auch für seinen Konzern werben. Unterstützung kommt unter anderem von Verdi.

Der Google-Chef gehört zu den wohlhabendsten Menschen im Silicon Valley. AFP

Sundar Pichai

Der Google-Chef gehört zu den wohlhabendsten Menschen im Silicon Valley.

Washington, Berlin Der Auftritt von Sundar Pichai zur Eröffnung des neuen Google-Büros am Dienstag in Berlin dauert keine drei Minuten. Er freue sich, hier zu sein, sagt der Google-Chef und schenkt dem Raum noch schnell ein höfliches Lächeln, es sei toll hier. Pichai tritt während seines Besuchs in Deutschland unprätentiös und bescheiden auf – ganz anders, als Googles weltweiter Geltungsanspruch erwarten lassen würde.

Wie andere große Tech-Plattformen hat Google erkannt, dass das fehlende Vertrauen der Konsumenten und Wohlwollen ihrer Regierungen ihr Wachstum mehr bedroht als Konkurrenten oder technologische Herausforderungen. Um ihre Algorithmen weiter zu verfeinern, brauchen sie immer frische Daten – der ist aber bedroht durch schärfere Datenschutzgesetze und mögliche Boykotts ihrer Nutzer.

In den USA droht Google nach zahlreichen Verstößen gegen die Privatsphäre und die Manipulations-Affäre um die Präsidentschaftswahl 2016 ein „Techlash”, der eine stärkere Regulierung durch die Aufsichtsbehörden nach sich ziehen könne. Selbst eine Zerschlagung des Alphabet-Konzerns, zu dem Google gehört, ist denkbar.

Im vergangenen Jahr investierte Google eine Rekordsumme von 21 Millionen Dollar ins Lobbying in Washington. Stippvisiten wie die von Pichai in Berlin sind da deutlich günstiger, haben aber das gleiche Ziel.

Direkt mit den Reizthemen konfrontiert wird Pichai nicht so gerne. Die erste Kongressanhörung, der sich Facebook-Chef Mark Zuckerberg und Twitter-CEO Jack Dorsey stellten, schwänzte Pichai. Erst nach der zweiten Einladung sagte er im Dezember knapp vier Stunden im Kongress aus zu Datenschutz, Kartellrecht und Algorithmen.

Der 46-Jährige blieb dabei vage und rettete sich häufig in Allgemeinplätze. Auf die Frage, warum beim Eingeben des Stichworts „Idiot” in der Bildersuche überwiegend Fotos von US-Präsident Donald Trump erschienen, sagte er, man versuche „zu jedem Zeitpunkt die besten Suchergebnisse für jede Abfrage zu finden.”

Viele der wichtigsten Produkte von Google wurden von unseren deutschen Ingenieuren entwickelt. Sundar Pichai, Google-Chef

In Deutschland setzt Pichai die Themen selbst. „Viele der wichtigsten Produkte von Google, darunter auch einige unserer globalen Tools zum Schutz der Privatsphäre, wurden von unseren deutschen Ingenieuren entwickelt“, sagt er. „In Europa haben wir seit 2007 mehr als 4,3 Milliarden Euro investiert.“

Unangenehme Themen wie die Millionenstrafe, die die französische Datenschutzbehörde gerade gegen seinen Konzern verhängt hat, sollen keinen Raum einnehmen. Stattdessen steht eine neue digitale Bildungsoffensive in den Mittelpunkt, die der US-Konzern zusammen mit den Industrie- und Handelskammern und der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ins Leben rufen will.

Die Initiative dazu sei von Google selbst ausgegangen, heißt es bei Verdi. „Wir planen gerade eine eigenständige Innovationsoffensive von Arbeitnehmern“, sagte der für die IT-Branche zuständige Verdi-Vorstand Lothar Schröder dem Handelsblatt. „Da können wir von Googles Technologie-Knowhow profitieren.“

Im Gegensatz zu Amazon, dem Verdi seit Jahren einen Tarifvertrag abzuringen versucht, hat die Gewerkschaft mit Google offenbar weniger Berührungsängste – was aber auch daran liegt, dass Google eben keine Warenlager betreibt, in denen Niedriglöhner arbeiten.

Suchmaschinenkonzern: Google-Chef Pichai plant Bildungsoffensive in Deutschland

Suchmaschinenkonzern

Google-Chef Pichai plant Bildungsoffensive in Deutschland

Der US-Konzern eröffnet in der Hauptstadt ein neues Büro. Der Firmenchef kündigt auch eine digitale Bildungsoffensive für Unternehmen und ihre Mitarbeiter an.

So kann sich der Suchmaschinen-Anbieter durch die Bildungsoffensive seine soziale Verantwortung herausstellen. In sogenannten Zukunftswerkstätten bietet der Konzern kostenlose Seminare an. In Hamburg und München gibt es die Einrichtungen schon, eine in Berlin soll noch eröffnet werden. Bis 2020 wolle Google damit zwei Millionen Deutsche erreichen, sagt Europa-Chef Philipp Justus.

Bei dem Thema Bildung zumindest hat Pichai durch seine Vita hohe Glaubwürdigkeit. Er stammt aus dem südindischen Staat Tamil Nadu. Bis er zwölf Jahre alt war, soll die Familie nicht mal ein Telefon gehabt haben. In die USA kam er 1993 mit einem Stipendium der kalifornischen Elite-Uni Stanford, um Halbleiter-Physik zu studieren. Die umgerechnet 1.000 Dollar für das Flugticket mussten seine Eltern aus ihren Ersparnissen zusammenkratzen.

Heute gehört der Google-Chef zu den wohlhabendsten Menschen im Silicon Valley.

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