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10.09.2018

18:09

T-Systems Chef Al-Saleh

Das sind die nächsten Schritte im Sparprogramm der Telekom-Tochter

Von: Stephan Scheuer

Bei der Telekom-Tochter beginnt der Stellenabbau. Der T-Systems-Chef gibt einen Vorgeschmack, wo die Firma künftig wachsen soll.

Der T-Systems-Chef wurde als Sanierer nach Bonn geholt. Reuters

Adel Al-Saleh

Der T-Systems-Chef wurde als Sanierer nach Bonn geholt.

BonnDer Büroraum ist ganz von Magenta-Farben geprägt: An langen Tischen sitzen die Mitarbeiter im dritten Stock der Zentrale der Deutschen Telekom in Bonn. Am Ende des Raums nimmt T-Systems-Chef Adel Al-Saleh an seinem Schreibtisch Platz. Der Manager hat sein großräumiges Eckbüro in der Vorstandsetage mit Telekom-Chef Timotheus Höttges und den anderen Topmanagern aufgegeben. Der T-Systems-Chef sitzt lieber inmitten seines Teams. Zum Gespräch bittet er an einen Tisch, der offen im Raum steht.

Der erste Schritt ist getan: die Einigung mit dem Betriebsrat. Der Weg für das harte Sparprogramm bei T-Systems ist damit frei. Kommende Woche müssen sich zunächst die Mitarbeiter der Verwaltung auf die Stellen in der neuen Struktur bewerben. In der ersten Phase des Sparprogramms werden bis Ende 2020 insgesamt knapp 3800 Stellen gestrichen.

„Wir haben einen guten Plan zur Reduktion von Kosten aufgelegt“, sagt Al-Saleh. Aber es sei noch zu früh, um abschließend zu beurteilen, ob die Telekom-Tochter damit wieder auf einen Wachstumskurs geführt werden kann. „Ein Erfolg oder ein Scheitern hängt davon ab, wie gut wir den Plan umsetzen.“

Harter Sanierer

Al-Saleh ist von Telekom-Chef Höttges geholt worden, um die Großkundentochter profitabel zu machen. Der 55-jährige Amerikaner gilt als harter Sanierer. Al-Saleh schreckt nicht vor drastischen Überlegungen zurück: Anfang des Jahres hatte er einen Teilverkauf von T-Systems ins Gespräch gebracht. Durch die Einigung mit dem Betriebsrat hätten die Erwägungen zwar keine Priorität, seien aber noch nicht vom Tisch, macht Al-Saleh deutlich. „Unser Ziel ist Wachstum, nicht der Verkauf von Geschäftsbereichen.“

Klar ist, dass das Sparen von Kosten allein nicht reichen wird. T-Systems braucht ein stärkeres Geschäft, um langfristig überleben zu können. „Wir haben unseren Teil getan, damit T-Systems wieder auf einen Wachstumskurs kommt. Jetzt muss die Geschäftsführung liefern“, fordert Thomas Schneegans, Gesamtbetriebsratsvorsitzender und Aufsichtsratsmitglied der T-Systems International GmbH. Al-Saleh ist sich dieser Forderung durchaus bewusst. Und sie kommt nicht nur von den Arbeitnehmern.

Interview mit Adel Al-Saleh: „Wir haben einen guten Plan“ – so will der T-Systems-Chef die Telekom-Tochter sanieren

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Das Sparprogramm ist nur ein Aspekt des Sanierungsprogramms, für den der Amerikaner geholt wurde. Neue Wachstumsfelder sind der zweite Aspekt. „Wir haben elf Geschäftsbereiche definiert, etwa die Hälfte davon wächst. Dazu gehört das Geschäft mit IT-Sicherheit, Anwendungen für das Internet der Dinge, Cloud-Dienste und auch der Gesundheitssektor“, sagt Al-Saleh.

Der Manager will seine Mitarbeiter ermuntern, mit neuen Geschäftsfeldern zu experimentieren. Der Gesundheitssektor ist so ein Bereich. „Der Fokus auf Anwendungen für den Gesundheitssektor ist neu. Es ist ein noch sehr junges Feld für uns“, sagt Al-Saleh. Es müsse geprüft werden, welche Produkte die Kunden brauchten und ob sich damit ein gewinnbringendes Geschäft generieren lässt.

Agiles Arbeiten

Wie T-Systems und die gesamte Telekom künftig agieren wollen, zeigt Personalvorstand Christian Illek. Er hat in die Eingangshalle der Konzernzentrale in Bonn geladen, um über agile Organisationsformen zu sprechen. Flache Hierarchien und klare Ziele, die von Mitarbeitern in kleinen Teams definiert werden, sollen den Konzern fit für die künftigen Herausforderungen machen.

Philippine Risch tritt als Gastrednerin auf. Sie hatte elf Jahre für die niederländische Bankengruppe ING auch die Einführung von agilen Organisationsformen verantwortet, bevor sie im September zur Beratungsfirma Aberkyn wechselte. Selbstbewusst spricht sie von „tiefgreifenden Veränderungen“, die sie angestoßen habe.

„Alle Mitarbeiter mussten sich bei uns neu auf ihre Stellen bewerben. Etwa zehn Prozent waren in der neuen Struktur nicht mehr dabei“, sagt sie. Der Stellenabbau hatte damals einen Aufschrei der Gewerkschaft provoziert. Das erwähnt Risch nicht. Sie sagt: „Durch das neue Bewerben haben wir eine Veränderung im Bewusstsein geschafft. Jeder konnte sich neu fragen, welche Aufgabe er langfristig in der Organisation spielen will.“

Personalvorstand Illek macht anschließend deutlich, dass die Telekom nicht ähnliche Dimensionen plant. „Wir haben ING als Beispiel gewählt, um die stärkste und puristischste Ausprägung von Agility zu zeigen“, sagt er. „Einen so drastischen Weg wie die ING würden wir bei der Telekom nicht wählen.“ In über 25 Projekten würden agile Organisationsformen derzeit bei der Telekom ausprobiert. Die Tests sollten zeigen, auf welche Bereiche sich die Konzepte künftig ausweiten ließen. „Die Reorganisation bei T-Systems bietet für uns die Chance, dort direkt agile Organisationsformen zu verankern“, sagt Illek.´

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Der Umbau bei T-Systems sei auf dem richtigen Weg. „Ich ziehe den Hut vor den Kollegen von der Arbeitnehmerseite. Das war ein Kompromiss mit Weitblick“, sagt Illek. „T-Systems ist auch weiter für die Kollegen zuständig, die in der neuen Struktur keinen Platz finden. In der Überhang-Einheit werden sie weiter von uns bezahlt, bis sie eine andere Stelle gefunden haben.“ Jetzt gehe es aber um den Blick nach vorne.

Genau das ist die Kernaufgabe von Al-Saleh. Das Angebot von Diensten für die IT-Sicherheit gehört zu den wichtigsten Wachstumsgeschäften. Ausgerechnet dort muss Al-Saleh aber einen Rückschlag einstecken. Vor einigen Tagen hat Microsoft den Vertrieb der „Deutschen Cloud“ mit T-Systems eingestellt.

„Es ist schade, dass Microsoft dieses Angebot nicht weiterführen will. Aber wir bieten viel mehr als nur dieses eine Produkt an“, sagt Al-Saleh. „Wir haben mehr als 1 400 Sicherheitsexperten, die genau wissen, wie geschützte Netzwerke und Sicherheitsprogramme aufgebaut sein müssen.“

Kunden seien bereit, für Sicherheit „made in Germany“ zu bezahlen. Allerdings räumt der T-Systems-Chef ein, dass es mehr Nachfrage nach der internationalen Variante von Microsoft Office als nach der geschützten deutschen Variante gab. „Das ist der Grund für den Rückzug von Microsoft“, sagt Al-Saleh. T-Systems arbeite bereits an neuen, interessanten Produkten, die in nächster Zeit vorgestellt würden.

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