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14.06.2018

17:12 Uhr

Technologie-Messe

Die Cebit will mit Festival-Konzept Start-ups anlocken

VonJohannes Steger

Die Cebit wandelt sich zum Digitalfestival. Das zieht auch Start-ups nach Hannover – nicht nur aus Deutschland.

Die Messe wandelt sich – und versucht Festival-Flair zu vermitteln. dpa

Cebit 2018

Die Messe wandelt sich – und versucht Festival-Flair zu vermitteln.

HannoverDie Relikte der alten Cebit sind noch nicht gänzlich verschwunden: Neben Pulled-Pork-Burgern lockt immer noch das messetypisch überteuerte Schnitzel mit Pommes. Und trotz der vielen T-Shirt-Träger kommt manch ein Besucher noch in Anzug und Krawatte auf die Messe.

Doch ansonsten ist der Wandel der Cebit unverkennbar: Viele Hallen, in denen sich noch vor einem Jahr die Branchengrößen gegenseitig mit ihren Messeständen zu übertrumpfen versuchten, liegen verwaist. Stattdessen drängen sich die Besucher vor den Hallen. Aus der leicht angestaubten Messe im März soll ein sommerliches Technik-Festival werden – nach dem Vorbild von Konferenzen wie der South by Southwest in Austin oder der Consumer Electronic Show in Las Vegas.

Mit dem neuen Konzept will die Cebit nicht nur für Großkonzerne wie Volkswagen, Vodafone oder Salesforce interessant sein – auch viele Gründer will die Messe anziehen. Gerade sie profitieren von einer Trendwende: Während früher Vorstände beim Wort Start-up noch eher die Nase rümpften, ist heute nahezu in jeder Chefetage das Innovationspotenzial der jungen Unternehmen bekannt. Und die Cebit versucht sich als Spiegelbild dieses Zeitenwandels.

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Es ist alles ein bisschen bunter, alles etwas großzügiger als in den vorherigen Jahren: Die Cebit will sich als Digitalmesse neu positionieren.

Das führt nicht nur dazu, dass auch ausländische Start-ups den Weg nach Hannover aufnehmen. Manch ein Gründer sieht sogar schon die nächste industrielle Revolution heraufdämmern – und die könnte dann sogar aus Deutschland kommen.

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Auf der Messe finden sich viele Formate, die für Start-ups attraktiv sein sollen: Mal präsentieren sie sich auf der Bühne, mal in sogenannten Speed-Datings, in denen sie ihre Geschäftsidee innerhalb weniger Minuten pitchen müssen. Die Bandbreite reicht von der Logistik, wo Systeme freie Lagerflächen von Lkws berechnen, bis hin zum Bereich Digital Health und einem Roboter-Begleiter für Kinder mit Autismus.

Auch Clemens Kirners Wiener Unternehmen trägt das Label „Start-up“, obwohl das eigentlich so gar nicht mehr richtig zu Insider Navigation passen will: „Wir sind nach zwei Jahren Forschung und vier Jahren Entwicklung nun am Markt mit unserer Lösung und den Kinderschuhen eigentlich bereits entwachsen“, sagt der Gründer. Auch er ist nach Hannover gekommen, um neue Partnerschaften zu schließen. Sein Unternehmen erstellt mithilfe der sogenannten Augmented Reality (Erweiterte Realität) Doppelgänger von realen Gebäuden.

Mithilfe eines Tablets oder eines Smartphones bekommt der Nutzer einer App programmierte Gegenstände oder Anleitungen innerhalb des Gebäudes im Live-Modus zu sehen. Zu den Investoren zählt Energiedienstleister Innogy, auf Kundenseite Volkswagen oder die Flughäfen in Amsterdam und Wien.

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Kirner weiß um die neue Kraft des Labels „Start-ups“: „Früher musste man erst einmal einen Nachweis über mehrjährigen Erfolg erbringen, um überhaupt zum Gespräch eingeladen zu werden, heute ist es bei vielen Firmen en vogue mit Start-ups zusammen zu arbeiten.“, meint Kirner.

Auch Volker Pfirsching, Partner bei der Unternehmensberatung Arthur D. Little überzeugt: „Start-ups finden sich insbesondere in Feldern, wo der Innovationsdruck durch neue Technologien besonders groß werden kann.“

Bei Technologien, die sich in einem frühen Stadium befänden, mische in der Regel eine Vielzahl innovativer Start-ups mit, meint der Berater. In Bereichen wie Artificial Intelligence, Future Mobility oder Virtual Reality herrsche viel Dynamik – und eine wahre Goldgräberstimmung: „Alle fragen sich: Wer liefert Lösungen, die langfristig Nutzen liefern?“

Die neue Ausrichtung der Messe passe da gut, ist der Berater überzeugt: „Start-ups brauchen eine Messe in „ihrem Ökosystem“ und profitieren von der geographischen Nähe.“ Die beiden Großevents zum Jahresstart – CES und MWC – seien für viele Wettbewerber zu weit und zu kostspielig. Da passe die CeBit mit dem neuen Konzept gut ins Bild und böte eine interessante Alternative.

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Auch Kirner von Insider Navigation glaubt an den positiven Nutzern der Nähe zur Industrie: „Wir haben in Europa eine viel stärkere Industrie als zum Beispiel in den USA – das schafft ein spannendes Umfeld für junge Unternehmen aus dem Technologie-Bereich.“

Das Silicon Valley böte zwar ein starkes Netzwerk, um an Investoren ran zu kommen, die richtigen Einsatzgebiete für die Technologie fänden sich aber verstärkt hierzulande, findet Kirner: „Die Verbindung von starker Industrie und Know-how bei Technologien wie Computer Vision könnten einen echten Schub bringen.“

Für Volkswagen entwarf sein Unternehmen zum Beispiel einen Prototypen eines digitalen Doppelgänger der Fabrik in Zwickau: „Jetzt können zum Beispiel Routenzüge ganz ohne Papierkarte navigieren oder Inventuren kann ein Mitarbeiter ganz einfach per AR nachvollziehen, wie viele Bestandteile fehlen und einfach nach ordern.“

„füchse.geringste.duldete“ . Diesen kryptischen Dreisatz braucht es, um Clare Jones auf der Cebit zu treffen. Die drei Wörter stehen für das Geschäftskonzept des Start-ups What3words, dessen Marketingchefin Jones ist. Das Unternehmen teilt die Welt in drei mal drei Meter große Abschnitte ein.

Dafür werden den jeweiligen Geo-Koordinaten Adressen aus drei Wörtern zugeteilt – selbst dort, wo es vielleicht gar keine Straße, ja gar kein nennbares Ziel gibt. Die Welt ist eingeteilt in drei Wörtern – und das in einer großen Bandbreite von Sprachen: Deutsch, Englisch, Japanisch – bald schon wird auch Chinesisch folgen.

Zu den Investoren des Londoner Start-ups gehört der deutsche Automobilhersteller Daimler. „Bis zum Jahr 2020 werden wir den Standard in allen Autos etablieren“, hatte Forschungsvorstand Ola Källenius auf der Handelsblatt-Konferenz Pathfinder angekündigt. Jones ist zum ersten Mal nach Hannover gekommen, sie will sich hier mit der Industrie vernetzen, erklärt die Managerin:

„Deutsche Unternehmen spielen eine Schlüsselrolle für uns, weil unser System nicht nur für Endverbraucher funktioniert.“ Man denke zum Beispiel an den Logistikbereich, erklärt Jones: „Ein Fahrer kann die 3-Wörter-Adresse erhalten und die richtige Adresse finden, obwohl er die Landessprache nicht beherrscht.“

Anders als viele Besucher haben sich viele Gründer auf der Cebit übrigens angepasst: Statt Jeans und Turnschuhe tragen sie lieber Lederschuhe und Hemd. Man weiß schließlich nie, wem man begegnet, meint ein Gründer.

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