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11.07.2018

20:30 Uhr

Der aus Aachen stammende Jurist fühlt sich mittlerweile in Köln zu Hause. Frank Beer für Handelsblatt

Carsten Laschet

Der aus Aachen stammende Jurist fühlt sich mittlerweile in Köln zu Hause.

Kölner Domsyndikus Carsten Laschet

Dieser Anwalt hat das wohl heiligste Mandat im Rheinland

VonPeter Brors

Der Kölner Jurist Carsten Laschet ist Deutschlands einziger Domsyndikus. Bei seinem neuen Mandat gestaltet er gleich ein Großprojekt mit.

KölnWenn Carsten Laschet den Kölner Dom durch das Hauptportal betritt, dann leuchten seine Augen passend zu seiner violetten Krawatte. Wie es sich für einen überzeugten Katholiken gehört, führt der Weg nach dem Betreten der Kathedrale zunächst zum Weihwasser. Um dann gleich die Schritte nach rechts zu lenken.

Dort haben sich bekannte Kölner Familien und Freunde des mit 157 Metern weltweit dritthöchsten Gotteshauses verewigt und einige der teuren Domfenster bezahlt, wofür sich die Kirche mit einer Namensgravur bedankt.
Unter einem besonders prachtvollen und farbenfrohen Fenster an der Südseite steht da etwa der Name Oppenheim geschrieben.

Dass sich diese vielleicht bekannteste Kölner Familiendynastie nach einer Ära der Gier und dem Verlust der unternehmerischen Unabhängigkeit ihrer gleichnamigen Privatbank inzwischen nahezu vollständig aus dem Wirtschaftsleben verabschieden musste, ist eine andere Geschichte.

Diese hier handelt von einem (Best Lawyers) ausgezeichneten Rechtsanwalt, der sich neben seiner Tätigkeit als geschäftsführender Partner der Kanzlei Friedrich Graf von Westphalen (etwa 70 Berufsträger) nun auch als einziger Domsyndikus Deutschlands verdient macht.

Ja, um diese Frage gleich zu beantworten, Carsten Laschet, 44, ist der jüngere Bruder des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten, und nein, das prestigeträchtige neue Amt als Syndikus der Hohen Domkirche Sankt Petrus zu Köln ist ihm deshalb natürlich nicht automatisch zugefallen – im Gegenteil: Laschet erhielt den Zuschlag für das wohl heiligste Mandat im Rheinland erst, nachdem er eine eigens vom Domkapitel einberufene Findungskommission überzeugen konnte.

Dass Laschet seit Jahren Mitglied im katholischen Ritterorden vom Heiligen Grab ist und mit der Kirchengeschichte bestens vertraut, hat seiner Berufung sicher nicht geschadet.

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Das Domkapitel, also jenes Gremium, das den Erzbischof wählt und als Körperschaft öffentlichen Rechts die Kathedrale und auch eigenes Vermögen verwaltet, bietet für Laschet juristisch ein weites Feld an Aufgaben. Da sind die 200 Mitarbeiter des Doms, wo es im Arbeitsalltag oft um Fragen des Arbeits-, Sozial- und Steuerrechts geht.

Das alles kombiniert mit dem sehr speziellen Kirchenrecht, veranlasst Laschet zu der Aussage: „Ich bin von Herzen Generalist und Katholik. Die Aufgabe als Domsyndikus könnte für mich entsprechend nicht spannender sein.“

Tatsächlich kommt im Schatten des Doms auch dem öffentlichen Recht und insbesondere dem Versammlungsrecht eine große Bedeutung zu, bietet sich die weitläufige direkte Umgebung um die Kirche, die sogenannte Domplatte, doch bestens als Demonstrationsort für allerlei Kundgebungen und Veranstaltungen an.

Laschet: „Es gibt da sehr klare Regelungen, was im Bannkreis der Kirche zulässig ist und was nicht. Und um das gleich zu sagen: Vieles ist dort eigentlich nicht erlaubt.“ Dass da aber nicht immer strikt nur nach Rechtslage entschieden werden kann, sondern auch die Errungenschaften der Demokratie und das wesentliche Recht auf Versammlungsfreiheit zu berücksichtigen sind, drückt er mit dem Wort „eigentlich“ aus.

Laschet steht vor einer großen Aufgabe

Was ihm indirekt eine Menge Arbeit bereitet, meist in enger Abstimmung mit der Stadt. Laschet lässt sich dabei neben seinem demokratischen Grundverständnis vor allem von einem Leitgedanken tragen: das Ansehen der Domkirche zu schützen und zu bewahren.

Laschet ist ein gerade noch mittelgroßer Mann mit fast schwarzen Haaren, wachen Augen und einem ansteckenden Lachen. Wie es sich für einen anständigen Rheinländer gehört, scheint er nicht zu längeren depressiven Verspannungen zu neigen, sondern es steckt eine gewisse Fröhlichkeit in ihm, die sich in einem aktiven Karnevalsleben auch öffentlich zeigt.

In seiner Kanzlei im schicken Kölner Rheinhafenviertel trägt er gern Anzüge in allen denkbaren Grautönen und Schnitten, die er mit auffälligen Krawatten und Socken in der jeweils gleichen Farbe kombiniert. Aufgewachsen in Aachen, lebt Laschet mit Frau und vier Kindern im zentralen Stadtteil Lindenthal und fühlt sich inzwischen als echter Kölner: „Hier bin ich eindeutig zu Hause.“

Und dieses „Zuhause“ wird er nun mindestens in den nächsten drei Jahren, so lange läuft zunächst seine Berufung zum Domsyndikus, sehr aktiv für seinen Mandanten mitgestalten. Denn zusammen planen Domkapitel und Stadt ein gewaltiges Neubauprojekt, das den Titel „Historische Mitte“ trägt.

Dompropst Gerd Bachner treibt für die Kirche das Projekt zwischen südlichem Domportal und dem Römisch-Germanischen Museum, dem Kurienhaus und dem Domhotel voran und sagt: „Es ist für Köln eine einmalige Chance, auf historisch römischem Boden das kulturelle Erbe der Hohen Domkirche hervorzuheben.“ Die Stadt sieht der Kirchenmann in Person von Oberbürgermeisterin Henriette Reker an seiner Seite.

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Die parteilose Politikerin schreibt: „Mit der ‚Historischen Mitte‘ können wir in nicht da gewesener Weise die Wurzeln der Stadt an einem Ort erfahrbar und Köln als Kulturstadt einmal mehr in Deutschland und der Welt bekannt machen.“

Vor zwei Jahren wurde das Gesamtprojekt in einem europaweiten Wettbewerb ausgeschrieben. 31 Planungsbüros beteiligten sich mit Entwürfen. Der Siegerentwurf des Büros Staab Architekten aus Berlin sieht vor, dass der erste Baukörper, der die Domplatte im Südosten abschließt, für das Stadtmuseum vorgesehen ist.

Ein zweites, schlankes Bürogebäude am Übergang von der Domplatte zur Altstadt nimmt die Verwaltung des Museums und die Institutionen des Kurienhauses auf.

Der Rat der Stadt Köln hat in zwei Instanzen dem Vorhaben zugestimmt. Der finale Baubeschluss könnte 2020 fallen. Die Baukosten werden rund 130 Millionen Euro betragen, wovon 115 Millionen auf die Stadt entfallen und der Rest von der Hohen Domkirche aufzuwenden sein wird. Die Bauzeit wird voraussichtlich zehn Jahre betragen.

Alles gut und schön und sicher auch zukunftsträchtig. Für Domsyndikus Laschet bedeutet das alles vor allem eines: noch mehr Arbeit, in erster Linie auch als Diplomat. Weil die Interessen von Kirche und Stadt – bei aller Eintracht mit Blick auf die großen Linien des Projekts – nicht immer deckungsgleich sein können und werden.

Er sagt: „Einige in der Stadtgesellschaft wollen natürlich gerade die unbebauten Flächen so gestalten, dass sie für Veranstaltungen nutzbar sind. Der Kirche geht es insbesondere darum, die Bedeutung des Doms als Weltkulturerbe und Mittelpunkt des Erzbistums zu bewahren.“ Auf welcher Seite Laschet dabei steht, ist klar: „Die Würde des Doms ist unantastbar.“

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