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25.08.2020

10:23

KPMG-Umfrage

Konzernchefs wollen bei den Büroflächen sparen

Von: Bert Fröndhoff

CEOs internationaler Firmen prophezeien eine neue Arbeitswelt und werten Personalfragen als größtes Geschäftsrisiko. Bei Büros wollen sie sparen.

Viele CEOs wollen mobiles Arbeiten und den Einsatz von Videokonferenzen ausbauen. Die Chefs versprechen sich davon auch dauerhafte Einsparungen, etwa bei den Mietkosten für Büros. DigitalVision/Getty Images

Büroarbeit in Coronazeiten

Viele CEOs wollen mobiles Arbeiten und den Einsatz von Videokonferenzen ausbauen. Die Chefs versprechen sich davon auch dauerhafte Einsparungen, etwa bei den Mietkosten für Büros.

Düsseldorf Die Corona-Pandemie hat den Blick der Vorstandschefs auf ihre Unternehmen und auf die gesamte Wirtschaft grundlegend verändert. Sie zeigen sich skeptisch, was die Entwicklung der Weltwirtschaft angeht, und erwarten einen tiefen Umbruch in der Arbeitswelt und im Personalmanagement. Das Gewinnen und Halten von Mitarbeitern dürfte ihrer Meinung nach zu einer großen Herausforderung werden.

Dies zeigt sich in dem am Dienstag vorgestellten „Global CEO Outlook“ von KPMG. Die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft hat im Juli bei 315 Vorstandschefs internationaler Unternehmen nach den Auswirkungen der Corona-Pandemie gefragt. Schon im Januar, also ohne den Corona-Effekt, hatte KPMG eine Umfrage unter Konzernchefs gemacht, weshalb die Ergebnisse gut vergleichbar sind.

Überraschendstes Ergebnis ist, dass die Chefs Talent- und Personalmanagement nun als größtes Geschäftsrisiko werten. Anfang des Jahres lag dieses Thema noch auf Platz elf des Risiko-Rankings. Damals standen Klimawandel, Handelspolitik und Cybercrime ganz oben auf der Liste mit den größten Bedrohungen für den geschäftlichen Erfolg.

Jetzt geht es vor allem ums Personal, was zunächst verwundert. Schließlich sind viele Unternehmen derzeit mehr mit dem Abbau von Arbeitsplätzen als mit groß angelegten Neueinstellungen beschäftigt. Doch die CEOs richten ihren Blick über die aktuelle Situation hinaus und prophezeien für die nächsten Jahre einen noch härteren Kampf um die besten Talente.

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    Grund dafür ist der tiefe Wandel in der Arbeitswelt, von dem drei Viertel der Befragten fest ausgehen. Die Mehrheit der Chefs hat in der globalen Pandemie bei der digitalen Zusammenarbeit in der Belegschaft positive Erfahrungen gemacht. Zwei von drei geben an, dass sich die Kommunikation mit den Angestellten während der Coronakrise verbessert habe.

    Drei Viertel der CEOs wollen diesen Schwung nutzen und die Digitaltechnik ausbauen. Das betrifft vor allem die Möglichkeit zum mobilen Arbeiten und den Einsatz von Videokonferenzen. Die Chefs versprechen sich davon auch dauerhafte Einsparungen, etwa bei den Mietkosten für Büros. 69 Prozent gehen davon aus, dass ihr Unternehmen künftig weniger Büroflächen benötigen wird.

    Chefs wollen Unternehmenszweck überarbeiten

    Die Topmanager wissen aber auch um die Herausforderungen, die Homeoffice und mobiles Arbeiten mit sich bringen werden. Das betrifft zum einen die Unternehmenskultur, die schwieriger zu entwickeln und umzusetzen ist, wenn die Mitarbeiter weit verteilt sind, sich nur selten sehen und keine gemeinsame örtliche Basis haben.

    Umso wichtiger wird aus Sicht der Chefs der Sinn, der hinter einem Unternehmen, seinem Auftreten und seinen Produkten steht. 79 Prozent der von KPMG Befragten gaben an, dass sie diesen sogenannten Purpose im Zuge der Covid-19-Pandemie noch einmal grundlegend überarbeiten werden. Sie haben den engeren Kontakt zu den Mitarbeitern etwa während des Lockdowns zu schätzen gelernt, ebenso den Zusammenhalt in der Belegschaft.

    Deutsche CEOs bestätigen solche Ergebnisse. So erwartet Matthias Zachert, Vorstandschef des Kölner Chemiekonzerns Lanxess, dass künftig Unternehmenskultur noch stärker über Erfolg und Misserfolg entscheiden wird. Gerade in einer Krise wie Corona müssten Firmen einen starken Teamgeist haben, sagte er dem Handelsblatt. „Solidarität und gegenseitige Hilfsbereitschaft in der Belegschaft sind extrem wichtig.“

    Eine noch größere Herausforderung im Zuge des mobilen Arbeitens sehen die von KPMG befragten Chefs für das Halten und Gewinnen von Mitarbeitern. Zum einen ist diese Entwicklung positiv, weil sich der Kreis der potenziellen neuen Fachkräfte erweitert.

    „Solidarität und gegenseitige Hilfsbereitschaft in der Belegschaft sind extrem wichtig.“ obs

    Lanxess-Chef Matthias Zachert

    „Solidarität und gegenseitige Hilfsbereitschaft in der Belegschaft sind extrem wichtig.“

    So können große Firmen besser im Ausland recruiten, kleinere Firmen auf dem Land sind möglicherweise nicht mehr darauf angewiesen, dass benötigte Experten an den Firmensitz ziehen müssen. „Das verstärkte Homeworking im Zuge der Pandemie hat dafür gesorgt, dass das Potenzial qualifizierter Arbeitskräfte deutlich gestiegen ist“, sagt Angelika Huber-Straßer, Bereichsvorstand Corporates bei KPMG Deutschland.

    Allerdings buhlen künftig unter den neuen Rahmenbedingungen noch mehr Unternehmen um die besten Talente. Zudem gilt andersherum: Die veränderte Arbeitswelt wird dazu führen, dass die besten Mitarbeiter schwieriger im Unternehmen zu halten sind, erwartet eine Mehrzahl der befragten CEOs. Denn das Abwerben von Talenten wird bei mobilem Arbeiten noch leichter sein.

    Viele Unternehmen wissen um diese Bedrohung und versuchen deswegen, ihr Recruiting auch in schwierigen Zeiten beizubehalten. Dazu zählen etwa Unternehmensberatungen wie McKinsey, Boston Consulting oder Bain. Sie lieferten sich immer schon einen harten Kampf um Talente, seien es Absolventen oder Berufserfahrene aus der Industrie. Die Beratungen wissen: Wenn die Wirtschaft wieder anzieht und damit auch ihre Auftragslage, brauchen sie genügend gute Leute.

    Risiken in den globalen Lieferketten erkannt

    Auf Platz zwei der Geschäftsrisiken nennen die CEOs in der KPMG-Umfrage die Neuordnung der globalen Lieferketten. Auch dieses Thema spielte bei der Befragung im Januar praktisch noch keine Rolle. Nun aber hat die Pandemie die Schwächen global vernetzter und weit verzweigter Logistik- und Lieferketten vielerorts offengelegt.

    Zwei von drei Unternehmen haben ihren Ansatz globaler Lieferketten im Zuge der Pandemie überdacht. Hauptgründe hierfür war der Wunsch, schneller auf sich ändernde Kundenanforderungen reagieren zu können, im Falle einer erneuten Katastrophe robuster aufgestellt zu sein, und der gesellschaftliche Druck, näher am Heimatstandort zu produzieren, heißt es in der Studie.

    Die Heimarbeit ist eine Herausforderung für die Unternehmenskultur. dpa

    Arbeiten im Homeoffice

    Die Heimarbeit ist eine Herausforderung für die Unternehmenskultur.

    Allerdings, so zeigen andere Umfragen, erwarten die wenigsten CEOs, dass die Lieferketten nun wieder komplett zurück in die Heimat geholt werden. Denn die Kostenvorteile im Ausland sind zu groß, zudem haben sich viele Lieferketten auch in der Krise bewährt. „Wir werden auch künftig in einer globalen und arbeitsteiligen Welt leben“, sagt etwa Bayer-Chef Werner Baumann.

    Allerdings erwarten viele CEOs eine stärkere Regionalisierung der Wertschöpfungsketten. „Wir sind davon überzeugt, dass es in Zukunft drei ,tektonische Platten‘ mit ihren Zentren in den USA, Europa und China geben wird“, sagt Oliver Hermes, Vorstandschef des Dortmunder Pumpenspezialisten Wilo. Die Unternehmen würden in den jeweiligen Regionen unabhängiger voneinander operieren, was auch für die Beschaffung gelten werde.

    Das Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit ist in der aktuellen KPMG-Umfrage auf der Risikoliste der CEOs zwar um einige Plätze nach hinten gerückt. Doch das dürfte nur vorübergehend so sein. Immerhin 65 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass ihr Umgang mit Klimarisiken mit darüber entscheiden wird, ob sie in fünf Jahren noch im Amt sein werden.

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