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11.05.2022

11:19

LNG-Terminals

Wie ein griechischer Reeder bei Deutschlands Gasversorgung hilft

Von: Gerd Höhler

Die Bundesregierung chartert vier schwimmende Terminals für den Import von verflüssigtem Erdgas. Zwei kommen vom griechischen Tycoon George Prokopiou.

Deutschlands Wirtschaftsminister und der griechische Reeder bei der Vertragsunterzeichnung für die schwimmenden Flüssiggasterminals. dpa

George Prokopiou (r.), Robert Habeck

Deutschlands Wirtschaftsminister und der griechische Reeder bei der Vertragsunterzeichnung für die schwimmenden Flüssiggasterminals.

Athen Der Gastanker „Transgas Power“ ist gerade im Pazifik vom japanischen Sendai nach Freeport im US-Staat Texas unterwegs. Das Schwesterschiff „Transgas Force“ fährt derweil von Trinidad und Tobago in Richtung Nordatlantik. Die Schiffe gehören der griechischen Reederei Dynagas. In der zweiten Jahreshälfte werden sie Kurs auf Deutschland nehmen.

Die Bundesregierung hat die Tanker unter Vermittlung des Energiekonzerns Uniper gechartert. Sie sollen vom kommenden Winter an als schwimmende Flüssiggasterminals, im Fachjargon Floating Storage and Regasification Unit (FSRU) genannt, Deutschland unabhängiger von russischen Gaslieferungen machen.

„Wir freuen uns sehr, dass diese FSRUs in Deutschland installiert werden und das Land mit Erdgas versorgen, das letztlich auch den Übergang zu einer kohlenstoffärmeren Zukunft ermöglichen wird“, sagt George Prokopiou. Der 76-jährige Grieche ist Gründer und Präsident von Dynagas.

Als Prokopiou 2016 die beiden Schiffe bei der chinesischen Staatswerft Hudong-Zhonghua in Auftrag gab, dachte noch niemand an den Krieg in der Ukraine und die Energiekrise. Dass der Grieche den richtigen Riecher und ein gutes Timing hatte, zeigte sich schon bei der Auslieferung im Herbst 2021: Mit den Gaspreisen gingen auch die Charterraten für LNG-Tanker in die Höhe. Binnen weniger Monate stiegen die Tagesraten auf dem Spotmarkt von 50.000 auf mehr als 300.000 Dollar.

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    Zusammen mit zwei weiteren FSRU, die Deutschland von der norwegischen Reederei Höegh LNG anmietet, können Prokopious Schiffe jährlich bis zu 30 Milliarden Kubikmeter Erdgas ins deutsche Netz einspeisen. Das wären fast zwei Drittel der Menge, die Deutschland im vergangenen Jahr aus Russland importiert hat.

    Gas: Griechische Tanker-Eigner in der Überzahl

    Früher als die Konkurrenten in anderen Ländern erkannten die griechischen Reeder die wachsende Bedeutung von LNG für den Gasmarkt. Von 640 LNG-Tankern, die derzeit auf den Weltmeeren unterwegs sind, gehören 135 griechischen Eignern. Prokopious Dynagas kontrolliert 17 davon. Neun weitere sind in Korea bestellt.

    Lloyd’s List platziert Prokopiou in der Liste der weltweit einflussreichsten Persönlichkeiten der Schifffahrtsbranche auf Rang zwölf. Der Tycoon erzählt gern die Geschichte, wie er als Sechsjähriger am Strand des Athener Küstenvororts Glyfada aus alten Brettern ein Floß zimmerte und auf den Saronischen Golf hinauspaddelte. „Als ich die Wellen spürte, wusste ich, was ich werden wollte“, erinnert sich Prokopiou.

    Sein erstes richtiges Schiff bekam er 1972: Mit zwei Partnern kaufte er von Getty Oil den 55.000-Tonnen-Tanker „Pennsylvania“. Heute gebietet Prokopiou mit seinen Gesellschaften Dynacom Tankers, Sea Traders, Dynagas und der an der New York Stock Exchange notierten Dynagas LNG Partners über eine Flotte von mehr als 120 Schiffen im geschätzten Wert von zwei Milliarden Dollar.

    „Wir riskieren unser Geld auf dem Meer, aber wir investieren an Land“, sagt Prokopiou. Laut Medienberichten besitzt er mehr als 2000 Immobilien am Mittelmeer, in den USA und Großbritannien. Eine der Perlen seines Portfolios ist die Villa Christina in Portofino.

    Der Reeder lebt allerdings am liebsten auf dem Meer: Er wohnt überwiegend an Bord seiner 106-Meter langen Jacht „Dream“, die meist vor der Küste von Glyfada liegt. Seine vier Töchter Ioanna, Marilena, Marina und Maria-Eleni arbeiten im Unternehmen.

    LNG: Charterraten von 200.000 Dollar pro Tag

    Prokopiou gilt als einer der innovativsten griechischen Reeder. Er besitzt eine der weltweit größten Flotten von LNG-Tankern der Eisklasse 1A. Sie können Eis von bis zu 80 Zentimeter Dicke aufbrechen. Auch mit der Bestellung der beiden FSRU bewies Prokopiou gutes Gespür. Diese Schiffe, von denen es weltweit nur 48 gibt, kosten rund 300 Millionen Dollar. Nach Schätzungen aus Branchenkreisen liegen die Charterraten bei 200.000 Dollar pro Tag.

    Die Vercharterung an Deutschland bringt nicht nur eine gute Rendite, sie ist auch eine willkommene Diversifizierung. Denn bisher ist Prokopiou stark vom Russland-Geschäft abhängig. Er hat mehrere Schiffe an Gazprom und an die Yamal LNG verchartert, die zu Nowatek gehört, Russlands größtem privatem Gasproduzenten. Yamal setzt die eisbrechenden Schiffe zwischen den Fördergebieten in der russischen Arktis und Fernost ein.

    Nach eigenen Angaben verstößt Dynagas damit nicht gegen die Russland-Sanktionen der EU und der USA. Sie richten sich bisher nicht gegen Gastransporte. Das könnte sich aber ändern, wenn die Sanktionen ausgeweitet werden. Großbritannien hat bereits einen Bann gegen Schiffe verhängt, die von russischen Unternehmen gechartert sind.

    Dieser Artikel erschien zuerst am 10.05.2022 um 13:45 Uhr.

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