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30.08.2022

11:30

Maersk-Tochter MCI

Härtere Gangart gegen China: Deutsche und US-Behörden stoppen Verkauf von Container-Hersteller

Von: Christoph Schlautmann

Mit Unterstützung des Bundeskartellamts unterbindet das US-Justizministerium den Verkauf einer Tochterfirma der dänischen Reederei Maersk an China.

Container, Maersk. Seeverladung in Wilhelmshaven dpa

Seeverladung in Wilhelmshaven

Die dänische Reederei Maersk bleibt auf ihrer Container-Produktionsfabrik MCI sitzen, weil die Behörden den Verkauf an China untersagen.

Düsseldorf Das US-Justizministerium stoppt mit Unterstützung des Bundeskartellamts den Verkauf eines dänischen Seecontainer-Herstellers an China. Die Begründung der Amerikaner: Der knapp eine Milliarde Dollar teure Erwerb der wenig bekannten Firma MCI mit Sitz in Tinglev hätte den Chinesen „eine zu große Kontrolle über ein strategisches Geschäft“ erlaubt.

Das Bundeskartellamt in Bonn, das nach eigenen Aussagen ebenfalls „erhebliche wettbewerbsrechtliche Bedenken“ gegen den Deal geäußert hatte, meldete daraufhin am Freitag, die beteiligten Unternehmen hätten die Anmeldung zurückgenommen. Die deutschen Wettbewerbshüter seien an den „intensiven, weltweiten Ermittlungen“ beteiligt gewesen. Auf der Verkaufsseite stand der Kopenhagener Reedereikonzern Maersk, als Käufer für die 1991 gegründete Firma mit 2300 Mitarbeitern hatte sich die in Shenzhen beheimatete China International Marine Containers Group (CIMC) beworben.

Die Abfuhr der Kartellrechtler steht beispielhaft für eine neue Gangart in den Wirtschaftsbeziehungen mit China. Denn bislang trafen Übernahmeverbote in aller Regel Produzenten aus dem Hightech-Bereich. So untersagte das Bundeswirtschaftsministerium 2018 den Verkauf des niederrheinischen Funktechnikers IMST an chinesische Interessenten. Auch dem westfälischen Werkzeugmaschinen-Hersteller Leifeld Metal Spinning verwehrte Berlin einen Verkauf nach China.

Zuletzt traf es im April dieses Jahres die Beatmungsgerätefirma Hayer Medical aus Bad Ems. Durch den beabsichtigten Verkauf sah die Bundesregierung die öffentliche Sicherheit in Deutschland gefährdet – insbesondere nach den Erfahrungen aus der Coronapandemie.

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    Dass Verbote von Übernahmen nun auch einen Fabrikanten simpler Stahlboxen für die Seefahrt treffen, überrascht manchen in der Branche. „Wir sind fest davon ausgegangen, dass die Übernahme ohne Weiteres durchgeht“, hieß es bei einer Reederei in Hamburg.

    Maersk hätte gewarnt sein müssen

    Dabei hätte Maersk spätestens seit einer Äußerung von Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) gewarnt sein müssen. Sie hatte im Bundestagsausschuss für Menschenrechte Anfang Juni vehement für „mehr Härte im Umgang mit autoritären Staaten wie China“ plädiert. Im Hinblick auf die engen Handelsbeziehungen Deutschlands zu China berichtete sie, das Auswärtige Amt arbeite derzeit an einer Chinastrategie. Dabei gehe es darum, „mehr Distanz zu schaffen und wirtschaftliche Abhängigkeiten zu reduzieren“.

    Doch während das US-Justizministerium den im vergangenen September eingefädelten Verkauf der Maersk-Tochterfirma offen aus „strategischen Gründen“ ablehnte – immerhin unterhält MCI seine Forschungsstätten in Dänemark –, argumentierte die Bonner Wettbewerbsbehörde in ihrer Stellungnahme streng mit kartellrechtlichen Bedenken.

    „Durch die Übernahme der Maersk Container Industry hätte die China International Marine Containers Group ihre starke Stellung weiter auf einen weltweiten Marktanteil von 60 bis 70 Prozent ausgebaut“, erklärte Kartellamtspräsident Andreas Mundt.

    Zudem sei der Markt eng begrenzt. Sowohl der Kaufinteressent wie auch der dänische Hersteller MCI, der seine Container unter der Marke „Star Cool“ produziert und vertreibt, hätten sich auf die Herstellung von Kühlcontainern und Kühlaggregaten spezialisiert.

    Durch die Übernahme wären rund 90 Prozent der weltweiten Kühlcontainer-Produktion in chinesischen Händen gewesen, heißt es aus dem US-Justizministerium. Einer von ihnen, der chinesische Wettbewerber Guangdong Fuwa Engineering, besitze zwar nur eine kleine Marktposition und verhältnismäßig geringe Produktionskapazitäten. Der weitere Anbieter aber, die chinesische Dong Fang, gehöre jedoch dem chinesischen Schifffahrts-Staatskonzern Cosco.

    Europäische Reedereien wie Hapag-Lloyd, MSC oder CMA CGM würden beim Einkauf ihrer Container somit in Abhängigkeit geraten zu ihrem größten chinesischen Wettbewerber, erklärte Wettbewerbshüter Mundt.

    Auch zwischen dem abgewiesenen Kaufinteressenten CIMC und Cosco gebe es „seit mehreren Jahrzehnten bis in die jüngste Vergangenheit gesellschaftsrechtliche und personelle Verbindungen“. Die aus einer von Peking verordneten Reedereifusion hervorgegangene Cosco ist noch vor Hapag-Lloyd die viertgrößte Containerreederei der Welt.

    Enttäuschung bei Maersk über Entscheidung

    Bei Maersk zeigte man sich über die Entscheidung der Kartellwächter enttäuscht. „Es ist bedauerlich, dass die Transaktion trotz der Bemühungen aller Beteiligten nicht zustande kommt“, sagte Patrick Any, Chief Financial Officer bei A.P. Møller-Maersk. Man werde nun die „beste strukturelle Aufstellung für MCI“ prüfen, um die langfristige Entwicklung des Unternehmens sicherzustellen.

    Auch der geplante Einstieg der chinesischen Reederei Cosco beim Hamburger Container-Hafenterminal Tollerort (CTT) könnte angesichts der aktuellen Entwicklungen noch platzen. Bereits im September 2021 hatten sich die Chinesen mit der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) auf eine 35-Prozent-Beteiligung geeinigt. Vor wenigen Tagen aber tauchten in der Hansestadt unbestätigte Berichte auf, nach denen Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) den Einstieg untersagen wolle.

    In der Sitzungsvorlage des Bundeskabinetts hieß es dazu in offizieller Formulierung: „Untersagung des Erwerbs einer Beteiligung an einem inländischen Unternehmen durch einen unionsfremden Erwerber im sektorübergreifenden Investitionsprüfungsverfahren“. Das Bundeswirtschaftsministerium teilte dazu jedoch vor einigen Tagen mit, dass das Investitionsprüfverfahren noch laufe.

    Der börsennotierte, aber mehrheitlich im Besitz der Hansestadt befindliche Terminalbetreiber HHLA hatte sich von dem Einstieg der chinesischen Reederei versprochen, dass Cosco das Terminal Tollerort künftig maximal auslastet. Als Miteigentümer wäre die chinesische Reederei an einem auskömmlichen Betrieb schließlich höchst interessiert. Vonseiten der Hamburger Logistikfirma hieß es zuletzt, man rechne weiterhin mit einer Genehmigung.

    Erstpublikation: 26.08.2022, 17:47 Uhr

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