Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

01.06.2022

04:11

Management

Diversitäts-Ranking: Allianz, SAP und Deutsche Telekom sind die Gewinner

Von: Tanja Kewes

PremiumDie Initiative Beyond Gender Agenda wurde bei der Analyse der Dax-Konzerne positiv überrascht. Vielfalt wird auch für den wirtschaftlichen Erfolg zum Faktor.

Deutsche Telekom Deutsche Telekom AG

Diversity-Kampagne der Deutschen Telekom

Der Konzern liegt bei der Führungsmannschaft über der gesetzlichen Frauenquote von 30 Prozent.

Düsseldorf Es ist erst das zweite Mal, dass die Initiative Beyond Gender Agenda die Diversitätsstrategien der 40 Dax-Konzerne analysiert hat. Doch anders als beim Start im vergangenen Jahr erhielt die Organisation der Unternehmerin Victoria Wagner diesmal viel Zuspruch. „Das Thema Vielfalt bewegt die Konzerne. Die überwiegende Mehrheit hat erkannt, dass es sich im besten Sinne des Wortes lohnt, in diverse Führungsstrukturen zu investieren“, sagt die Gründerin und Geschäftsführerin.

Zu den Spitzenreitern in diesem Jahr gehören der Versicherer Allianz, der Technologiekonzern SAP und die Deutsche Telekom. „Sie überzeugen mit breitem und zielgerichtetem Engagement“, sagt Wagner.

So habe die Allianz eine spezifische Diversitätseinheit mit eigenem Budget. Die Telekom liege mit ihrer diversen Führungsmannschaft über der gesetzlichen Frauenquote von 30 Prozent. Und SAP sei der einzige Konzern, der die Wirkung von Vielfalt auf den Unternehmenserfolg misst und nachhält.

Das Ranking bewertet das in Geschäfts- und Nachhaltigkeitsberichten dokumentierte Diversitätsengagement der 40 Dax-Unternehmen für das vergangene Jahr. Zusätzlich konnten alle Konzerne weitere Informationen und Nachweise einreichen. 16 Unternehmen haben von diesem Angebot dieses Jahr Gebrauch gemacht, um sich und ihr Engagement genauer zu erklären.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die Bewertung erfolgte unter der wissenschaftlichen Leitung von Susanne Schmidt, Professorin für Internationales Management an der Universität Magdeburg, und auf Basis von vier Hauptkategorien. Es wurde erstens ermittelt, wie divers die Führungsgremien aufgestellt sind und inwiefern nachgehalten wird, ob Diversität mit wirtschaftlichem Erfolg korreliert.

    Zweitens wurde überprüft, ob Diversität Sache der Chefinnen und Chefs ist und etwa auch an Boni gekoppelt ist. Drittens wurde bewertet, welche Ressourcen für das Diversitätsmanagement zur Verfügung stehen, und viertens, inwiefern das Arbeitsumfeld inklusiv ist.

    Grafik

    Neben den drei Spitzenreitern zeigen auch andere Konzerne mehr Engagement. So konnten auch die Deutsche Bank und die Deutsche Post bei den tatsächlichen Quoten die volle Punktzahl erreichen. Ihre Belegschaften übertreffen die kritische Masse von 30 Prozent Frauen, und für sie arbeiten zudem mehr als fünf Prozent Menschen mit Behinderungen.

    CEOs von Puma, Adidas und Merck kümmern sich persönlich um Diversität

    Der Versicherungskonzern Allianz und der Sportartikelkonzern Puma punkten mit ihren Diversitätsstrategien. Bei ihnen ist je ein Vorstandmitglied persönlich für das Thema verantwortlich: Bei der Allianz ist das Personalchefin Renate Wagner und bei Puma der Vorstandsvorsitzende Björn Gulden. Bei beiden sind zudem die Boni der Vorstandsmitglieder an Diversitätsziele gebunden.

    Vielfalt ist auch bei anderen Unternehmen zur Vorstandssache erklärt worden: Bei Bayer ist Sarena Lin, zuständig für Transformation und Personal, verantwortlich, bei Adidas Vorstandschef Kasper Rorsted und Personalchefin Amanda Rajkumar. Bei Merck ist es mit Belen Garijo ebenfalls der CEO, bei Siemens und Continental sind es die Personalchefinnen Judith Wiese und Ariane Reinhart.

    Puma, Adidas, Telekom, Zalando und Delivery Hero haben wie auch die Allianz für Diversität eine eigene Organisationseinheit. Diese ist jeweils mit einem spezifischen Budget ausgestattet. „Das ist im Vergleich zum vergangenen Jahr eine deutlich positive Entwicklung“, erklärt Wagner. Einen umfassenden Fokus auf ein inklusives Arbeitsumfeld legen laut der Befragung Allianz, Bayer und der Triebwerksbauer MTU. „Sie bieten alle von uns abgefragten Maßnahmen zur Förderung eines inklusiven Arbeitsumfelds an“, sagt Wagner.

    Beyond Gender Agenda: Gründerin Victoria Wagner Anne Wirtz/Alternativlos

    Victoria Wagner

    Die Gründerin erfasst mit ihrer Initiative Beyond Gender Agenda, wie es um die Vielfalt in deutschen Konzernen bestellt ist.

    Den positiven Trend bei den Dax-Konzernen bestätigt Klaus Hansen, Partner bei der Personalberatung Odgers Berndtson: „Der soziale Druck durch die Quotenregelung und kritische Stakeholder funktioniert.“ Vielerorts mangele es jedoch noch an einer tiefer gehenden Überzeugung, dass Diversität sich auch ökonomisch auszahle. Es werde gehandelt, weil man müsse, nicht weil man wolle. Kritisch sei außerdem zu bewerten, dass Diversität häufig auf den Faktor Frau reduziert werde.

    Auch Anahita Thoms, auf Nachhaltigkeitsberatung spezialisierte Partnerin der Kanzlei Baker McKenzie, beobachtet, dass die Nachfrage nach Diversitätsstrategien steigt. „Dies liegt zum einen an der rechtlichen Entwicklung, zum anderen an dem gesellschaftlichen Druck“, sagt Thoms.

    Unternehmen verstünden zunehmend, dass ihr zukünftiger wirtschaftlicher Erfolg unter anderem davon abhänge, wie effektiv es ihnen gelingt, ihre Nachhaltigkeitsziele umzusetzen. Rankings wie das von Beyond Gender Agenda seien wichtig, um Transparenz zu schaffen und das Thema in den öffentlichen Diskurs zu rücken. „Dadurch können andere Unternehmen motiviert werden, ihr Engagement in diesem Bereich voranzutreiben“, sagt Thoms.

    Höhere Wettbewerbsfähigkeit aufgrund von Diversität

    Studien belegen, dass divers aufgestellte Unternehmen erfolgreicher und wettbewerbsfähiger sind. So zeigt der „Gender Diversity Index“ der Boston Consulting Group, dass diverse Unternehmen im Schnitt neun Prozent höhere Gewinnmargen erreichen und innovativer sind. Sie generieren um 19 Prozentpunkte höhere Innovationseinnahmen.

    Dass Vielfalt ein Wettbewerbsfaktor ist, wird inzwischen auch von Investoren so gesehen und eingefordert. So kündigten bereits im Jahr 2020 die Finanzinvestoren Blackstone und State Street an, auf Hauptversammlungen allzu homogene Führungsgremien nicht mehr zu entlasten.

    Die Deutsche Börse wiederum führte im März 2020 den „Dax 50 ESG“-Index ein, in dem Konzerne gebündelt sind, die sich Standards für Umwelt (Environmental), Soziales (Social) und verantwortungsvolle Unternehmensführung (Governance) im Allgemeinen sowie für Nachhaltigkeit und Diversität im Besonderen gesetzt haben.

    Auch die Chefjustiziare von rund 100 Konzernen haben inzwischen mit dem „General Counsel for Diversity & Inclusion Statement“ ein klares Zeichen gesetzt – und den Druck so nach innen und außen erhöht. Zu den Unterzeichnern der Erklärung und Selbstverpflichtung gehören die Verantwortlichen deutscher Konzerne wie Bayer, BASF, Telekom, Merck und Siemens.

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×