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26.12.2018

09:51

Stratege des Jahres

Investor René Benko – Mit Gespür für Geld und Geschäft zum Kaufhaus-Coup

Von: Roland Berger

Der österreichische Unternehmer ist am Ziel: er vereinigt Karstadt und Kaufhof. Der ausgeklügelte Deal macht Benko zum Strategen des Jahres.

Illustration von Julius Brauckmann; Philipp Horak/Anzenberger [M]; Stefan Kröger/WirtschaftsWoche

Seine Karriere begann René Benko als Immobilienentwickler in Österreich. Die Geschichte, wie er als 17-Jähriger aus staubigen Dachböden Luxuswohnungen machte, klingt gut: Es gab leer stehende Dachböden, aber hohe Innenstadtmieten, und der junge Benko entschließt sich, mit deren Verwandlung zu Wohnraum Geld zu verdienen. Irgendwie klingt es jedoch zu simpel, als dass eine solche Idee für den Beginn einer Blitzkarriere, wie Benko sie sich erarbeitet hat, dienen könnte.

Die weiteren Kapitel, die ihm den Karrieredurchbruch brachten, klingen auch eher wie business as usual im Immobiliengeschäft: Erst die Entwicklung von Ärztezentren, schließlich die Entwicklung von Nobel-Shoppingmeilen und Luxusapartments mit seiner Signa-Holding mussten hinzukommen. So hat Benko es geschafft, mit diesem Geschäftsmodell ein Milliarden-Immobilien-Unternehmen aufzubauen.

Spätestens seit seinem Einstieg ins Retailgeschäft und in die Medien ist er auch ganz faktisch mehr als „nur“ österreichischer Immobilienentwickler, sondern erfolgreicher Familienunternehmer in der ersten Generation, der ein Milliardenimperium – schon vor seinem 40. Geburtstag – aufgebaut hat.

Sein einmaliges Gespür für Trends und Opportunitäten, seine Beachtung jedes Details bei deren Umsetzung, seine Fähigkeit, Financiers für seine Aktivitäten zu begeistern, und seine Vertrauenswürdigkeit bei deren Bedienung machten Benko erfolgreich. Die Dachbodengeschichte, mit der seine Karriere begann, ist das beste Beispiel dafür, wie er Gelegenheiten erkennt, nutzt und umsetzt.

Ungenutzte Flächen in Innenstadtlagen so zu verändern, dass anspruchsvolle Käufer und Mieter dort einziehen wollten, ist keine biblische creatio ex nihilo und auch keine Disruption des Wohnungsmarktes. Aber es ist eine exzellente unternehmerische Leistung, bei der sich viele fragen: „Wieso bin ich nicht darauf gekommen?“ Die Antwort auf diese Frage: Das Gespür für Opportunitäten ist bei René Benko einfach etwas früher und besser ausgeprägt.

Der 81-Jährige ist das Urgestein der deutschen Management-Berater. Bereits 1967 gründete er seine Firma, die heute 2400 Mitarbeiter beschäftigt. 2003 gab Berger den CEO-Posten auf, wechselte in den Aufsichtsrat. Seit 2010 ist er dessen Ehrenvorsitzender. Er sitzt in diversen Aufsichtsräten und Beiräten von Unternehmen, Stiftungen und Organisationen. Privat investiert er in börsennotierte Firmen und Start-ups, unter anderem auch in Benkos Signa-Firmengruppe. Dort ist er zudem im Beirat. obs

Über den Autoren Roland Berger

Der 81-Jährige ist das Urgestein der deutschen Management-Berater. Bereits 1967 gründete er seine Firma, die heute 2400 Mitarbeiter beschäftigt. 2003 gab Berger den CEO-Posten auf, wechselte in den Aufsichtsrat. Seit 2010 ist er dessen Ehrenvorsitzender. Er sitzt in diversen Aufsichtsräten und Beiräten von Unternehmen, Stiftungen und Organisationen. Privat investiert er in börsennotierte Firmen und Start-ups, unter anderem auch in Benkos Signa-Firmengruppe. Dort ist er zudem im Beirat.

Auch hat er den unternehmerischen Mut, die Chancen mit großem Einsatz zu Erfolgen bringen. Schritt für Schritt hat er so seine Signa Real Estate zum führenden privaten Immobilienunternehmen Europas gemacht.

Als wichtige Eigenschaft kommt sein Fleiß hinzu: Wenn René Benko an etwas glaubt, dann arbeitet er unglaublich hart daran. Er kennt jedes Projekt bis ins letzte Detail, weil er sich alle – wirklich alle – Objekte und Unternehmen und die dazugehörenden Unterlagen höchstpersönlich ansieht und für sich auswertet.

Wenn Sie ihn fragen, wie viele Quadratmeter der Elbtower in der Hafencity für die Büronutzung haben wird, dann weiß er das – und wahrscheinlich sagt er Ihnen auch gleich noch dazu, wie groß die Kapazität der Aufzüge ist oder was die erwarteten Nebenkosten für ein Büro in der 53. Etage sein werden.

Die Fusion als strategische Glanzleistung

René Benko ist dazu noch eine charismatische und seriöse Unternehmerpersönlichkeit. Immer wieder hat er es im Laufe seiner Karriere geschafft, Investoren und Financiers dazu zu bewegen, mit ihm und seiner Signa Großprojekte umzusetzen. Dabei wurden die Adressen seiner Eigen- und Fremdkapitalgeber immer seriöser, bis sich heute Banken, Versicherer und Unternehmer mit Triple-A-Rating darum bewerben, ihn zu finanzieren oder sogar bei ihm investieren zu dürfen.

Die besten Manager konnte er auch stets um sich vereinen: Für alle Projekte hatte er die richtigen Talente gewonnen, die ihn dort ergänzen, wo ihm vielleicht Erfahrungen fehlen oder selbst seine Tüchtigkeit an natürliche und zeitliche Grenzen stößt. Und René Benko ist Teamarbeiter. Sein Management arbeitet gerne mit ihm, weil es gehört wird und Gelegenheit hat, Projekte mit ihm zu realisieren, die andernorts gar nicht erst geboten werden.

Nun erhält René Benko aber nicht – zumindest noch nicht – den Titel des Managers oder des Unternehmers des Jahres, sondern den des Strategen des Jahres. Diesen hat er 2018 vor allem wegen seines Karstadt/Kaufhof-Deals verdient. Die Fusion beider Warenhausgesellschaften ist eine strategische Glanzleistung, die vor allem auch auf ihn ganz persönlich zurückgeht.

Typisch für Benko, ist es doch nicht nur ein gelungener Deal, sondern auch Resultat umfangreicher strategischer Analysen von Wettbewerb und Marktentwicklungen sowie kritischer Unternehmensbewertung und Ermittlung von Synergiepotenzialen.

Aber in erster Linie ist es Ergebnis seiner Erfahrung, dass er mit dem richtigen Management und seinem Blick für Marktmöglichkeiten und -erfordernisse Karstadt aus der Insolvenz geführt und zu einem gewinnbringenden Warenhauskonzern gemacht hat.

Darauf aufbauend wird es Benko gelingen, eine profitable Deutsche Warenhaus AG zu formen. Und zwar nicht in erster Linie durch Standortschließungen und Personalabbau, sondern mit einer kreativen Wachstums- und Standortstrategie – auch zum Vorteil der deutschen Innenstädte.

Signa-Chef im Interview: Das hat René Benko mit Kaufhof und Karstadt vor

Signa-Chef im Interview

Das hat René Benko mit Kaufhof und Karstadt vor

Der Unternehmer spricht über seinen Warenhaus-Coup, seine Pläne für Kaufhof und Karstadt und das Entsetzen seiner Eltern, als er von der Schule flog.

Die Namen Karstadt und Kaufhof sind in Deutschland starke Marken – mit hoher Emotionalität und noch immer lebendiger Nostalgie verbunden. Es waren unter anderem diese beiden Unternehmen, die das Warenhauskonzept in Deutschlands Städte brachten und mit Produktvielfalt und hoher Kundenfrequenz zum Symbol des wirtschaftlichen Aufstiegs wurden. Auch im Nachkriegsdeutschland waren die Warenhäuser die Keimzellen des Wiederaufbaus der Innenstädte.

Das Wirtschaftswunder war als Erstes dort greifbar und erlebbar. Daher hat die Bürgerseele auch immer mitgelitten, als die Warenhäuser in die Krise gerutscht sind, weil neue Einkaufskonzepte auf der grünen Wiese und spezialisierte Discount- und Fachmärkte und heute der Onlinehandel zu großen Konkurrenten wurden.

Schon seit mehr als 20 Jahren haben sich viele darum bemüht, diese Warenhauskrise über strukturelle Neugestaltung zu beenden. Vielfach wurden Retter für die Unternehmen gesucht. Erst Fusionen beziehungsweise Übernahmen von Karstadt-Hertie-Quelle beziehungsweise Kaufhof-Horten-Metro, die leider nie die erhofften positiven Effekte brachten, und dann der Verkauf von Karstadt aus der Insolvenz an Nicolas Berggruen und der Verkauf von Kaufhof durch die Metro an Hudson’s Bay.

So richtig wollte niemandem die Sanierung der Warenhäuser gelingen. Daher wurde René Benko nach dessen Übernahme bei Karstadt auch lange belächelt. Nachdem er aber dann nach wenigen Jahren Karstadt in die Gewinnzone geführt hatte, war das schon mehr als nur ein Achtungserfolg! Und niemand traut sich mehr, ihm vorzuwerfen, er sei ohnehin nur an den Warenhausimmobilien interessiert.

Alle Möglichkeiten in der Hand

In diesem Jahr gelang nun gerade René Benko die Fusion der beiden großen deutschen Warenhäuser. Die Idee war nicht unbedingt neu oder besonders innovativ. Schon bevor Benko mit seiner Signa Retail Karstadt übernahm, war der Zusammenschluss ein von vielen Seiten favorisiertes Szenario. Dies erscheint auch ganz logisch: Damit sich beide auf den Wettbewerb mit den Discount- und Fachmärkten sowie dem Onlinehandel konzentrieren können, müssen sie aufhören, sich gegenseitig im Weg zu stehen.

Gleich nach Vollzug der Karstadt-Übernahme warb Benko bei allen Beteiligten darum, Karstadt und Kaufhof unter einem Dach zu vereinigen. Metro aber meinte, mit Hudson’s Bay den besseren Käufer gefunden zu haben. Die Versprechungen waren zunächst auch hoch. Stattdessen kam es zu massiven Umsatzrückgängen und hohen Verlusten. Benkos Hartnäckigkeit ist es wohl ebenso zu verdanken wie seinen Erfolgen bei der Karstadt-Sanierung, dass Hudson’s Bay erkannte, dass sie die Signa-Retail-Expertise auch bei Kaufhof benötigten.

Karstadt und Kaufhof sind nun als Joint Venture mit der Hudson’s Bay Company unter das Dach der Signa Retail geschlüpft. René Benko hat nun alle Möglichkeiten, durch die Kombination der exzellenten Innenstadtlagen dieser Kaufhäuser mit einem innovativen Retailkonzept zu verknüpfen, das die Stärken des Warenhauskonzepts als One-Stop-Shop beibehält, aber mit neuen Ideen und spezialisierten Händlern und Marken als Partner auffrischt.

Für jedes Haus kann und wird eine Lösung gefunden werden, die es wieder nachhaltig profitabel macht – gegebenenfalls durch Spezialisierung in Situationen, in denen die Objekte der ehemaligen Konkurrenten allzu nah beieinander liegen.

Gleichzeitig ist es Signa Retail schon gelungen, mehrere marktführende Onlinehändler bei Sportartikeln und im General Merchandising aufzubauen, die heute mit mehr als einer Milliarde Euro Umsatz auch profitabel sind. Auf dieser Grundlage und mit der Stärke der beiden Warenhausmarken, die täglich mehrere Millionen Kunden anziehen, wird es gelingen, eine erfolgreiche und profitable Off- und Online-Retailgruppe oder Europas führenden Omnichannel-Anbieter mit 243 Innenstadt-Standorten zu entwickeln.

Für diesen strategischen Coup verdient René Benko daher den Titel als Stratege des Jahres. Er hat den größten Warenhausbetreiber Europas geschaffen. Dieser hat wieder alle Chancen, im Innenstadt-Einzelhandel das Warenhauskonzept mit neuen Ideen und Partnern zu alter Stärke zurückzuführen. Sein Gespür, seine analytisch basierte Kreativität, sein Fleiß und seine Liebe zum Detail sagen René Benko, dass sein Konzept eines innovativen Warenhauses wieder erfolgreich sein wird.

Mit der Fusion von Karstadt und Kaufhof arbeitet er nun daran, diese Idee auch operativ umzusetzen. Damit ist aber seine Energie als Unternehmer noch nicht am Ende, wie der Kauf der führenden Zeitungen Österreichs, der „Krone“ und des „Kuriers“, zeigt. René Benko, der Jeff Bezos Europas? Zuzutrauen wäre es ihm!

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