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07.12.2022

12:49

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Annika Hauptvogel

Vordenker Industrie

Raus aus dem Silo

Von: Thomas Mersch, Stefan Merx

In der Industrie werden die Fähigkeit zur Kreislaufwirtschaft und Dekarbonisierung zu entscheidenden Wettbewerbsfaktoren. Die Vordenker:innen-Initiative 2022 zeigt, welche Menschen an zentraler Stelle die Themen mit Elan und Offenheit angehen.

Kann Deutschland zum Leitmarkt für Klimatechnologie werden? Gelingt die Transformation im Produktionssektor in Richtung nachhaltiger Kreislaufwirtschaft – und der Umstieg auf grünen Wasserstoff als Energieträger? Auf dem Podium des Vordenker:innen-Events in München, ausgerichtet von der Unternehmensberatung BCG und dem Handelsblatt, herrschte überwiegend Zuversicht und Entschlossenheit. „Ich glaube an die Selbstheilungskräfte der Industrie in Deutschland, sich und die Prozesse neu zu erfinden. Das steckt in unserer DNA“, sagte Dirk Ramhorst, CIO des Essener Spezialchemiekonzerns Evonik. Große Teile der Industrie seien jahrelang darauf ausgelegt gewesen, dass „Gas praktisch wie Strom aus der Steckdose kam“. Mit dem Wegfall der preisgünstigen Energie würden andere Technologien nun rentabel. Er erinnert an die Homeoffice-Diskussion: „Man konnte plötzlich etwas tun, was vorher undenkbar war.“

Dinge anders denken und umsetzen – damit hat sich Marie Jaroni bei Thyssen-Krupp in kurzer Zeit einen Ruf gemacht. Die promovierte Ingenieurin plant als „Head of Decarbonization“ bei Thyssen-Krupp Steel die große Wende hin zu „grünem Stahl“. Sie ist verantwortlich für den entsprechenden Umbau der Industrieanlagen des Konzerns ¬– und die neue Strategie, bei der Wasserstoff als Energie- und Hoffnungsträger im Mittelpunkt steht. „Wir müssen unsere Prozesse so umstellen, dass wir kein CO2 mehr emittieren“, sagt die 37-Jährige. „Dazu gibt es keine Alternative.“ Jaroni dreht ein richtig großes Rad in Sachen Klimaschutz: 2,5 Prozent der deutschen CO2-Emissionen entstehen in ihrem Verantwortungsbereich.

„Wir werden in Zukunft weiter Stahl in Deutschland produzieren können, wenn wir jetzt investieren in diese Zukunftstechnologien“, sagt Jaroni. „Das ist eine riesige Chance.“ Sie hat mit ihrem Transformationswillen auch die Jury der Vordenker:innen-Initivative überzeugt – und ist eine Preisträgerin in der Kategorie Industrie. Die Initiative des Handelsblatts und der Beratung BCG steht in diesem Jahr unter dem Leitgedanken „Visionär, innovativ und nachhaltig – für eine grüne Zukunft“.

Sechs Millionen Tonnen weniger CO2 pro Jahr, das ist das Ziel bei Thyssen-Krupp. „Messen kann ich meinen Erfolg im Jahr 2030 ganz einfach an den eingesparten CO2-Mengen“, sagt Jaroni. Als großer Wendepunkt gilt der Bau einer neuen Direktreduktionsanlage in Duisburg, die mehr als zwei Milliarden Euro kosten soll. Der Produktionsstart ist für 2026 angekündigt. Noch hängt die Entscheidung davon ab, ob es öffentliche Zuschüsse gibt. „Wir sind aber in guten Gesprächen mit Berlin und NRW“, sagt Jaroni. Die erste neue Anlage könne auf einen Schlag 0,5 Prozent der deutschen Emissionen einsparen. „In der neuen Direktreduktionsanlage wird nur Eisenerz eingegeben, dann Wasserstoff eingeblasen und oben kommt unschädlicher Wasserdampf heraus“, sagt Jaroni, die Metallurgie und Werkstofftechnik an der RWTH Aachen studiert hat. Theoretisch könnte man ein bis zwei Hochöfen ablösen durch den ersten neuen. „Wir werden unsere Stahlproduktion komplett auf klimaneutral umstellen.“

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