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28.06.2021

11:34

Marco Gobbetti

Burberry-Chef wechselt zum Konkurrenten Ferragamo

Von: Carsten Volkery, Michael Raschke

Marco Gobbetti wird im kommenden Jahr den gebeutelten Modehersteller Ferragamo übernehmen. Die Burberry-Aktie bricht nach der Ankündigung ein.

Der Burberry-Chef geht nach 20 Jahren im Ausland zurück nach Italien. Getty Images Entertainment/Getty Images

Marco Gobbetti

Der Burberry-Chef geht nach 20 Jahren im Ausland zurück nach Italien.

London, Düsseldorf Marco Gobbetti zieht weiter. Der Burberry-Chef wird die britische Luxusmarke zum Jahresende verlassen. Nach zwei Jahrzehnten in Paris und London geht der Italiener zurück in die Heimat, wo er bei der Designermarke Salvatore Ferragamo in Florenz Vorstandschef wird.

Burberry habe neue Energie und sei zurück auf dem Wachstumspfad, sagte der 62-jährige Manager. Deshalb sei jetzt der richtige Zeitpunkt, um zu gehen. Burberry-Chairman Gerry Murphy zeigte sich „enttäuscht“, äußerte aber zugleich Verständnis, dass Gobbetti näher bei seiner Familie sein wollte. Auch die Anleger reagierten alarmiert: Die Aktie fiel am Montagmorgen um knapp zehn Prozent.

Gobbetti war vor viereinhalb Jahren angetreten, um die schwächelnde Londoner Firma wiederzubeleben. Der Sanierer führte eine striktere Kostendisziplin ein und expandierte im Wachstumsmarkt China. Und er positionierte Burberry stärker im höchsten Luxussegment, wo die Margen größer sind. Das bedeutete weniger Rabattaktionen. In Gobbettis Zeit fiel auch der Neuanfang mit einem frischen Chefdesigner: Das Gesicht der Marke, Christopher Bailey, wurde nach 17 Jahren durch Riccardo Tisci ersetzt.

Die Coronakrise traf das Unternehmen jedoch hart. Der Umsatz fiel im vergangenen Geschäftsjahr bis Ende März um elf Prozent auf 2,3 Milliarden Pfund. Der Nettogewinn betrug 376 Millionen Pfund. Einen erheblichen Teil des Umsatzes macht Burberry mit einkaufsfreudigen Touristen aus aller Welt, und diese Einnahmen fielen in der Krise weitgehend aus.

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    Um Cash zu sparen, verkündete Gobbetti vor einem Jahr den Abbau von 500 Stellen. Fünf Prozent der Gesamtkosten wollte er so sparen. Auch die Jahresdividende für Anleger kürzte er auf 11,3 Pence pro Aktie. Inzwischen hat er sie wieder auf das Vor-Corona-Niveau von 42,5 Pence erhöht – ein Zeichen, dass sich die Lage aus Sicht des Managements normalisiert hat.

    Einen erheblichen Teil des Umsatzes macht Burberry mit einkaufsfreudigen Touristen. Reuters

    Burberry-Filiale in Peking

    Einen erheblichen Teil des Umsatzes macht Burberry mit einkaufsfreudigen Touristen.

    Die Umsatzzahlen für das erste Geschäftsquartal werden voraussichtlich sehr positiv ausfallen, weil sie mit dem Lockdown-Quartal im Vorjahr verglichen werden. Ob sein Fünf-Jahres-Plan aber Burberry langfristig erfolgreich ausgerichtet hat, muss sich erst noch zeigen. Noch hat die Firma die von Gobbetti angepeilte Gewinnmarge von 20 Prozent nicht erreicht. Als eine der wenigen Modemarken ohne großen Anteilseigner wird Burberry auch immer wieder als mögliches Übernahmeziel gehandelt – nur der relativ hohe Börsenwert schreckt potenzielle Interessenten bislang ab.

    Bei Ferragamo wartet nun das nächste Abenteuer auf Gobbetti. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Florenz ist in den deutschen Großstädten Berlin, München und Hamburg mit eigenen Boutiquen vertreten. Das italienische Luxushaus hatte noch stärker als die Konkurrenz mit der Pandemie zu kämpfen, der Nettoverlust im Jahr 2020 betrug 72 Millionen Euro. Von Beobachtern wurde es zuletzt ebenfalls als mögliches Übernahmeziel genannt.

    Das 1927 von Namensgeber Salvatore Ferragamo gegründete Unternehmen hat sich auf Schuhe, Lederwaren, Schweizer Uhren und Konfektionsware für Männer und Frauen spezialisiert. Die Ferragamo-Gruppe beschäftigt rund 4000 Mitarbeiter und betreibt gut 650 Stores in Italien und weltweit. Ab 1914 hatte Salvatore Ferragamo zunächst sein Glück in den Vereinigten Staaten gesucht, kehrte aber 1927 nach Italien zurück und gründete sein später prosperierendes Unternehmen mit der Eröffnung eines Schuhgeschäfts.

    Marco Gobbetti hat mit dem Wechsel zu Ferragamo die großen Designermarken nun bald alle durch: Angefangen hatte er seine Karriere 1984 bei Bottega Veneta, später wurde er nacheinander Vorstandschef von Moschino, Givenchy und Celine. Bei der französischen Firma Celine schaffte er in acht Jahren an der Spitze den Turnaround. Wer Gobbetti bei Burberry ersetzen wird, ist noch nicht bekannt. Da sein Vertrag noch bis Ende des Jahres läuft, steht Burberry-Chairman Murphy bei der Suche nach einem Nachfolger also unter keinem allzu großen Zeitdruck.

    Allerdings gibt es nun Befürchtungen, dass auch Chefdesigner Tisci das Unternehmen verlässt. Tisci war von Gobbetti geholt worden und hatte auch vorher bereits mit ihm zusammengearbeitet. Folgt er Gobbetti, wäre es ein doppelter Schlag für Burberry.

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