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08.06.2022

16:15

Marta Ortega

Rekordzahlen zum Einstand auf dem Chefsessel der Zara-Mutter Inditex

Von: Sandra Louven

PremiumDie Tochter des Inditex-Gründers präsentiert als neue Verwaltungsratschefin gleich Rekorde beim Umsatz und Gewinn. Damit beruhigt sie die zuvor nervösen Anleger.

Die Rekordzahlen verschaffen der neuen Inditex-Verwaltungsratschefin etwas Ruhe. Imago

Marta Ortega

Die Rekordzahlen verschaffen der neuen Inditex-Verwaltungsratschefin etwas Ruhe.

Madrid Als Marta Ortega im April an die Spitze des Verwaltungsrats der Zara-Mutter Inditex aufrückte, sah es so aus, als sei der Zeitpunkt schlecht gewählt: Am 24. Februar hatte Inditex das Geschäft in der Ukraine eingestellt, am 5. März folgte derselbe Schritt in Russland.

Für den Konzern verhieß das nichts Gutes, denn Russland war gemessen an den Läden der zweitgrößte Markt des Konzerns nach Spanien und stand für 8,5 Prozent des operativen Gewinns (Ebit). Ortega schien ein turbulenter Start bevorzustehen.

Doch es kam anders: Am Mittwoch präsentierte der Konzern Quartalszahlen, die alle Sorgen vor einer raschen Eintrübung vom Tisch wischten. Im ersten Quartal, das bei Inditex von Februar bis April läuft, schoss der Nettogewinn des weltweit größten Mode-Einzelhändlers um 80 Prozent auf 760 Millionen Euro nach oben. Der Umsatz stieg um 36 Prozent auf 6,7 Milliarden Euro – und das, obwohl der Konzern Rückstellungen in Höhe von 216 Millionen Euro für Kosten im Zusammenhang mit der Ukraine und Russland gebildet hatte.

Marta Ortega hat als Verwaltungsratschefin zwar keine exekutive Funktion, so wie es bei ihrem Vorgänger Pablo Isla der Fall war und in vielen spanischen Konzernen noch üblich ist. Ihre Position entspricht mehr der einer deutschen Aufsichtsratschefin, die das Geschäft kontrolliert, aber das tagesaktuelle Geschäft dem CEO überlässt.

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    Die Rekordzahlen verschaffen Ortega etwas Ruhe

    Dennoch richteten sich alle Augen bei der Präsentation der Zahlen auf die 38-jährige Tochter des Gründers, da der spanische Textilriese mit ihrer Berufung an die Spitze den finalen Generationswechsel vollzogen hat. Ihr Vater Amancio Ortega hält immer noch 59 Prozent der Aktien. Seinen Posten als Verwaltungsratschef hatte er im Jahr 2011 aufgegeben.

    Seine Tochter ist zwar seit Jahren an verschiedenen Stellen im Konzern tätig, hatte aber nie die Verantwortung über Gewinn und Verlust in einem exponierten Bereich des Unternehmens. Beobachter taten sich bei ihrem Aufstieg an die Spitze deshalb schwer, ihre Eignung für den Posten einzuschätzen.

    Der Einstieg mit Rekordzahlen in äußert turbulenten Zeiten dürfte nun für etwas Ruhe sorgen. Die Aktie stieg am Morgen um mehr als fünf Prozent und führte damit den spanischen Leitindex Ibex an. Als der Konzern Ortegas Wechsel an die Spitze im vergangenen November verkündete, war die Aktie prompt um sechs Prozent eingebrochen.

    Das lag aber auch daran, dass mit ihr mit Óscar García Maceiras auch ein neuer CEO benannt wurde, der erst Monate zuvor als Chefberater zu Inditex gestoßen war. Ein komplett neues Duo an der Spitze hatte die Investoren verunsichert.

    Die hohe Inflation hat die Kauflaune noch nicht getrübt

    Der Konzern, zu dem neben Zara Marken wie Massimo Dutti, Oysho, Bershka oder Pull & Bear gehören, lässt mit den nun vorgestellten Zahlen die Coronakrise fulminant hinter sich. Die Geschäftszahlen übertreffen selbst die Resultate aus dem Auftaktquartal 2019 und damit vor der Pandemie. Damals lag der Umsatz bei 5,9 Milliarden Euro.

    Auch für das laufende Jahr ist das Unternehmen optimistisch. Von Anfang Mai bis zum 5. Juni sei der Umsatz auf Basis konstanter Wechselkurse um 17 Prozent gestiegen, erklärte der Vorstand. Geholfen hat das weiterhin starke Onlinegeschäft. In der Pandemie waren die Onlineverkäufe wegen der geschlossenen Läden sprunghaft um 67 Prozent gestiegen.

    Obwohl die Läden in den meisten Ländern weltweit wieder geöffnet sind – mit Ausnahme von 67 Geschäften des Konzerns in China –, ist der Anteil der Onlineverkäufe am Gesamtumsatz nur um sechs Prozent im Vergleich zu 2021 gesunken. Der Konzern geht davon aus, dass er im Jahr 2024 bei 30 Prozent des Gesamtumsatzes liegen wird.

    Die starken Zahlen sind auch nicht nur angesichts des Ausfalls in Russland und der Ukraine bemerkenswert, sondern auch vor dem Hintergrund der weltweit hohen Inflation. Die Verkaufsrekorde von Inditex deuten darauf hin, dass die Verbraucher sich von der Teuerung zumindest bislang noch nicht die Kauflaune trüben lassen – und Marta Ortega weiterhin mit Ruhe arbeiten kann.

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