MenüZurück
Wird geladen.

26.02.2019

04:30

Antennenspezialist

Kathrein junior leitet die Wende in der Unternehmensgeschichte ein

Von: Anja Müller

Nach dem Tod seines Vaters Anton Kathrein musste der Junior früh den Antennenspezialisten übernehmen. Nun verkauft er das Kerngeschäft.

Kathrein junior leitet Wende in der Unternehmensgeschichte ein Hans-Bernhard Huber/laif

Anton Kathrein

Er führt seit dem Tod seines Vaters die Geschäfte.

DüsseldorfDer Chef ist gerade rund 1500 Kilometer weit weg, als der Antennenspezialist bekanntgibt, dass Kathrein die Kernsparte mit Mobilfunk-Antennen und Filtern an den langjährigen Technologiepartner, den schwedischen Netzwerkausrüster Ericsson, verkauft.

Anton Kathrein junior ist in Barcelona beim Mobile World Congress. Dort geht es vor allem um den neuen Mobilfunkstandard 5G, der in Deutschland noch vor einigen Hürden steht. Wäre das anders, hätte es Kathrein geholfen, sagt ein Wegbegleiter.

Kathrein, 34, spricht dort mit Kunden und knüpft Industriekontakte. Dem Handelsblatt teilte er aber mit, dass es „in einem äußerst dynamischen industriellen Umfeld mit einem weiter zunehmenden globalen Wettbewerb“ nicht ausreiche, „hervorragende Antennen zu bauen“.

Insider erzählen, dass es vor allem die Konkurrenz von Huawei gewesen sei, die Kathrein zu schaffen gemacht habe. Die Chinesen hätten Preisen angeboten, die man unternehmerisch nicht nachahmen könne. Damit ist Kathrein an einem Wendepunkt in der Unternehmensgeschichte angelangt.

Ausgerechnet in dem Jahr, in dem der Antennenspezialist von Anton Kathreins Großvater gleichen Namens sein 100. Firmenjubiläum feiert, muss der Junior konstatieren, dass man einen „starken Partner für eine erfolgreiche Perspektive im Markt“ brauche, „um die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit des Kerngeschäfts dauerhaft zu sichern“.

Zenloop: Flaconi-Gründer verkaufen nicht mehr nur Parfüm – Sie analysieren jetzt auch Kundenfeedback

Zenloop

Flaconi-Gründer verkaufen nicht mehr nur Parfüm – Sie analysieren jetzt auch Kundenfeedback

Die Zenloop-Gründer bieten eine Software für die Analyse von Kundenfeedback. Investoren unterstützen sie nun mit fünf Millionen Euro.

Rund 4000 Kathrein-Mitarbeiter, davon 1000 in Rosenheim, werden zu Ericsson wechseln. Ende 2018 strich die Firma bereits 500 Stellen. Weitere 250 werden wohl noch hinzukommen, erläutert Jochen Hafner, Generalbevollmächtigter der Gewerkschaft IG Metall in Rosenheim. Insgesamt seien seit 2013 rund 800 Stellen in Rosenheim weggefallen.

Doch er gibt dafür nicht Anton Kathrein die Schuld, im Gegenteil. Der Junior stehe hinter der Firma. Die aktuelle Situation habe nichts mit dem abrupten Generationswechsel zu tun gehabt, als im November 2012 der Vater mit 61 Jahren plötzlich gestorben war – ein stets als persönlich haftender Gesellschafter auftretender Vollblutunternehmer.

Mit gerade einmal 27 Jahren musste der studierte Elektrotechniker, der sich früh entschied, die Nachfolge seines Vaters anzutreten, die volle Verantwortung übernehmen. Seitdem befinde sich das Unternehmen mehr oder weniger in der Restrukturierung, sagt der Gewerkschafter Hafner.

Die Fortführung der Kernsparte und „die Zukunft der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren und sind mir ein sehr wichtiges persönliches Anliegen“, betont denn auch Kathrein. Man teile mit Ericsson nicht nur das tiefe Verständnis für Technologie, „sondern auch eine gemeinsame Haltung und Werte“.

Nun ist von dem Unternehmen nur noch das Geschäft mit den Satellitenantennen für hochauflösendes Fernsehen, das Geschäft mit Antennen für die Rundfunk-Übertragung sowie die Sparte für AutoID-Lösungen wie zum Beispiel RFID übrig – und insgesamt nur noch rund 350 Mitarbeiter. Es waren weltweit mal mehr als 7 700. Anfang des Monats war bereits der Verkauf der Sparte für die Autoantennen an den Zulieferer Continental vollzogen worden, dort arbeiten etwa 1000 Mitarbeiter.

Als der der Vater des 34-Jährigen das Geschäft verantwortete, habe der Umsatz bei rund einer Milliarde Euro gelegen, 2015 seien es noch mehr als 1,3 Milliarden Euro gewesen, sagte Anton Kathrein. Aktuell liege der Betrag bei rund 270 Millionen Euro.

„Die Verkäufe waren nicht das Ziel“, betont Kathrein, aber völlig ausgeschlossen habe man einen solchen Schritt auch nie. Kathreins Chefsanierer Hans-Joachim Ziems wird nach Vollzug des Verkaufs an Ericsson die Firma verlassen. Gut möglich, dass Ericsson davon profitiert, dass es Sicherheitsbedenken gegen Huawei gibt. Wahrscheinlich ist auch, dass Anton Kathrein jetzt noch mal durchstartet. In Barcelona könnte er dafür die richtigen Kontakte knüpfen.

Handelsblatt Zukunft Mittelstand Newsletter

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×