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17.02.2022

13:52

Arzneimittel

Cannabis-Start-up Cansativa bekommt frisches Geld von Rapper Snoop Dogg

Von: Maike Telgheder

Die Gründer Jakob und Benedikt Sons wollen ihre Marktplatzplattform für Cannabis weiter ausbauen. Internationale Investoren hoffen auf ein Milliardengeschäft.

In den nächsten drei Monaten wollen die Brüder die Mitarbeiterzahl auf knapp 50 Beschäftigte verdoppeln. Cansativa/Harald Schnauder

Jakob (links) und Benedikt Sons

In den nächsten drei Monaten wollen die Brüder die Mitarbeiterzahl auf knapp 50 Beschäftigte verdoppeln.

Frankfurt Die von der Bundesregierung geplante Legalisierung von Cannabis in Deutschland weckt das Interesse internationaler Investoren an der Branche. Im Rahmen einer 13 Millionen Euro schweren Finanzierungsrunde steigt der größte auf Cannabis fokussierte Kapitalgeber, Casa Verde Capital aus Los Angeles, beim Distributor Cansativa ein, wie das Unternehmen am Dienstag bekanntgab. Hinter Casa Verde steht der US-Rapper Snoop Dogg, der weltweit bereits in mehrere Cannabis-Unternehmen investiert hat.

Cansativa aus Mörfelden bei Frankfurt versteht sich als One-Stop-Shop für Medizinalcannabis und ist auf allen Wertschöpfungsstufen aktiv: vom Import der Ware über die Lagerung bis zum Vertrieb an Apotheken einschließlich der gesamten Logistik. Neben Cannabis-Blüten und -Produkten vertreibt die Firma Zubehör wie etwa Vaporisatoren an Apotheken in ganz Deutschland. Im vergangenen Jahr hat Cansativa als einziges Unternehmen vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (Bfarm) den Zuschlag erhalten, in Deutschland angebautes Medizinalcannabis zu vertreiben.

„Der Einstieg von Casa Verde ist für uns ein bedeutender Meilenstein und ein sehr starkes Signal an die gesamte Branche“, sagt Benedikt Sons, Mitgründer und Chef der Cansativa Group. Das Unternehmen will auch bei einer Legalisierung von Cannabis eine gewichtige Rolle im Markt spielen und das „operative Rückgrat zukünftiger Lizenzabgabestellen und der gesamten Cannabisindustrie werden“, so der 33-Jährige.

Mit dem Geld aus der Finanzierungsrunde will Cansativa die eigene Plattform technisch so aufrüsten, dass über sie in Zukunft auch ein deutlich größeres Geschäft mit Import und Vertrieb von Genusscannabis abgewickelt werden kann.

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    Die Ampelregierung hat im Koalitionsvertrag festgeschrieben, die kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken in lizenzierten Geschäften einführen zu wollen. Verschiedene in Deutschland aktive Unternehmen haben daraufhin signalisiert, auch Handel mit Genusscannabis betreiben zu wollen. Hier lockt ein potenzieller Milliardenmarkt.

    Ob Cansativa künftig auch selbst lizenzierte Abgabestellen betreiben und in das Geschäft mit dem Endverbraucher einsteigen will, ist laut Sons' jüngerem Bruder und Mitgründer Jakob noch nicht entschieden. „Diesen Schritt halten wir uns offen“, sagt der 31-Jährige.

    Legalisierung von Cannabis in Deutschland könnte Signalwirkung haben

    Neben Lead Investor Casa Verde Capital sind in der aktuellen Finanzierungsrunde Argonautic Ventures und das Münchener Family-Office Alluti von Unternehmer Bert Bleicher als Neuinvestoren dabei. Man erwarte, dass Cansativa „eine zentrale Rolle bei der erwarteten Legalisierung in Deutschland spielen und einen entscheidenden Einfluss auf den europäischen Markt haben wird“, sagte Casa-Verde-Partner Yoni Meyer. Vergangenen November war der Fonds bereits mit umgerechnet drei Millionen Euro beim Berliner Cannabis-Unternehmen Sanity-Group eingestiegen.

    Eine Legalisierung in Deutschland könnte Signalwirkung auch auf andere europäische Länder haben. Laut Casa Verde wird dem europäischen Markt bis 2025 ein Umsatzpotenzial von mehr drei Milliarden Euro bis 2025 zugetraut.

    Cansativa, 2017 von den Brüdern Sons gegründet, hat bisher in verschiedenen Finanzierungsrunden rund 20 Millionen Euro eingesammelt. Das frische Geld soll nun bis ins kommende Jahr reichen und die aktuelle Wachstumsphase ermöglichen: In den nächsten drei Monaten wollen die Brüder die Mitarbeiterzahl auf knapp 50 Beschäftigte verdoppeln; bis zum Jahresende sollen es 80 bis 100 Mitarbeiter werden.

    Der Markt für medizinisches Cannabis ist seit der Freigabe für den therapeutischen Einsatz im Jahr 2017 stetig gewachsen. Allein an gesetzlich versicherte Patienten wurden in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres Cannabinoid-haltige Arzneimittel und Zubereitungen im Wert von brutto 130 Millionen Euro abgegeben.

    Insgesamt wurden laut Bfarm mehr als 20 Tonnen Cannabisblüten für den medizinischen Einsatz nach Deutschland eingeführt, 75 Prozent mehr als noch im Jahr zuvor. Der Wirtschaftswissenschaftler Justus Haucap schätzte den Gesamtbedarf in Deutschland zuletzt auf 400 Tonnen pro Jahr.

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