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24.07.2012

17:21

Beiräte im Mittelstand

Abschied von Rotweinrunde und Familienklüngel

Von: Manfred Engeser , Claudia Tödtmann
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Im eigenen Saft schmoren, Entscheidungen im stillen Kämmerlein treffen, nur auf den Familienrat hören? Immer mehr Mittelständler sichern sich mit erfahrenen Sparringspartnern dauerhaft externe Expertise – und steigern den Erfolg.

Anders als börsennotierte Unternehmen sind Mittelständlern nicht per Aktiengesetz dazu gezwungen, einen Aufsichtsrat zu installieren. dpa

Anders als börsennotierte Unternehmen sind Mittelständlern nicht per Aktiengesetz dazu gezwungen, einen Aufsichtsrat zu installieren.

Düsseldorf Das Bett malo in Muschel, die Kommode travo in Aubergine, das Regal studimo in Schneeweiß: Wer bei Interlübke Möbel für seine Wohnung sucht, kann zwischen etwa zwei Dutzend verschiedenen Lackierungen wählen. Ein Service, den der Mittelständler aus Rheda-Wiedenbrück seit Langem im Programm hat. „Wir sind Lackprofis“, sagt Geschäftsführer Leo Lübke. „Unsere Materialien und Verfahren verleihen unseren Möbeln eine einzigartige Aura.“

Das Problem: Was bei Interlübke selbstverständlich war, war weder Händlern noch Kunden bewusst. Eine schmerzliche, aber notwendige Erkenntnis – die Lübke jedoch nicht selbst hatte. Sondern Heribert Meffert verdankte. Der 74-Jährige, der an der Uni Münster Generationen von Studenten in die Geheimnisse des Marketings eingeweiht hatte, galt nicht nur jahrzehntelang als Deutschlands Marketingpapst. Seit neun Jahren sitzt er auch im Beirat von Interlübke. Und berät den Geschäftsführer, der 2006 nach dem Tod seines Vaters über Nacht an die Spitze des Markenmöbelherstellers rückte, in Fragen rund um die Marketingstrategie des Unternehmens.

Diese Qualifikationen sollte ein Beirat mitbringen

Operative Erfahrung

Beiräte sollten entweder als Unternehmer im eigenen Betrieb oder als angestellte Manager langjährige Erfahrung gesammelt haben. Nur wer die Fallstricke des täglichen Geschäfts kennt, kann die Situation anderer Unternehmen und die Leistung der Chefetage profund beurteilen und sinnvolle Empfehlungen aussprechen.

Tiefe Branchenkenntnis

Beliebt sind Beiräte mit umfangreicher Branchenkenntnis. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, in kniffligen Situationen mit gezielten Ratschlägen und Kontakten helfen zu können.

Viel Fingerspitzengefühl

Die reibungslose Zusammenarbeit zwischen externem Ratgeber und Unternehmenslenker ist unabdingbar. Wer sich als Beirat empfehlen will, sollte also nicht nur Fachkenntnisse mitbringen, sondern sich auch mit dem sensiblen Zusammenspiel aus operativer Geschäftsführung und unternehmerischen Kontrollorganen auskennen.

Finanzielle Unabhängigkeit

Reich wird man als Beirat nicht - wer sich für einen solchen Posten interessiert, sollte finanzielle, aber auch geistige Unabhängigkeit mitbringen. Das macht es wesentlich leichter, in kritischen Situationen der Geschäftsführung zu widersprechen.

Großes Netzwerk

Dass Unternehmen Headhunter mit der Suche nach professionellen Beiräten beauftragen, nimmt zu, ist aber noch die Ausnahme. Beiratsposten werden interessierten Kandidaten meist über ihre Netzwerke angetragen. Kontakte entstehen in der Regel über die Empfehlung anderer Unternehmer, der Hausbank, des Wirtschaftsprüfers oder des Steuerberaters.

In einer Studie hatte Meffert herausgefunden, dass die Kunden die hohe Qualität der Interlübke-Möbel zwar schätzten. Dass sie aber nicht erkannten, dass gerade deren hochwertigen Lacke die Möbel vom Gros der Konkurrenten unterschieden, die ihre Entwürfe mit wesentlich einfacheren – und preiswerteren – Legierungen oder gar Folien beschichten.

Mefferts Empfehlung: Statt wie die Konkurrenz auf billigere Lösungen auszuweichen, sollte Interlübke sein Lackverfahren zur Königsklasse der Möbelbranche deklarieren. In Fachmagazinen lancierte Pressemitteilungen verschafften Interlübke erste Aufmerksamkeit, eine Kundenbroschüre schärfte auch bei Handelspartnern den Blick für dieses Alleinstellungsmerkmal. Schließlich vermittelte Meffert Lübke einen Doktoranden seines Lehrstuhls, der dem Unternehmen auch beim Vertrieb der hochwertigen Lacklösungen auf die Sprünge helfen soll. „Ohne die Unterstützung des Beirats“, sagt Lübke, „hätte das sicher nicht so schnell geklappt.“

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Kommentare (1)

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Account gelöscht!

24.07.2012, 19:24 Uhr

Na ja, den Artikel hat wieder einmal so ein Lausbub von HB verbrochen. Das Sommerloch muß ja gefüllt werden.
Zur Sache selbst: "Im eigenen Saft schmoren, ...", ja das gab es immer und gibt es natürlich noch irgendwo, aber die waren schon vor 50 Jahren die Saurier. mondahu ist in Familenunternehmen groß geworden, schon vor 50 Jahren ging er als Frischling freiwillig nach Asien, eine Erfahrung, die heute buchstäblich Millionen wert ist. Und er ist nicht der einzige, aber die Gegenbeispiele sind längst in der Versenkung verschwunden.
Und "Anders als börsennotierte Unternehmen sind Mittelständler(n) nicht per Aktiengesetz dazu gezwungen, einen Aufsichtsrat zu installieren." Als ob Aufsichtsräte mehr seien als Überflieger. mondahu ist auch einer und setzt sich permanent in alle Fettnäpfchen, aber man holt ihn immer wieder, weil er der einzige ist, der den Laden (diesmal nicht in der Familie) von der Pike auf versteht. Aber er weiß inzwischen, daß er da eine Einzelerscheinung ist.

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