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17.06.2019

04:14

Christof Fetzer und Jens Struckmeier

Diese Wissenschaftler und Gründer heizen mit ihren Servern

Von: Miriam Schröder

Zwei Forscher aus Dresden nutzen die Abwärme von Servern, um Gebäude zu beheizen. Partner sind große Energieversorger wie Innogy.

Christof Fetzer (l.) und Jens Struckmeier sind Kollegen an der TU Dresden. dpa

Heizen mit Computerwärme

Christof Fetzer (l.) und Jens Struckmeier sind Kollegen an der TU Dresden.

Dresden Eigentlich wollte Christof Fetzer, Professor für Informatik an der TU Dresden, sich bloß ein Häuschen bauen, möglichst nachhaltig. Sein Freund Jens Struckmeier, ein Physiker, half ihm bei der Planung. Zeitgleich hatte Fetzer ein berufliches Anliegen: Für neue Server an seinem Institut fehlte der Platz – vor allem für die Kühlung.

Die Forscher fragten sich: Könnte man die Abwärme der Geräte nicht zum Heizen für Fetzers Haus nutzen? Theoretisch war das möglich. Aber wie sollte man die Energie so weit transportieren? Da kam ihnen die Idee: Man würde die Server nicht in der Uni, sondern im Keller des Professors aufstellen – und die Daten per Glasfaserkabel ins Institut schicken.

Sie bauten einen Prototyp. Statt wie üblich mit Luft kühlten sie die Server mit Wasser, das man anschließend zum Heizen verwenden konnte. Als sie sahen, dass es funktionierte, gründeten sie Cloud & Heat. Sie wollten Wohnhäuser mit ihren Servern ausstatten und als Cloudspeicher vermieten, so die Idee.

Die Digitalisierung produziert immer mehr Daten. Nach Berechnungen des Berliner Borderstep-Instituts wird der Energiebedarf von Rechenzentren und Telekommunikationsnetzen in Deutschland bis 2025 auf 25 Terawattstunden steigen. Mit der Vernetzung von Maschinen und Haushaltsgeräten steige zudem das Bedürfnis nach dezentraler Speicherung, meint Jens Struckmeier: „Wenn man große Datenmengen verteilt, bekommt man schneller Antworten, als wenn die Daten erst in die USA geschickt werden müssen.“

Trotzdem war es anfangs schwer, Geld für das Projekt zu finden. „Für technische Innovationen fehlt in Deutschland das Kapital“, sagt Struckmeier. Investoren seien oft nicht risikofreudig genug, die staatliche Förderung zu bürokratisch.

Zwar gelang es den Gründern, erste Investoren wie John Jahr, Enkel des gleichnamigen Verlegers, zu überzeugen. Mehr als eine Million Euro sammelten sie im Rahmen einer Crowdfunding-Kampagne ein. Doch die Umsätze entwickelten sich erst nicht wie erwartet. Eine zweite Kampagne scheiterte. Zeitweise drohte der örtliche Energieversorger, den Strom abzustellen – eine Erinnerung, bei der es Struckmeier immer noch schaudert. Schließlich waren sie verantwortlich – für Mitarbeiter, Familien und Kleinanleger.

Unter Geschäftsführer Nicolas Röhrs hat Cloud & Heat das Geschäftsmodell modifiziert und bietet seine Lösungen heute für große Partner wie Innogy an. „Rechenzentrumskapazität wird eine Commodity werden wie Wärme und Strom“, glaubt Röhrs. Im letzten Jahr schloss Cloud & Heat eine Finanzierung über zehn Millionen Euro ab. Zu den Investoren zählen die EnBW-Tochter VNG, der Londoner Fonds ETF Partners und Inven Capital, Tochter des tschechischen Energieversorgers CEZ.

Gründer Struckmeier ist weiter als CTO an Bord. Aus dem privaten Projekt ist für ihn eine große Vision geworden: „Bis 2030 könnte man 40 Prozent aller Gebäude mit Serverwärme beheizen.“

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Kommentare (1)

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Frau Nicole Bartels

17.06.2019, 12:59 Uhr

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