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15.02.2023

04:00

Consulting

Beratung Kienbaum kehrt zum Wachstum zurück: „Wir greifen weiter an“

Von: Tanja Kewes

Die einst größte deutsche Personalberatung fokussiert sich auf Familienunternehmen. Zwei Neuzugänge von der Konkurrenz nehmen bei der Expansion eine zentrale Rolle ein.

Das Duo führt die Beratung Kienbaum seit 2021. Kienbaum

Fabian Kienbaum und Bibi Hahn

Das Duo führt die Beratung Kienbaum seit 2021.

Düsseldorf Kienbaum war über Jahrzehnte die bekannteste und größte Management- und Personalberatung mit deutschem Ursprung. Nach herausfordernden Jahren mit Umsatzrückgängen und dem Verlust wichtiger Mitarbeiter meldet sich das familiengeführte Unternehmen nun zurück. „Wir sind auf Wachstums- und Expansionskurs“, sagt Co-Chef Fabian Kienbaum im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Die Gesellschaft habe nach einer Phase der Transformation und der coronabedingten Delle 2020 in den vergangenen beiden Jahren wieder zugelegt, erklärt der Vertreter der dritten Familiengeneration – und zwar deutlich, sowohl beim Umsatz als auch bei den Mitarbeitern.

Seit 2016, als Kienbaum einem Umsatz von 97 Millionen Euro verzeichnete, war es für Kienbaum kontinuierlich bergab gegangen. Zuletzt meldete die 1945 gegründete Beratung laut Bundesanzeiger für 2020 einen Umsatz von 65 Millionen Euro und rund 500 Mitarbeiter.

Beratermarkt wächst wieder deutlich

Die Zeiten des Schrumpfens sollen nun vorbei sein. Auch im laufenden Jahr wolle man mindestens mit dem Markt wachsen, erklärt Fabian Kienbaum: „Wir greifen weiter an.“ Genauere Angaben will der 38-Jährige nicht machen.

Kienbaum leitet die Gesellschaft seit 2021 gemeinsam mit Bibi Hahn. Die 55-Jährige war einst Deutschlandchefin der Personalberatung Hay, die 2015 vom global größten Konkurrenten Korn Ferry übernommen wurde. Während Hahn als eine Art Innenministerin agiert, ist Kienbaum der Außenminister. In der Geschäftsführung vertreten ist auch sein Vater Jochen Kienbaum als geschäftsführender Gesellschafter. Der 76-Jährige hatte die Beratung von 1986 an geführt und groß gemacht.

Dem Branchenverband BDU zufolge ist der Personalberatungsmarkt 2021 hierzulande um 17 Prozent auf ein Allzeithoch von 2,7 Milliarden Euro angewachsen. Nach Einschätzungen des Marktanalysten Lünendonk hat Kienbaum dabei einen Umsatz von 75 Millionen Euro erzielt, was einem Plus von 15 Prozent entsprechen würde. Der Schweizer Konkurrent Egon Zehnder liegt mit 110 Millionen Euro Umsatz in Deutschland allerdings deutlich darüber.

Einer Blitzumfrage von Lünendonk zufolge sind die Consultants insgesamt mit 2022 sehr zufrieden und melden ein durchschnittliches Wachstum von knapp 20 Prozent. Für das laufende Jahr sind sie mit einem erwarteten Plus von 13 Prozent ebenfalls optimistisch.

Das Wachstum von Kienbaum treiben sollen die beiden Felder Executive Search sowie Familienunternehmen. „Das Suchen und Finden von Topführungskräften war und ist unser wichtigster Geschäftsbereich“, erklärt Hahn.

Aber auch die Transformations- und Vergütungsberatung wachse stark. Abgänge wie die von Senior Partner Cyrus Asgarian seien schon mehr als kompensiert worden. Der Transformationsexperte hatte die Beratung im Oktober 2022 verlassen – er und ein halbes Dutzend weiterer Experten und Berater gingen zu Roland Berger.

Geschäft mit Familienunternehmen wird eigene Geschäftseinheit

„Über alle Geschäftsbereiche hinweg wollen wir das Geschäft mit Familienunternehmen noch stärker fokussieren und systematisieren“, erklärt Hahn zudem. Hier besitze Kienbaum nicht nur wegen der eigenen Wurzeln eine hohe Glaubwürdigkeit, man verfüge auch über sehr langfristige und tiefe Beziehungen. Daher habe man mit „Family Businesses“ eine neue Geschäftseinheit geformt.

Schon jetzt sei mehr als jeder zweite Kunde ein Familienunternehmen, sagt Hahn. Dazu gehören Traditionsfirmen wie das Medienhaus DuMont aus Köln, der Logistiker Fiege aus Greven bei Osnabrück, aber auch Shootingstars wie Goldbeck. Das Bauunternehmen aus Hamm hat sich in den vergangenen Jahren deutlich profiliert, etwa durch die Beteiligung am Bau des Tesla-Werks in Brandenburg, und ist stark gewachsen. Goldbeck hat inzwischen 10.000 Mitarbeiter und machte 2022 rund fünf Milliarden Euro Umsatz.

Fabian und auch sein Vater Jochen Kienbaum sind traditionell stark in der Szene familiengeführter Firmen engagiert und verfügen über ein breites Netzwerk. So kandidiert Fabian Kienbaum gerade für das Präsidium des Verbands Die Familienunternehmer. Neue Vorsitzende des Gremiums soll Marie-Christine Ostermann werden, die Kienbaum seit vielen Jahren kennt.

Die Positionierung als Personal- und Managementberatung für Familienunternehmen halten Marktbeobachter wie Jörg Hossenfelder für sinnvoll. „Kienbaum kann als familiengeführtes Unternehmen auf Augenhöhe sprechen und sich so von anderen internationalen Consultants absetzen“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter des Branchenanalysten Lünendonk.

Die Konkurrenzsituation durch internationale Beratungshäuser habe bei Konzernen und Großunternehmen stark zugenommen. „Hier wird es auch für Kienbaum schwerer“, sagt Hossenfelder.

Neuzugänge kommen von Egon Zehnder sowie von Heidrick & Struggles

Für die beiden Wachstumssegmente Familienunternehmen und Executive Search wurden zwei neue Berater von der Konkurrenz verpflichtet. Der Bereich „Family Businesses“ soll vom langjährigen Kienbaum-Berater Falk Runge, 58, sowie von Verena Renze-Westendorf als Doppelspitze geführt werden. Die 40-Jährige kommt zum 1. April aus dem Leadership Advisory Team von Egon Zehnder.

Renze-Westendorf war beim Marktführer in Deutschland eine „hochgeschätzte Expertin“, wie es aus der Gesellschaft heißt. Sie war aber keine assoziierte Beraterin oder angehende Partnerin, wie auch ihr LinkedIn-Profil zeigt. Sie verfügt über mehr als 15 Jahre internationale Erfahrung bei Egon Zehnder und Accenture, wo sie unter anderem Familienunternehmen in Deutschland und den USA bei deren Führungskräfteentwicklung und der Rekrutierung neuer Mitarbeiter begleitete.

Das Suchen und Finden von Topführungskräften war und ist unser wichtigster Geschäftsbereich. Bibi Hahn, Co-Chefin von Kienbaum

Des Weiteren stärkt Kienbaum sein Führungsteam mit Michael Oberwegner. Der 51-Jährige war bis Ende 2020 Deutschlandchef der weltweit mit führenden und börsennotierten Personalberatung Heidrick & Struggles. Dort schied er Ende September 2022 aus. Ab dem 1. März soll er bei Kienbaum gemeinsam mit Jörg Breiski, 51, das Executive-Search-Geschäft leiten.

Kienbaum investiert damit auch wieder in sein traditionell starkes Suchgeschäft. Dieses hatte in den vergangenen Jahren an Bedeutung verloren. Grund dafür waren auch Abgänge einiger profilierter Headhunter wie Anke Hoffmann (2014), Sörge Drosten (2018), Alexander von Preen (2018) oder Constanze Wachsmann (2021), die sich zum Teil mit eigenen Boutiquefirmen selbstständig machten.

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