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31.03.2020

11:27

Coronakrise

Bis zu 14.000 Euro für Kleinunternehmen – wie der Antrag auf Corona-Geld funktioniert

Von: Jan Keuchel

In der Coronakrise soll es Soforthilfen für Kleinunternehmen geben. Die Agentur Jut-so hat direkt einen Antrag gestellt – wir haben sie begleitet.

Der Warteprozess dauerte bei einer Berliner Digitalagentur länger als die Antragstellung selbst. dpa

Technische Störung beim Antrag auf Soforthilfe

Der Warteprozess dauerte bei einer Berliner Digitalagentur länger als die Antragstellung selbst.

Düsseldorf „Jut so“ – so war es bis vor ein paar Wochen noch: gut. Bei der Berliner Digitalagentur mit dem gleichnamigen Titel lief es. Die zwei Inhaber, Lorenz Garbe und Christopher Carus, beide 30, hatten ihre Agentur gerade in eine GmbH umgewandelt. Zusammen mit ihren vier Mitstreitern, die auf freier Basis an Bord waren, hatten sie reichlich zu tun.

Websites erstellen ist ihr Hauptgeschäft. Die selbst ernannten „Webstreetboys“, die mit dem „Du“ locker umgehen, waren zufrieden. „Wir konnten wirklich nicht klagen“, sagt Lorenz, in einen Hoody gekleidet, mit Brille, Bart und Zopf.

Dann kam Corona. Die Pandemie, das Virus, das in Deutschland die Wirtschaft massiv beeinträchtigt – es verpasste auch Jut-so einen Schlag. Mehrere Aufträge brachen weg. Noch steht das zuvor kerngesunde Unternehmen nicht auf der Kippe, aber die ersten Sorgenfalten sind seither da.

Das Motto der Website-Bauer „Gute Seiten – echte Seiten“ droht sich an seinen Namensursprung zu erinnern: gute Zeiten – schlechte Zeiten. Die Berliner entschieden sich deshalb schon früh, möglichst schnell die staatliche Soforthilfe für Kleinunternehmer und Selbstständige in Anspruch zu nehmen.

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    Lorenz wurde auserkoren, sich um die Soforthilfe zu kümmern: „Mein erster Impuls war natürlich: Informationen sammeln im Netz“, sagt Lorenz. Skype ist für ihn und seine digital-affinen Kollegen längst ein völlig natürliches Arbeitsinstrument. Aus seinem Arbeitszimmer heraus schildert Lorenz seinen Weg zum erhofften Geld.

    Zwei Websites sehr hilfreich

    Als er am 26. März damit begann, das Internet zu durchforsten, war er positiv überrascht. Er fand viele Websites zum Thema, zwei gefielen ihm besonders gut: Padlet.com und Gruenderlexikon.de. Vor allem von der ersten Adresse fühlte er sich bestens informiert.

    Zu diesem Zeitpunkt war auch schon geklärt, wann Antragsformulare im Netz zu finden sein würden. Am Montag, dem 30. März, so der Wirtschaftssenat. Das war zwar später als etwa in Bayern, wo die Förderung als erstes anlief, und später auch als in Nordrhein-Westfalen, das am 27. März seine Antragsseite freischaltete. Aber immerhin: Das eher als chaotisch geltende Berlin war nur drei Tage hintendran.

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    Und so staunte Lorenz nicht schlecht, als er sogar schon früher, am Freitag, eine Nachricht seiner Industrie- und Handelskammer erhielt, dass es nun doch schon sofort, ab 12 Uhr, losgehe. Als er um 11:55 Uhr die Website anwählte, hieß es jedoch, die Seite sei nicht erreichbar. Also wartete er weiter und probierte es immer wieder. Bis um 13:20 Uhr, dann war er drin.

    Zunächst musste er die E-Mail-Adresse angeben, dann wurde ihm ein Warteplatz angezeigt. Platz 16.967. Lorenz‘ Lebensgefährtin, eine selbstständige Make-up-Artistin, hatte die Website nur fünf Minuten früher erreicht – und dadurch bereits 1000 Warteplätze gespart.

    „Andere Unternehmer, die es am Sonntagabend versucht haben, sind bereits auf Warteplatz 200.000 gelandet“, sagt Lorenz. „Dann wurde die Seite angehalten mit dem Hinweis, dass nun schon 300-350 Millionen Euro an Fördergeldern weg seien.“

    Einiges muss an Eides statt versichert werden

    Die Digitalagentur Jut-so dagegen bekam am Samstag um 16:30 Uhr eine E-Mail, dass ihre Antragstellung nun in ungefähr einer Stunde erfolgen könne. Und das stimmte auch. „Das mit der Warteschlange ist ein gutes System“, erzählt Lorenz. „Wir waren zum Beispiel zwischendurch im Park spazieren – natürlich mit gebührendem Sicherheitsabstand – und konnten auf dem Handy verfolgen, wie sich die Schlange verringert. Alle zehn bis 15 Sekunden wurde die Angabe dazu aktualisiert.“

    Und auch mit dem nachfolgenden Antragsprozedere ist er zufrieden. Fünf Seiten waren auszufüllen, Angaben zur Firma wie die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, Anschrift und Branche mussten hinterlegt werden, andere Informationen musste er nur ankreuzen. „Außerdem musste man noch einiges an Eides statt versichern, etwa dass Aufträge wirklich weggebrochen sind.“

    Bei Jut-so sei das der Fall, sagt Lorenz. Rund 2000 bis 3000 Euro weniger im Monat werden sie haben, weil Kunden Projekte auf unbestimmte Zeit verschoben hätten, so Lorenz. Oder weil Daueraufträge im Umfang vermindert worden seien.

    Ein Häkchen musste außerdem noch dort gesetzt werden, wo es konkret ums Geld geht. Solo-Selbstständige und Kleinunternehmer mit bis zu fünf Mitarbeitern können 5000 Euro Liquiditätshilfe bekommen sowie weitere maximal 9000 Euro für den „fortlaufenden betrieblichen Sach- und Finanzaufwand“, wie es im Formular heißt. Für beide Beträge muss jeweils ein eigenes Häkchen angeklickt werden.

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    Nach 20 Minuten war Lorenz mit allem durch. Bei Bewilligung, so der nachfolgende Hinweis auf der Website, solle das Geld in den nächsten zwei bis drei Tagen auf dem Konto sein.

    Noch will Lorenz nicht zu sehr loben, Berliner sind wahrscheinlich generell vorsichtig mit Versprechungen ihrer Stadt. Aber technisch lief es bisher insgesamt einwandfrei. „Wenn jetzt dann noch das Geld kommt,“ sagt Lorenz und lacht, „dann würde ich sagen: hoch den Daumen, das hat Berlin jut jemacht.“

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