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04.09.2019

15:45

Fabian Rusitschka

Wie ein junger Ingenieur die Fließbandfertigung revolutionieren will

Von: Peter Brors

Fabian Rusitschka will die Fließbandarbeit in die Zukunft überführen. Zu den ersten Kunden seines Start-ups Arculus gehören Audi, Siemens und Viessmann.

Der Gründer und CEO von Arculus GmbH ist in Sichtnähe zu Daimler und AMG aufgewachsen. Arculus GmbH

Fabian Rusitschka

Der Gründer und CEO von Arculus GmbH ist in Sichtnähe zu Daimler und AMG aufgewachsen.

Berlin AMG – drei Buchstaben, die technikinteressierte Autofreunde seit jeher in Verzückung versetzen. Denn in dieser Spezialfabrik am Stadtrand von Stuttgart lässt der Daimler-Konzern seit Jahrzehnten die Sonderwünsche seiner Kundschaft exklusiv, weil vielfach noch in Handarbeit, umsetzen.

Für angehende Ingenieure, vor allem solche, die an Autos besonders interessiert sind, muss die AMG-Fabrikation das Paradies auf Erden sein. Und genau dort ist Fabian Rusitschka in Sichtweite aufgewachsen. Der heute 35-jährige, sportliche und mittelgroße promovierte Maschinenbauer sagt: „Für Technikfreaks wie mich war AMG immer gleichbedeutend mit bester Ingenieurskunst.“

Derart emotional aufgeladen, jobbte Rusitschka während seiner Studienzeit an der Universität Stuttgart so oft wie möglich bei AMG und bei der vielfach größeren Konzernmutter Daimler – um ein bisschen Geld nebenher zu verdienen, aber auch, um das Innenleben einer Autoproduktionsstätte zu ergründen.

Schnell reifte in ihm die Erkenntnis, dass es selbst in besonders modern erscheinenden Fabriken reichlich Optimierungsbedarf geben könnte. Damit wären wir nun – in aller Kürze – beim großen Ganzen (der Autobranche): Wer in diesen Wochen und Monaten nur einen flüchtigen Blick auf Deutschlands Autohersteller wirft, dem fällt wahrscheinlich auf, dass sich VW, Audi, Daimler und Co. gerade vor allem mit zwei alles überragenden Themen beschäftigten: der Bewältigung der Vergangenheit (Dieselkrise) und der Gestaltung der Zukunft (Elektroantrieb).

Dass hinter den Werkstoren auch höchst intensiv an der digitalen und voll vernetzten Fabrik von morgen gearbeitet wird, gerät mitunter arg in den Hintergrund. Dabei liegt die künftige Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Autobauer auch in ihrem Vermögen begründet, die Produktionsprozesse alsbald (digital) zu optimieren.

Genau an diesem Punkt setzt Rusitschka mit seiner vor einigen Jahren gegründeten Firma Arculus an. „Arculus“ bedeutet so viel wie „ringförmiges Kopftuch“, das wiederum in einigen, vor allem arabisch geprägten Regionen der Welt als Transporthilfe eingesetzt wird.

„Mit der Auflösung von Takt und Band wollen wir ganz neue Formen von Produktionssystemen schaffen“, sagt Forscher Bauernhansl. Arculus GmbH

Arculus

„Mit der Auflösung von Takt und Band wollen wir ganz neue Formen von Produktionssystemen schaffen“, sagt Forscher Bauernhansl.

Derzeit arbeiten die Arculus-Entwickler und -Ingenieure an verschiedenen Projekten bei Audi, Porsche und mit dem Zulieferer Bosch. Es geht im Grunde um nicht weniger, als die revolutionäre Idee Henry Fords von der Fließbandarbeit in die Zukunft zu überführen.

Was mit anderen Worten bedeutet, so jedenfalls der gemeinsame Befund von Rusitschka und Audis ehemaligem Produktionsvorstand Hubert Waltl, dass diese einst so großartige Methode inzwischen viel zu starr und damit veraltet ist und dringend einer Generalüberholung bedarf.

Thomas Bauernhansl, der als Professor für Produktionstechnik an der Universität Stuttgart lehrt und das Fraunhofer-Institut für Automatisierung leitet, sieht in dem grundlegenden Ansatz großes Potenzial: „Die Firma Arculus ist absolut auf dem richtigen Weg, denn wir brauchen künftig für die Smart Factory modulare, technologieflexible, schnell rekonfigurierbare Prozessmodule mit mobiler Verkettung über fahrerlose Transportsysteme.“

Die Fraunhofer-Forscher arbeiten zusammen mit der Universität Stuttgart schon seit Jahren an eigenen Lösungen. Bauernhansl erklärt: „Mit der Auflösung von Takt und Band wollen wir ganz neue Formen von Produktionssystemen schaffen.“

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