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04.05.2022

17:00

Familienunternehmen

Dussmann verbucht Rekordumsatz – und will bei technischen Dienstleistungen weiter wachsen

Von: Anja Müller

Nach dem höchsten Umsatz der Unternehmensgeschichte planen Vorstandschef Adlhoch und Stiftungsratsvorsitzende von Fürstenberg-Dussmann weitere Zukäufe.

Dussmann will langfristig eine Milliarde Euro mit technischen Dienstleistungen umsetzen. Dussmann Group

Wolf-Dieter Adlhoch und Catherine von Fürstenberg-Dussmann

Dussmann will langfristig eine Milliarde Euro mit technischen Dienstleistungen umsetzen.

Düsseldorf Die Dussmann Group hat den höchsten Umsatz ihrer bisher 59 Jahre dauernden Unternehmensgeschichte verkündet. Im vergangenen Jahr stieg die Kennzahl um 11,2 Prozent auf 2,31 Milliarden Euro, wie aus der aktuell vorgelegten Bilanz hervorgeht.

2020 war der Umsatz des Berliner Dienstleistungsunternehmens noch um 2,6 Prozent gesunken. Die Gewinnmarge sei vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 5,1 auf 6,4 Prozent gestiegen. Zum Gewinn machte das Unternehmen keine konkreten Angaben.

Catherine von Fürstenberg-Dussmann, Vorsitzende des Stiftungsrats, erklärte zum Rekordergebnis, dass sie ein solches Umsatzwachstum nicht jedes Jahr erwarte – mit fünf Prozent wäre sie auch zufrieden. Doch sie und der nun vom Vorstandssprecher zum Vorstandsvorsitzenden ernannte Wolf-Dieter Adlhoch haben große Pläne.

Im Gespräch mit dem Handelsblatt sagte der 46-Jährige, dass man vor allem im Bereich der technischen Dienstleistungen wachsen wolle: „Wir sind aktuell mit mehreren Unternehmen im Bereich Gebäudetechnik und technisches Facility-Management in verschiedenen Ländern in fortgeschrittenen Gesprächen.“

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    Bereits 2021 hatten Adlhochs Zukäufe knapp 58 Millionen Euro zum Rekordumsatz beigetragen. Hinzugekommen sind ein österreichischer Reinigungsdienstleister, der auf OP-Säle spezialisiert ist, ein deutscher Kälte- und Klimaspezialist sowie ein polnischer Gebäudedienstleister mit Expertise in Automation.

    Dussmann hat inzwischen 710 Ladesäulen in Betrieb genommen.

    Dussmann wolle im Geschäft mit Gebäudereinigung wachsen, vor allem den Umsatz mit technischen Leistungen verdoppeln. Derzeit liegt dieser bei 208 Millionen Euro, etwas niedriger als im Vorjahr. Insgesamt habe der Geschäftsbereich ein Geschäftsvolumen von 321 Millionen Euro abgearbeitet, das entspreche einem Plus von knapp 27 Prozent zum Vorjahr. Bilanzwirksam werde das aber nach Handelsgesetzbuch (HGB) erst 2022. Darüber hinaus würden aber auch die technischen Services im Facility-Management zunehmen.

    „Längerfristig wollen wir einen Umsatz von rund einer Milliarde Euro mit technischen Leistungen erwirtschaften“, sagte Adlhoch. Wenn Dussmann Lösungsanbieter sein wolle, müsse man entlang der kompletten Wertschöpfungskette von Planung, Installation und Wartung vertreten sein. Dazu gehörten dann zum Beispiel auch Kompetenzen in den Feldern Automatisierung, Messtechnik, Sensorik und KI. Von Fürstenberg-Dussmann ergänzte: „Meine Vision besteht darin, dass die Dussmann Group eine ,problem solving company‘ ist, die immer die besten und innovativsten Lösungen für unsere Kunden anbietet.“

    Zu den technischen Dienstleistungen zählt auch das Joint Venture „Chargemaker“ mit dem regionalen Energieversorger Mainova. Chargemaker plant, installiert, wartet und betreibt Ladesäulen auf privaten und halböffentlichen Flächen wie Einkaufszentren. Insgesamt hat Dussmann inzwischen 710 Elektroladepunkte in Betrieb genommen. Darunter sei auch der größte Ladepark in einer Büroimmobilie, das Frankfurter Tower 185 mit 130 Ladepunkten.

    Damit verortete Dussmann sich in seiner Zukunftsstrategie bei allen großen Megatrends, wie Adlhoch erklärt: „Digitalisierung, Nachhaltigkeit im Lichte des Klimawandels und eine veränderte Arbeits- und Wirtschaftswelt“. Auch vom steigenden Bedarf an Kinderbetreuung und Altenpflege profitiert der Dienstleistungskonzern.

    Der Geschäftsbereich Care und Kids wuchs um rund acht Prozent auf knapp 500 Millionen Euro. Dazu zählen die zweisprachigen Kulturkindergärten und die Kursana-Pflegeeinrichtungen, von denen weitere in Brandenburg und im Ruhrgebiet geplant sind. Vor vier Jahren startete Adlhoch die neue Dussmann-Strategie als Multidienstleister. Im Sommer soll ein neuer Marktauftritt diesen Wandel auch nach außen sichtbar machen, versprach er.

    Eigene Mitarbeiter-App

    Zur Digitalisierung gehören bei Dussmann nicht nur Tools für die Gebäudetechnik und die Kunden, sondern auch die Mitarbeiter-App. Solche Apps bieten sich vor allem bei Unternehmen an, die viele Mitarbeitende beschäftigen, und auch dort, wo die Mitarbeitenden nicht täglich am Rechner sitzen. Insgesamt sind bei Dussmann 64.400 Menschen beschäftigt, gut 4.000 mehr als 2020. Seit Anfang des Jahres, erzählt Adlhoch, haben man neben der bereits etablierten Mitarbeiterplattform „My Dussmann“ auch eine App für Mobilgeräte.

    Die Lösung sei speziell für das Berliner Familienunternehmen entwickelt worden, weil „wir Dokumentationspflichten gegenüber unseren Kunden einbauen und bisherige Papierarbeit ersetzen wollten“, erläutert der Unternehmenschef, der seit 2019 an der Spitze steht und einst von Bilfinger kam.

    Aktuell seien bereits 10.000 Mitarbeitende per App vernetzt. Ende des Jahres sollen es 15.000 sein, die auch ihre Urlaubsplanung vom Mobiltelefon steuern und ihre Gehaltsabrechnungen einsehen können. Adlhoch erklärt, die Herausforderung liege darin, dass neben den Kinderkrankheiten einer individuellen App in jedem Land ein eigener Rechtsrahmen berücksichtigt werden müsse.

    Stiftungsratsvorsitzende Catherine von Fürstenberg-Dussmann und Vorstandschef Wolf-Dieter Adlhoch (rechts) verkünden einen Rekordumsatz.

    Bilanzvorlage von Dussmann

    Stiftungsratsvorsitzende Catherine von Fürstenberg-Dussmann und Vorstandschef Wolf-Dieter Adlhoch (rechts) verkünden einen Rekordumsatz.

    Die Stiftungsratsvorsitzende und der Firmenchef legen viel Wert auf die als Zukunftstrend identifizierte Nachhaltigkeit. Damit wollen sie auch bei ihren Kunden punkten und mit smarten Lösungen Ressourcen schonen. Auf den Speiseplänen im Catering-Geschäft sollen deutlich mehr Gerichte gesünder und zugleich besser für den Planeten sein. Im Herbst will das Unternehmen mit einem neuen Konzept sein erstes „Planetary-Health-Restaurant“ eröffnen. Die Idee einer gesunden Küche aus pflanzlichen Zutaten mit regionalen Produkten soll auch anderen Kunden zur Verfügung stehen.

    Auch New Work spielt bei Adlhochs Strategie eine große Rolle. Seit Pandemiebeginn standen viele Büros leer und mussten nicht gereinigt werden. Daher bietet der Dienstleister inzwischen Bedarfsreinigung, sogenannte smarte Kühlschränke für eine flexible Versorgung am Arbeitsplatz und Beratung zum Thema Luftreiniger an.

    Noch keine neue Entwicklung gibt es beim Erbstreit zwischen der 71-jährigen Catherine von Fürstenberg-Dussmann und ihrer Tochter. Das Unternehmen macht hierzu keine Angaben. 2019 hatte ein Gutachter bestätigt, dass Firmengründer Peter Dussmann bei seiner Testamentsänderung aus dem Jahr 2010 zwar krank, aber testierfähig gewesen sei. Die Änderung betraf die Aufteilung des Vermögens. Danach solle seine Ehefrau 75 Prozent und seine Tochter nur 25 Prozent erhalten.

    Auf die Frage, wie das Unternehmen künftig aufgestellt sein soll, sagte von Fürstenberg-Dussmann, dass das Unternehmen bereits seit Langem durch eine Stiftung geführt werde. „Und es gibt keine Pläne, daran etwas zu ändern. Die Gesellschaftsstrukturen der Dussmann Group sind über die Dussmann Stiftung & Co. KG dabei so angelegt, dass unser Unternehmen von persönlichen Angelegenheiten nicht berührt wird.“

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