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26.04.2022

17:02

Familienunternehmen

Michael Traub steht bei Stihl vor großen Herausforderungen

Von: Martin-W. Buchenau

PremiumDer Ex-Bosch-Manager übernimmt das Familienunternehmen nach einem Rekordjahr. Das dürfte die Aufgabe für den 53-Jährigen nicht leichter machen.

Stihl-Chef Michael Traub AP

Michael Traub

Seit Februar ist der neue Stihl-Chef im Amt.

Stuttgart Den ersten Tag beim schwäbischen Sägen- und Gartengerätehersteller verbrachte Michael Traub standesgemäß im Wald. „Ich durfte Motorsägen, Freischneider und Sensen testen“, sagte Traub bei seinem ersten Auftritt als Geschäftsführer bei der virtuellen Jahrespresskonferenz. Beim Waiblinger Familienunternehmen Stihl wollten sie keinen Tag vergehen lassen, ohne dem neuen Manager an der Spitze den noch fehlenden Stallgeruch oder in diesem Fall besser „Waldgeruch“ zu vermitteln.

Seit dem 1. Februar führt der 53-jährige Manager nach einer dreimonatigen Einarbeitungszeit das Familienunternehmen. Er soll vor allem die Transformation hin zu Akkugeräten und die Digitalisierung vorantreiben. Der Auftrag stammt von der Eigentümerfamilie persönlich.

Kurz nach den Sägearbeiten im schwäbischen Forst flog Traub mit dem vor wenigen Tagen 90 Jahre alt gewordenen persönlich haftenden Gesellschafter Hans Peter Stihl zum Antrittsbesuch nach Brasilien. Es folgten Stippvisiten in die USA und europäische Nachbarländer – neun Zehntel des Umsatzes erzielt der Sägenhersteller außerhalb Deutschlands.

Eine lange Eingewöhnungszeit brauchte der gebürtige Schwabe nicht. Seinen Vorgänger Bertram Kandziora kennt Traub schon länger. Kandziora, der Stihl fast zwei Jahrzehnte geführt hat, arbeitete wie Traub einst bei der Hausgeräte-Tochter BSH von Bosch.

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    Der in Ehingen an der Donau geborene Wirtschaftswissenschaftler war nach seinem Studium in Hohenheim zwei Jahrzehnte für den Bosch-Konzern in Deutschland, Asien sowie Süd- und Nordamerika tätig. Nach sechs Jahren als CEO und Chef der Bosch Siemens Home Appliances North America übernahm er in den USA 2014 die Führung von Serta Simmons Bedding und wurde 2020 CEO bei Plum, Inc – bis Stihl ihn wieder ins Schwabenland zurück holte. „Ich komme nach 20 Jahren in den USA zurück zu meinen schwäbischen Wurzeln“, sagte Traub.

    Im vergangenen Jahr erzielte Stihl Rekordumsätze

    Seine Zeit in den USA dringt etwas durch, aber seine schwäbische Mundart gewinnt auch im Lauf der Präsentation immer mehr die Oberhand. „Der passt gut“, heißt es im Unternehmen. „Der ist so, wie er ist, er muss sich nicht verstellen.“

    Unprätentiös trägt er die Rekorde beim Umsatz vor, die noch sein Vorgänger zu verantworten hat. Doch gerade damit hat es ihm Kandziora nicht leicht gemacht: Erstmals mehr als fünf Milliarden Euro Umsatz bei mehr als zehn Prozent Wachstum 2021, das ist dieses Jahr wegen des Ukrainekriegs, der Pandemie, der Lieferengpässe und der extrem hohen Rohstoffpreise nicht leicht zu toppen.

    „Angesichts der vielen Unsicherheiten kann ich keine Prognose für das laufende Jahr geben“, äußert sich Traub vorsichtig. Stihl liefert zurzeit keine Waren nach Russland. „Wir sind mit einem niedrigen einstelligen Umsatzanteil nicht vom Russlandgeschäft abhängig“, sagt Traub. Der Krieg in der Ukraine habe jedoch die Probleme in den Lieferketten für Stihl weiter verschärft. Kundinnen und Kunden müssten mitunter auf einzelne Produkte warten.

    Über den Gewinn macht das Familienunternehmen traditionell keine Angaben. Stihl hat mit einer stattlichen Eigenkapitalquote von knapp 70 Prozent in der Pandemie, als alle Konkurrenten bremsten, voll weiterproduziert und die Lager gefüllt. Das Unternehmen war durchgehend lieferfähig, und das wurde in den vergangenen beiden Jahren belohnt.

    Viele Privatleute konnten in der Zeit der Pandemie weniger verreisen und kümmerten sich stattdessen um ihre Gärten. Hinzu kommt, dass professionelle Waldarbeiter durch ihre Arbeit im Freien nicht von Lockdowns betroffen waren. Auch jetzt geben die Waiblinger trotz vieler politischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten weiter Gas. Mit mehr als 300 Millionen Euro hält Stihl sein Investitionstempo auch unter Traub bei.

    Kurzarbeit nicht absehbar

    Traub versucht, die Lieferengpässe durch die traditionell hohe Lagerhaltung und große eigene Fertigungstiefe abzufedern. Ob das Rezept auch bei einer weiteren Zuspitzung der weltwirtschaftlichen Lage wie in den vergangenen beiden Jahren wirkt, muss sich zeigen. Lieferprobleme, gerade bei einzelnen Teilen wie Chips, haben dafür gesorgt, dass es keine Sonntagsschichten mehr gibt. Von Kurzarbeit ist das Unternehmen nach Aussagen des Managements aber noch weit entfernt.

    Hans Peter Stihl hatte unlängst anlässlich seines 90. Geburtstags versichert, dass das 1926 gegründete Unternehmen in Familienhand bleiben werde. Beirat und Aufsichtsrat werden von Stihls Sohn Nikolas geführt.

    Ein langer Atem und, wenn nötig, auch mal die Luft anhalten zu können sind Eigenschaften, die für den Hobbytaucher Traub bei Stihl nützlich werden könnten.

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