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16.01.2023

10:20

Familienunternehmen

Produktivität bei Würth um zehn Prozent gestiegen

Von: Martin-W. Buchenau

Der weltgrößte Schraubenhändler erreicht trotz eines schwierigen Umfelds einen Rekordumsatz. Besonders erfolgreich war der Geschäftsbereich Elektrogroßhandel.

Schrauben von Würth dapd

Würth

Der Schraubenhersteller konnte zuletzt zahlreiche neue Kunden gewinnen.

Stuttgart Der weltgrößte Befestigungs- und Montagespezialist Würth hat seinen Umsatz um knapp drei Milliarden Euro auf 19,95 Milliarden Euro gesteigert. „Hätte das Jahr nur einen Arbeitstag länger gedauert, wären wir über 20 Milliarden Euro gekommen“, sagte Würth-Chef Robert Friedmann dem Handelsblatt. Aber eigentlich sei es ihm ganz recht, es nicht geschafft zu haben. „Sonst hätten alle gesagt, das hat der Friedmann hingetrickst.“

Auch das Betriebsergebnis ist um 18,1 Prozent von 1,27 auf 1,5 Milliarden Euro gestiegen. Friedmann weist aber ausdrücklich darauf hin, dass Würth kein Inflationsgewinner sei. „Wir konnten die Preissteigerungen auf der Kostenseite nicht komplett mit den Preisen an unsere Kunden weitergeben.“ Die Gewinnsteigerung resultiere vornehmlich aus dem Mengenzuwachs. Die gesamte Gruppe habe weltweit 75.000 neue Kunden hinzugewonnen.

Entscheidend für die Absatzsteigerungen sei vor allem die Lieferfähigkeit gewesen. In den vergangenen beiden Jahren habe Würth die Lager jeweils mit Ware im Wert von 800 Millionen Euro über das übliche Maß aufgestockt. „Wer liefern kann, wenn andere Probleme haben, gewinnt Marktanteile“, sagte Friedmann.

Würth: Mobiles Arbeiten hat vieles vereinfacht

Ein wesentlicher weiterer Faktor seien Produktivitätssteigerungen von jeweils zehn Prozent in den vergangenen beiden Jahren. Ein erheblicher Teil davon sei coronabedingt zustande gekommen. „Wir haben uns ans mobile Arbeiten gewöhnt, und viele Arbeiten gehen digital eben schneller und einfacher“, so Friedmann. So spare sich das Unternehmen aufwendige Geschäftsreisen und Messen.

Möglichst viel dieser gewonnenen Produktivität will der Würth-Chef erhalten, er ist sich aber sicher, dass in den nächsten Jahren wieder stärker geschäftlich gereist werden wird. Der Schraubenhersteller ist mit einem Heer von Vertriebsmitarbeitern groß geworden, hat sein Netz an Verkaufsniederlassungen und das Onlinegeschäft in den vergangenen Jahren jedoch massiv ausgebaut.

Die Elektroniksparte von Würth erwirtschaftete 2022 eine hohe Marge. Würth Elektronik eiSos GmbH & Co. KG

Würth Elektronik

Die Elektroniksparte von Würth erwirtschaftete 2022 eine hohe Marge.

„Ich freue mich, dass unsere Multikanalstrategie über Direktvertrieb, Niederlassungen und E-Commerce nicht nur in guten Zeiten funktioniert, sondern auch in Krisen wie diesen“, betonte Friedmann. Der Anteil des Onlinehandels wuchs überproportional um ein Fünftel und macht mittlerweile 20,7 Prozent des Umsatzes aus. Auch das sieht Friedmann als Grund dafür, dass Würth die Profitabilität in den vergangenen beiden Jahren steigern konnte.

Schraubenhändler Würth wird zum Elektronikriesen

Besonders erfolgreich war der Geschäftsbereich Elektrogroßhandel mit einem Wachstum um ein Viertel. Dieser Bereich profitiert stark vom Boom der erneuerbaren Energien.

Auch die margenstarke Elektronik-Gruppe mit ihren Bereichen passive elektronische Bauteile, Leiterplatten sowie elektronische und elektromechanische Lösungen zeigte mit einem Umsatzwachstum von 22,5 Prozent eine sehr robuste Geschäftsentwicklung.

Für das laufende Jahr bleibt Friedmann vorsichtig: „Es ist neben dem Ukrainekrieg abzuwarten, wie sich das Konsumverhalten sowie die Energiepreise entwickeln und welche Auswirkung die gelockerte Null-Covid-Strategie Chinas auf die Lieferketten hat.“ Er rechnet trotz Rezession mit sieben bis neun Prozent Wachstum und hofft, dass nach Abzug der erwarteten Inflation am Ende noch ein reales Wachstum für die Würth-Gruppe übrig bleibt.

Erstpublikation: 11.01.23, 17:08 Uhr.

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