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19.01.2022

18:12

Familienunternehmen

„Sonst landen die Förderungen bei den cleveren Bayern” – So wirbt Trumpf um Hightech-Milliarden des Bunds

Von: Martin-W. Buchenau

Trumpf ist führend in der Laser-Technologie. Nun weitet die Familie ihre Investitionen beim Quantencomputing aus – und holt sich Schützenhilfe in der Politik.

Besuch bei Trumpf: Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Mitte) und von links: Dr. phil. Nicola Leibinger-Kammüller, Dr.-Ing. Mathias Kammüller, Dr.-Ing. E. h. Peter Leibinger, Dr. Florian Stegmann Trumpf

Besuch bei Trumpf

Ministerpräsident im Hause Trumpf: Nicola Leibinger-Kammüller, Mathias Kammüller, Winfried Kretschmann, Peter Leibinger und der Chef der Staatskanzlei Florian Stegmann (von links)

Ditzingen Baden-Württembergs Ministerpräsident geht in der Pandemie keine Risiken ein. Da lässt er auch mal Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller 20 Minuten warten. Winfried Kretschmann machte direkt vor dem Besuch beim Vorzeige-Mittelständler noch einen PCR-Test, weil er ganz sicher sein wollte.

Corona ist für Trumpf aber derzeit nicht das brennendste Thema. Die Firmenchefin plagen vielmehr Lieferengpässe – und das sehr massiv. Von Juli bis Dezember 2021 schnellte der Auftragseingang um über 50 Prozent auf über 2,6 Milliarden Euro nach oben und lag mehr als ein Fünftel über Plan. „Das führt aber nur gebremst zu Umsatz“, bedauert die Trumpf-Chefin.

Denn im selben Zeitraum wuchs der Umsatz nur um ein Viertel auf 1,94 Milliarden Euro und lag damit trotz kräftiger Erholung über acht Prozent unter den Planungen. „Es fehlt nicht nur an Chips, sondern auch an Kunststoffen, Metallen und anderen Rohstoffen“, moniert Leibinger-Kammüller, „teilweise müssen wir Lagerhallen anmieten, um halb fertige Maschinen dort zwischenzulagern, bis Komponenten wie die Steuerung geliefert und dann eingebaut werden.“

Das alles kostet Trumpf Zeit und Geld – und das nach einem vorangegangenen Geschäftsjahr mit coronabedingt stagnierendem Umsatz. „Dabei hätten wir die Kapazitäten, um den Auftragsboom komplett in Umsatz zu wandeln“, ärgert sich Ehemann und Mitgeschäftsführer Mathias Kammüller.

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    Hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung

    Trotz einer Umsatzrendite von über zehn Prozent ist die Trumpf-Führung damit nicht zufrieden. Denn kaum ein anderer Mittelständler investiert so viel in Forschung und Entwicklung: 382 Millionen Euro bedeuten eine F+E-Quote von jenseits der zehn Prozent. „Wir tun ja auch was dafür“, sagt Leibinger-Kammüller ihrem Ministerpräsidenten.

    Ihr Bruder und Entwicklungschef Peter Leibinger adressierte ein wichtiges Zukunftsthema: „Wir müssen beim Thema Quantentechnologie in Baden-Württemberg unbedingt ein Cluster bilden mit Ulm, Stuttgart, Freiburg und Karlsruhe.“

    Der Bund hatte beschlossen die Quantentechnologie für die extrem leistungsfähigen Computer mit zwei Milliarden Euro zu fördern. „Wenn wir nicht schnell handeln, landen die Förderungen bei den cleveren Bayern“, appellierte Leibinger. Trumpf selbst ist in der Quantensensorik unterwegs und will zudem mit seinem Start-up Q.ANT einen Chip entwickeln, der als Prozessor für Quantencomputer eingesetzt werden kann.

    EUV-Laser zur Belichtung der neuesten Chip-Generation

    „Wir haben beschlossen, dafür noch viel mehr Geld zu investieren“, verkündete Leibinger. Der Unternehmer schien offene Türen einzurennen. „So etwas kommt bei mir direkt an. Wir werden das machen. Die Gespräche laufen bereits“, sagte Kretschmann.

    Es wäre nicht das erste Mal, dass der intellektuelle Instinktpolitiker an der Spitze der Landesregierung sich aus einem Ressort ein wichtiges Thema schnappt und zu eigen macht. Im Februar könnten sich die Pläne weiter forcieren.

    Technik-Chef Leibinger nutzte auch die Gelegenheit, um Kretschmann das derzeit heißeste Produkt vorzustellen. Trumpf liefert die EUV-Laser zur Belichtung der neuesten Chip-Generation, ohne die die aktuellen Geräte von Apple nicht annähernd so leistungsfähig wären.

    Nach über einem Jahrzehnt Vorarbeit erzielt Trumpf mit diesen Lasern inzwischen einen Umsatz von 500 Millionen Euro. Peter Leibinger rechnet mit rund 800 Millionen Euro Jahresumsatz in den nächsten Jahren.

    Die einzigartigen Laser werden von der niederländischen ASML in ihre Lithografiemaschinen eingebaut. ASML hat damit ein Monopol auf der Welt. Samsung, Intel, TSMC sind in ihrer Chipfertigung auf diese Technologie angewiesen. ASML ist so zum wertvollsten Unternehmen Europas geworden. 2021 kletterte der Umsatz um 33 Prozent auf 18,6 Milliarden Euro und soll 2022 weiter wachsen.

    Der Trumpf-Familie kann das nur recht sein. Und Hightech aus „The Länd“ – wie es in Gelb auf Kretschmanns schwarzer Coronamaske stand – weiß auch der grüne Politiker zu schätzen.

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