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02.05.2022

08:15

Familienunternehmen

Viessmann investiert eine Milliarde Euro in Klimalösungen und Wärmepumpen

Von: Anja Müller

PremiumEs ist für Viessmann ein Investitionsplan in historischer Dimension: In den nächsten drei Jahren will der Heizungs- und Klimaspezialist eine Milliarde Euro investieren.

„Beispiellose geopolitische Entwicklungen erfordern beispiellose Antworten.“ Sandra Steh Photography/Viessmann

Max Viessmann

„Beispiellose geopolitische Entwicklungen erfordern beispiellose Antworten.“

Düsseldorf Das Familienunternehmen Viessmann plant eine „historische Investition“ in Klimalösungen und Wärmepumpen: In den kommenden drei Jahren soll eine Milliarde Euro in Forschung und Entwicklung sowie in die Produktionskapazitäten fließen, wie das Handelsblatt vorab erfuhr. Das Unternehmen will die Produktionskapazitäten sowie die Forschung und Entwicklung ausweiten.

„Beispiellose geopolitische Entwicklungen erfordern beispiellose Antworten“, sagte Max Viessmann, CEO der Viessmann Group. Man benötige mehr Geschwindigkeit und Pragmatismus, um den Klimawandel zu bekämpfen und die Energiegewinnung und -nutzung der Zukunft neu zu denken „und damit die geopolitische Unabhängigkeit Europas zu stärken“.

Durch den Einmarsch Russlands in die Ukraine hat die Energiewende an Dringlichkeit gewonnen. Seit der Invasion hat Deutschland die Abhängigkeit von russischen Energieträgern zwar gesenkt. Weiterhin stammen aber 35 Prozent des Gases aus Russland, wie Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) am Wochenende sagte. Die Sorge vor einem Lieferstopp ist in der Wirtschaft hoch.

Viessmann vermarktet seit Längerem Produkte für eine Energiewende im Gebäudesektor. 2021 sei der Anteil an Wärmepumpen um 41 Prozent gestiegen, heißt es bei dem Unternehmen mit 13.000 Mitarbeitenden, das auch die Geschäftszahlen für das abgelaufene Jahr vorlegt.

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    Demnach ist der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 21 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro gestiegen. Zum Vergleich: Der gesamte Heizungsmarkt ist 2021 nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie um zehn Prozent gewachsen. Die Nachfrage nach erneuerbaren Energien wuchs besonders stark, heißt es im Verband. Der Absatz von Pelletheizungen wuchs um 51 Prozent, der von Wärmepumpen um 28 Prozent.

    Engpässe bei Handwerkern

    Das 105 Jahre alte Familienunternehmen ist allerdings nicht nur organisch gewachsen, sondern auch durch Übernahmen und Beteiligungen in Australien, Großbritannien, Polen und den Niederlanden, wo Viessmann sich an Priva, einem führenden Unternehmen für Gebäudeautomation und Vertical Farming, beteiligte.

    Max Viessmann sprach als einer von wenigen Familienunternehmern beim Klimagipfel im Oktober 2021 in Glasgow. Das Problem, das den Unternehmer beschäftigt: Der Gebäudesektor verursacht rund 30 Prozent der Kohlenstoffdioxidemissionen weltweit und auch hierzulande. Im Jahr 2021 hat der deutsche Gebäudesektor zudem sein Klimaziel um zwei Millionen Tonnen CO2 verfehlt.

    Viessmann sah damals schon den Handlungsbedarf: „Jeder Tag ohne Lösungen geht auf Kosten unserer CO2-Bilanz.“ Rund 85 Prozent der Gebäude in Deutschland seien bislang nur teil- oder gar nicht saniert. Bei diesem Tempo müsse „man nicht lange rechnen, um zu verstehen, dass Klimaneutralität im Jahr 2045 eine Herausforderung darstellt“.

    Wirtschaftsminister Habeck plant damit, dass hierzulande bis 2030 vier bis sechs Millionen Wärmepumpen zusätzlich eingebaut werden, auch mit staatlicher Förderung. Um dieses Ziel zu erreichen, müssten pro Jahr durchschnittlich 500.000 Wärmepumpen eingebaut werden. 2021 waren es hierzulande Schätzungen zufolge jedoch nur rund 150.000 bis 170.000.

    Eine deutliche Steigerung gilt in der Branche als schwierig, da es Engpässe bei den Komponenten gibt. Zudem sind Handwerker knapp: Von 60.000 fehlenden Monteuren spricht Michael Hilpert, Präsident des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima (ZVSHK). Diese Lücke lässt sich nicht kurzfristig schließen, zumal laut Verbandsschätzungen aktuell nur rund ein Drittel der Heizungshandwerksbetriebe überhaupt Wärmepumpen einbauen könne.

    Viessmann fertigt Wärmepumpen statt Gasheizungen

    In Dresden baut Viessmann gerade ein Entwicklungszentrum nur für Wärmepumpen. Außerdem werden bei dem Unternehmen mit Hauptsitz im hessischen Allendorf die Fertigungskapazitäten erweitert. Wo jetzt noch Gaswandgeräte gefertigt werden, sollen durch eine modulare Bauweise auch Wärmepumpen gebaut werden.

    Viessmann war neben EBM-Pabst darüber hinaus Gründungsmitglied der Klimaschutz-Unternehmen, einer branchenübergreifende Initiative von Firmen, die ambitionierte Klimazeile erreichen wollen. Derzeit sind 50 Unternehmen in der Initiative engagiert.

    Seit 1990 hat Viessmann den eigenen CO2-Ausstoß um 90 Prozent reduziert. Bis 2030 soll der Ausstoß noch einmal halbiert werden, bis 2045 will man in Deutschland bei null sein. Viessmann erhielt zudem vor Kurzem die offizielle Bestätigung der anerkannten „Science Based Targets“-Initiative (SBTi) für seine Ziele zur Reduzierung des eigenen CO2-Fußabdrucks entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

    Viessmann investiert in Wärmepumpen – eine neue Generation soll auch ohne Fußbodenheizungen funktionieren.

    Haus mit Wärmepumpe

    Viessmann investiert in Wärmepumpen – eine neue Generation soll auch ohne Fußbodenheizungen funktionieren.

    Die SBTi-Zertifizierung bestätigt, dass die Nachhaltigkeits- und Klimastrategie von Viessmann positiv zum übergeordneten Ziel der Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 Grad gemäß dem Pariser Abkommen beiträgt.

    Dass die Geopolitik auch bei Familie Viessmann und den Mitarbeitenden präsenter ist als bei manchen anderen Unternehmen, zeigt die enorme Spendenbereitschaft. Mehr als 1,2 Millionen Euro seien insgesamt zusammengekommen, es wurden Transporte und Hilfslieferungen, Unterkünfte und Medikamente organisiert.

    Der Grund: Das Gebäude in der ukrainischen Hauptstadt Kiew, in dem Viessmann mit einer Vertriebs- und Logistikeinheit untergebracht war, war infolge eines russischen Angriffs zerstört worden. Die Mitarbeitenden waren zuvor bereits evakuiert worden.

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