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12.11.2019

04:10

Frank und Dominik Holzer

Dieses Familienunternehmen hilft Menschen mit trockenen Augen

Von: Maike Telgheder

Den Markt für Augentropfen führt Ursapharm mit einem innovativen Produkt an. Nun will die saarländische Familienfirma in die USA expandieren.

„Einer der großen Erfolgsfaktoren von Ursapharm ist, dass es nie Streitereien unter den Eignerfamilien gab.“ Markus Lutz / Ursapharm

Frank Holzer

„Einer der großen Erfolgsfaktoren von Ursapharm ist, dass es nie Streitereien unter den Eignerfamilien gab.“

Saarbrücken Die Firma und der Fußball, das sind zwei Leidenschaften, die Frank Holzer und sein Sohn Dominik Holzer teilen. Die Firma, das ist der Augenmittelspezialist Ursapharm in Saarbrücken, den Vater und Sohn gemeinsam seit 2013 führen.

Der Fußball, das ist unter anderem der heimische Regionalligist SV07 Elversberg, dem beide eng verbunden sind: Frank Holzer, 66, startete hier seine Fußballkarriere, die ihn in den 70ern bis in die Bundesliga führte. Sohn Dominik, 37, ist nach einigen aktiven Kickerjahren nun der Präsident des Fußballklubs. Dessen Stadion trägt übrigens seit ein paar Jahren den Namen „Ursapharm-Arena“.

Bei so viel Sportbegeisterung liegt es nahe, sich auf der Suche nach einer Werbestrategie für das Unternehmen ebenfalls im Fußball umzuschauen: Ursapharm ist offizieller Partner des Fußballklubs Bayern München und hat diesen Sommer die Zusammenarbeit mit einer Platin-Partnerschaft noch ausgebaut. Beim Sponsoring spielt der Mittelständler mit zuletzt rund 175 Millionen Euro nun im Chor großer Konzerne wie DHL, Siemens und SAP mit.

Das Engagement bei dem international bekannten deutschen Rekordmeister soll dem saarländischen Arzneimittelunternehmen helfen, die Produkte der Marke Hylo, mit denen Augen befeuchtet werden können, auch im Ausland breiter zu vermarkten. „Gerade in unserem größten Auslandsmarkt China hilft uns das Engagement derzeit sehr. Es gibt eine große Aufmerksamkeit für den Verein, von der wir profitieren“, sagt Frank Holzer, der übrigens einst mit Uli Hoeneß in der Jugendnationalmannschaft gespielt hat.

Ursapharm ist mit seinen Produkten mittlerweile in mehr als 80 Ländern präsent. Denn in Zeiten, in denen überall auf der Welt immer mehr Menschen immer länger auf die Bildschirme von Smartphones, Tablets und Computer starren, werden trockene Augen zu einer Zivilisationskrankheit. „Eigentlich müsste die Pflege der Augen so wie das Zähneputzen für jedermann zur täglichen Gewohnheit werden“, findet Dominik Holzer.

Hylo-Produkte sind das Zugpferd

Die wachsende Bildschirmnutzung spielt Ursapharm in die Hände, erklärt aber nur zum Teil, warum sich das Unternehmen seit Jahren erfolgreich im Wettbewerb mit großen Konzernen wie Reckitt Benckiser und Bausch & Lomb im Markt für Augenheilmittel behaupten kann. „Das ist für einen Mittelständler eine beachtliche Leistung“, findet Tobias Brodtkorb von der Beratungsfirma Sempora Consulting, die auf den Arzneimittel- und Apothekenmarkt spezialisiert ist.

Ein wesentlicher Grund dafür ist seiner Ansicht nach die Entwicklung einer innovativen Dosierflasche, die Frank Holzer Anfang der 90er-Jahre maßgeblich vorangetrieben hat: das Comod-System (für Continuous Mono Dose), das es ermöglicht, flüssige Präparate wie Augentropfen über einen längeren Zeitraum ohne die Zugabe von Konservierungsmitteln steril und haltbar zu machen.

Jahre später brachte diese Erfindung dem Unternehmen eine Alleinstellung ein: Denn beim Einsatz der sehr wirksamen körpereigenen Hyaluronsäure für die Augenpflege darf nicht mit Konservierungsstoffen gearbeitet werden, weil sie dann unbrauchbar wird. „Mit der neuartigen Dosierpumpe haben wir den Einsatz von Hyaluronsäure als Augentropfen erst möglich gemacht“, sagt Holzer. Und das „Hylo Gel“ aus dem Hause Ursapharm wurde 2008 das erste Medizinprodukt zur Augenbefeuchtung, das von gesetzlichen Krankenkassen in bestimmten Fällen erstattet werden musste.

Ursapharm hat ein breites Portfolio an verschreibungspflichtigen und freiverkäuflichen Augenmitteln und daneben übrigens auch noch einige andere Arzneimittel im Angebot. Aber die Hylo-Produkte sind das Zugpferd: „An Ursapharm kommt beim Thema trockene Augen niemand vorbei“, sagt Unternehmensberater Brodtkorb.

„Die Unternehmer sind mit Leidenschaft dabei und verstehen es, den Augenarzt, Apotheker und Endverbraucher gleichermaßen anzusprechen.“ Auch Generika-Marken wie Ratiopharm, die mit eigenen Hyaluronsäure-Produkten auf den Markt kamen, konnten dem Marktführer bislang keine großen Anteile abjagen.

Laut Frank Holzer konnte dank der Werbeoffensive mit dem FC Bayern München der Marktanteil von Hylo Eye Care seit 2017 von 30 auf mehr als 42 Prozent gesteigert werden. Das Patent der Dosierflasche konnte das Unternehmen durch Weiterentwicklungen bereits zwei Mal verlängern. „Aktuell haben wir noch rund zehn Jahre Schutz, und wir arbeiten bereits an einer weiteren Verlängerung“, so Holzer.

Nachdem der Fußballspieler verletzungsbedingt seine Profikarriere 1980 beenden musste, schloss er sein Pharmaziestudium ab und stieg in das Unternehmen ein, das Vater Albrecht mit drei weiteren Apothekern 1974 gegründet hatte. Albrecht Holzer war Inhaber der Bärenapotheke, das lateinische Wort Ursus für Bär gab den Namen für das neue Vorhaben.

Nachdem der Apotheker zunächst Produkte vom französischen Alcon-Konzern in Deutschland vertrieben hatte, stieg er mit Ursapharm dann in die eigene Produktion von Augenmitteln ein. Zwei der vier Gründer haben ihre Anteile zwischenzeitlich an die anderen Mitgründer verkauft.

„Die Krankheiten am Auge werden sich verändern, und es wird ganz neue Therapien geben.“ Markus Lutz / Ursapharm

Dominik Holzer

„Die Krankheiten am Auge werden sich verändern, und es wird ganz neue Therapien geben.“

Heute hält der Holzer-Clan 51 Prozent der Anteile, die übrigen 49 Prozent liegen bei der Familie Buxmann, von denen übrigens auch Mitglieder im Unternehmen arbeiten. „Einer der großen Erfolgsfaktoren von Ursapharm ist, dass es nie Streitereien unter den Eignerfamilien gab“, sagt Holzer.

Viele Jahre hatte Ursapharm einen großen Teil seines Umsatzes mit der Lohnfertigung für andere Pharmaunternehmen gemacht. Dominik Holzer, der seit 2008 im Unternehmen arbeitet und seit 2013 in der Geschäftsführung ist, baute das Standbein der Eigenprodukte vor allem im Markt der freiverkäuflichen Arzneimittel aus. In diesem Jahr peilt das Unternehmen einen Umsatz von 200 Millionen Euro an. Am Standort in Saarbrücken wurden in den letzten beiden Jahren 120 Leute eingestellt, in diesem Jahr werden es insgesamt bis zu 50 werden. Dann arbeiten bald 750 Menschen bei Ursapharm in Saarbrücken.

Expansionspläne haben die Holzers für das Unternehmen noch viele, in den nächsten beiden Jahren will man über einen Vertriebspartner in den US-Markt einsteigen, auch Japan steht noch auf der Liste, und auch in Frankreich – quasi vor den Werkstoren – könnte das Unternehmen noch viel breiter vertreten sein, findet Frank Holzer.

Neue Augenkrankheiten entstehen

Dominik Holzer erwartet, dass die sich verändernden Seh- und Lesegewohnheiten Bedarf für neue Augenmittel schaffen. Kurzsichtigkeit von Kindern, wie sie etwa in Südkorea durch den massiven Tableteinsatz verbreitet ist, kann erfolgreich mit niedrig dosierten Atropintropfen behandelt werden. „Die Krankheiten am Auge werden sich verändern, und es wird ganz neue Therapien geben“, sagt er.

„Es gibt mittlerweile auch viele digitale Produkte. Irgendwann werden Apps, mit denen der Augenmuskel trainiert werden kann, erstattet werden. Hier sind wir in verschiedenen Forschungsgruppen mit Universitäten aktiv“, sagt Dominik Holzer. Schließlich will sich Ursapharm auch im Bereich betriebliche Augengesundheit positionieren. „Studien aus Japan zeigen, dass es Produktivitätseinbußen durch trockene Augen in der Größenordnung von bis zu fünf Prozent gibt.“

Dass er eines Tages ins Unternehmen einsteigen würde, sei ihm schon als Jugendlicher klar gewesen, sagt er. Als Schüler hatte er bereits in den Ferien in der Versandabteilung gejobbt. Heute ist Dominik in der Geschäftsführung für die Bereiche Produktion, Vertrieb und Vermarktung zuständig.

Vater Holzer kümmert sich um Finanzen, Personal, Recht, Regulatorisches, medizinische Entwicklung und Zulassung. Auch wenn der Sohn bereits den größten Teil der Unternehmensführung erledigt, möchte sich Frank Holzer noch nicht ganz zurückziehen. „Solange mir die Arbeit noch Spaß macht, arbeite ich weiter.“

Gründe, das Unternehmen zu verkaufen, sehen die Herren Holzer nicht: „Dazu gibt es noch zu viele Entwicklungsmöglichkeiten, die wir noch nicht ausgereizt haben“, sagt Holzer senior. Voraussetzung sei natürlich, dass man weiterhin erfolgreich am Markt agiere“, ergänzt der Sohn „Wir sind zu groß, als dass man uns übersehen könnte, aber zu klein, um größere Fehler verkraften zu können“, sagt Holzer junior.

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