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18.10.2021

16:18

Gastgewerbe

Dank Touristenansturm: Hotelkette Dorint ist zurück auf Vorkrisenniveau

Von: Christoph Schlautmann

Das Unternehmen mit 62 Häusern meldet erstmals wieder Umsatz- und Belegungszahlen wie vor Corona. Das Comeback überrascht selbst seinen Sanierer.

Immobilienverpächter gewährten in der Krise einen Nachlass von zehn Millionen Euro. picture alliance/dpa

Dorint Hotel am Kölner Neumarkt

Immobilienverpächter gewährten in der Krise einen Nachlass von zehn Millionen Euro.

Düsseldorf Buchungseinbrüche, Beherbergungsverbote, herausfordernde Hygienekonzepte – anderthalb Jahre rang Dorint-Aufsichtsratschef Dirk Iserlohe mit den Finanzlasten der Coronakrise. Der Überlebenskampf der 62 Häuser zählenden Hotelkette aus Köln, so jedenfalls zeigen nun die aktuellen Geschäftszahlen, hat sich ausgezahlt. „Unser Umsatz im September lag knapp über 20 Millionen Euro“, sagte Iserlohe am Montag dem Handelsblatt, „und damit wieder auf dem Niveau vor der Coronakrise.“

Von dem anziehenden Geschäft zeigt sich 56-jährige Diplom-Kaufmann, der die zeitweise in Schieflage geratene Hotelkette sanierte und seit 2017 die Dachgesellschaft Honestis AG führt, selbst überrascht. „Für 2021 hatten wir ursprünglich mit einem Verlust von 30 Millionen Euro gerechnet“, erzählt er. „Nun wird es wohl eher auf ein Minus von zehn Millionen hinauslaufen.“ Die Hälfte der Differenz steuerten entgegenkommende Verpächter bei.

Zwar zögerten Geschäftsreisende immer noch, sich im Hotel einzuquartieren, berichtet er. Dafür sei der Andrang von Touristen etwa an den Dorint-Standorten Sylt, Rügen, Usedom oder Kitzbühel enorm. „Selbst Häuser wie im sauerländischen Arnsberg, in Bitburg oder Dresden, die bislang schwerpunktmäßig von Businesskunden genutzt wurden, sind voll.“

Durchschnittlich sehe man wieder eine Zimmerbelegung von 65 bis 67 Prozent – und das, obwohl es bislang kaum Veranstaltungen und Kongresse gebe.

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    Damit steht Dorint, 1959 gegründet von dem Mönchengladbacher Unternehmer Werner Dornieden, deutlich besser da als der Branchendurchschnitt – und das, obwohl die mittelständische Hotelkette bislang 70 Prozent mit der Problemklientel Geschäftsreisende erwirtschaftete. Laut einer Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) setzten Hotels und Restaurants im September 2021 noch 5,3 Prozent weniger um als im Vorkrisenjahr 2019.

    Fachkräfte werden nach der Krise verzweifelt gesucht. picture alliance/dpa

    Aufsichtsratschef Dirk Iserlohe

    Fachkräfte werden nach der Krise verzweifelt gesucht.

    Der rasche Wiederaufstieg der Kölner Hotelgruppe dürfte der wirkungsvollen Öffentlichkeitsarbeit ihres Aufsichtsratsvorsitzenden zu verdanken sein. Anders als andere hielt Iserlohe den Hotelnamen während Corona konstant in den Schlagzeilen. Schon im ersten Lockdown klagte er erfolgreich gegen die Kölner Verwaltung, die in der Domstadt ein Beherbergungsverbot verhängt hatte. Nach der Wiedereröffnung vermarktete Dorint die Hotelzimmer als Homeoffice-Ersatz.

    Entschädigungsquote von 56 Prozent

    Publizität brachte auch eine weitere Klage Iserlohes, die nur auf den ersten Blick mit einer Niederlage endete. Seinen Vorstoß gegen das Beherbergungsverbot für Touristen wies das Oberverwaltungsgericht Sachsen-Anhalt in einem Eilverfahren Anfang November 2020 zwar ab. Die Richter begründeten das Urteil aber damit, dass es dafür im Gegenzug eine staatliche Entschädigung gebe.

    Die aber war bis dahin fraglich – und ist es in der Höhe für Dorint bis heute. 132 Millionen Euro Verlust habe Corona in der Hotelgruppe hinterlassen, rechnet Iserlohe vor. Doch nur 74 Millionen Euro seien vom Staat als Hilfszahlungen geleistet worden – eine Quote von 56 Prozent.

    Kleinere Hoteliers hätten bis zu 95 Prozent ersetzt bekommen, bemängelt Iserlohe. Dorint sowie ein knappes Dutzend anderer mittelständischer Hotelketten seien wegen einer vom Gesetzgeber festgelegten Obergrenze benachteiligt worden. Entsprechend läuft nun eine Verfassungsbeschwerde.

    Gleichzeitig wächst bei Dorint wieder der Optimismus. Die Ertragslücke habe man teilweise mit 20 Millionen Euro Eigenkapital gefüllt – an der Dachgesellschaft Honestis sind neben Ehefrau Heike Iserlohe der Herforder Textilunternehmer Joachim Tengelmann („Leineweber“) und die Erben der einstigen SB-Warenhauskette Allkauf beteiligt. Den restlichen Betrag habe die Kreissparkasse Köln und das Land NRW mit Krediten ausgeglichen.

    Doch Sorgen bleiben. „Acht Prozent unserer Mitarbeiter haben sich in andere Branchen verabschiedet“, berichtet Iserlohe. Um den Personalmangel im Dienstleistungsgewerbe zu lindern, bemüht sich nun die von ihm mitgegründete „Union der Wirtschaft“, der rund 50 Unternehmen aus der Gastronomie, dem Lebensmittel- und Messegewerbe angehören. „Wir brauchen endlich ein Fachkräftezuwanderungsgesetz“, fordert Iserlohe gemeinsam mit dem Thinktank, „sonst haben wir bald keine Mitarbeiter mehr.“

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