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04.07.2021

15:06

Gebrauchte Luxuschronometer

Online-Uhrenhändler Watchmaster übernimmt Rivalen aus Frankreich

Von: Michael Raschke

Mit der Übernahme von MMC setzt CEO Tim-Hendrik Meyer seinen Expansionskurs in Europa fort. Auch die Franzosen machen mit gebrauchten Uhren ihr Geschäft.

Watchmaster ist Deutschlands führender Onlineanbieter von gebrauchten Luxusuhren. dpa

Rolex-Modelle

Watchmaster ist Deutschlands führender Onlineanbieter von gebrauchten Luxusuhren.

Düsseldorf Zumindest die Produkte sind dieselben: Wie Watchmaster, Deutschlands führender Onlineanbieter von gebrauchten Luxusuhren, lässt auch das französische Pendant Montres Modernes et de Collection (MMC) die sogenannten Certified Pre-Owned-Zeitmesser (CPO) über den Pariser Ladentisch gehen.

Dass die 2015 gegründete Firma Watchmaster, die den Umsatz nach eigenen Angaben jährlich um 50 Prozent steigert, nun den Rivalen MMC übernimmt, hat aber noch ganz andere Gründe: „Wir wollen die jahrzehntelange Einzelhandelserfahrung der Franzosen nutzen, um in den kommenden Jahren weitere Läden in ganz Europa zu eröffnen“, sagt Watchmaster-CEO Tim-Hendrik Meyer zu dem Deal, der am Montag bekannt gegeben wird.

Die Übernahme passt also punktgenau in die Wachstumsstrategie von Watchmaster, das nach eigenen Angaben im Dezember des vergangenen Pandemiejahres erstmals die Gewinnschwelle überschritten hat und in den nächsten Jahren alle größeren Märkte in Europa besetzen will.

Erst kürzlich haben die Berliner ein Büro mit Showroom in London eröffnet. Immerhin fast ein Drittel des Umsatzes generierte Watchmaster noch im ersten Quartal 2020 mit Kunden aus dem Vereinigten Königreich.

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Standort erkennen

    Seit dem EU-Austritt Großbritanniens liegt dieses Onlinegeschäft allerdings weitgehend brach. Schuld daran sei die Mehrwertsteuer, die nun auf alle Verkäufe nach Großbritannien anfalle, sagt Tim-Hendrik Meyer.

    Da erscheint der physische Schritt ins Königreich nur logisch. Hinzu kommt: „Seit dem Brexit spüren wir eine verstärkte Nachfrage innerhalb der EU in Ländern wie Schweden, Spanien, Italien, Irland, Österreich und vor allem Frankreich. Ziel ist es, in diesen wachstumsstarken Ländern nach und nach auch stationär vor Ort präsent zu sein“, sagt Meyer.

    Der Chef von Watchmaster will in den nächsten Jahren alle größeren Märkte in Europa besetzen. Watchmaster

    Tim-Hendrik Meyer

    Der Chef von Watchmaster will in den nächsten Jahren alle größeren Märkte in Europa besetzen.

    Große Gegensätze bei den Unternehmen

    Bei der aktuellen Übernahme von MMC könnten die Gegensätze kaum größer sein: hier das prosperierende, mehrfach mit Venture Capital unter anderem von Cherry Ventures unterstützte Unternehmen aus der deutschen Start-up-Szene. Dort das in seinem Bereich führende, alteingesessene stationäre Haus mit seinem Eigentümer Eric Hamdi, einem Franzosen marokkanischer Herkunft.

    Mit Onlinehandel hatte der bislang nichts am Hut, dafür stachen Hamdi und seine Mitstreiter den neuen Besitzer bislang in der Preisspanne aus: Ein Großteil der verkauften Uhren lag bei über 25.000 Euro, Preise von bis zu 500.000 Euro für einen Zeitmesser sind für MMC keine Seltenheit.

    Den aktuellen Deal fädelte der auf Luxusgüter spezialisierte französische Private-Equity-Fonds Olma ein, der in Watchmaster investiert ist. „Wir glauben nicht nur an die Kombination von online und offline, sondern gerade an die Kooperation von jungen Unternehmen mit am Markt etablierten Familienunternehmen“, sagt Meyer.

    Gründer und Neffe bleiben aktiv

    Hamdi hat mit dem Verkauf seine Nachfolge geregelt, da es in der Familie keinen geeigneten Kandidaten gab. Der 75-Jährige wird seine jahrzehntelange Erfahrung allerdings weiterhin als Senior Advisor einbringen: „Watchmaster erfüllt alle Kriterien, um M.M.C. nach meinen Vorstellungen weiterzuführen“, sagt Hamdi, „der Geist und der Grundgedanke, die die Marke seit 1994 erfolgreich gemacht haben, werden bleiben.“ Sein Neffe Samy Sophian Hamdi ergänzt künftig als General Manager France das Watchmaster-Führungsteam.

    Grafik

    „Den Spirit von MMC wollen wir zu 100 Prozent beibehalten“, sagt auch Watchmaster-COO Robert Morlock. Aus gutem Grund: Laut Morlock fertigt MMC auch Expertisen für die Versteigerungen von Luxusuhren bei den Auktionshäusern Christie’s und Sotheby’s. Diese Expertise soll unter anderem dabei helfen, die Vintage-Uhren, die Watchmaster in London an den Mann bringen will, richtig zu bepreisen.

    Das Berliner Unternehmen startete 2015 mit dem Verkauf von neuen Luxusuhren, schwenkte das Portfolio aber schon 2016 mit Morlocks Eintritt ins Unternehmen in Richtung gebrauchte Uhren. Morlock baute den CPO-Bereich auf, Ende 2017 erfolgte der harte Schnitt bei Watchmaster: Fortan bot das Unternehmen nur noch gebrauchte Uhren an.

    Die Gründe sind vielschichtig. „Bei Gebrauchtuhren ist die Marge viel größer“, nennt Morlock einen der wesentlichen: „Und der Markt in sich ist viel größer.“ Zudem könne man sich als Anbieter gegenüber der Konkurrenz viel besser differenzieren als bei neuen Uhren, die ja irgendwie alle die gleichen Merkmale hätten. Nun also auch mit den Uhren von MMC, deren Verkauf helfen soll, den für 2021 angepeilten Umsatz von 65 Millionen Euro zu realisieren.

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