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08.01.2020

17:14

Getränkeproduzent

Bierbrauer Krombacher wird immer mehr zum Limobrauer

Von: Katrin Terpitz

Deutschlands größte Privatbrauerei erzielt Rekordumsätze vor allem dank Schweppes und Alkoholfreiem. Marketingchef Uwe Riehs will verstärkt junge Kunden gewinnen.

Die Deutschen trinken immer weniger Bier. obs

Bier von Krombacher

Die Deutschen trinken immer weniger Bier.

Düsseldorf „Am Freitag saß ganz Krombach vor dem Fernseher“, erzählt Uwe Riehs, Geschäftsführer Marketing von Deutschlands größter Privatbrauerei. Die sitzt im gleichnamigen 2000-Einwohner-Städtchen im Siegerland.

Der Grund für die Aufregung: Der neue Werbespot von Krombacher lief an. „Perle der Natur reloaded“, scherzt Riehs. Mit dem emotionalen Clip, der Hipster beim Bäumepflanzen und am Lagerfeuer zeigt, will der 58-Jährige vor allem jüngere Leute ansprechen. Die Kampagne soll auch in den sozialen Medien laufen, um neue Kundengruppen zu gewinnen.

Denn die Deutschen trinken immer weniger Bier: Waren es 1980 noch 146 Liter pro Kopf, sind es heute lediglich 102 Liter, ermittelte das Statistische Bundesamt. Obwohl der Biermarkt beständig schrumpft, gelang es Krombacher, auch 2019 zu wachsen, im 18. Jahr in Folge. „Nach dem Rekord ist vor dem Rekord“, zeigt sich Riehs bei der Vorstellung der Jahreszahlen am Mittwoch sichtlich zufrieden.

Der Umsatz stieg um 1,4 Prozent auf 862 Millionen Euro. Krombacher bleibt damit die meistgetrunkene Biermarke in Deutschland – mit großem Abstand vor Oettinger und Bitburger. Der Ausstoß an Krombacher mit Alkohol sank zwar, die Dachmarke konnte aber die magische Sechs-Millionen-Hektoliter-Marke halten.

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    Wachstumstreiber sind ganz klar Getränke mit wenig oder ganz ohne Alkohol. Der Bierbrauer, dessen Wurzeln ins 17. Jahrhundert reichen, hatte frühzeitig umgesteuert und Limonaden, Fassbrause und Malzbier in sein Sortiment aufgenommen.

    Krombacher wandelte sich so vom Bierbrauer zum Getränkeanbieter. Alkoholfreie Sorten von „0,00 Prozent“ bis „Vitamalz“ machen ein Drittel vom Umsatz aus. „Bei Alkoholfreiem ist im deutschen Biermarkt noch Wachstum drin“, meint auch Christoph Treiber, Berater von OC&C.

    Wachstum bringt Krombacher ungeahnte Probleme

    „2006 war das entscheidende Jahr. Da kam die Schweppes-Familie mit Orangina und Dr. Pepper dazu“, konstatiert Riehs. Die Siegerländer haben die Marken- und Vertriebsrechte. „Der Siegeszug von Schweppes geht weiter“, kündigt der Marketingmann an. Er kam 2008 von der Kraft-Gruppe zu Krombacher. Zuvor hatte der Betriebswirt bei Müller Milch gearbeitet.

    Krombacher tüftelt an weiteren neuen Sorten. In diesem Jahr kommen alkoholfreie, sogenannte „Schweppes Virgin Cocktails“ auf den Markt. Damit will Riehs gezielt junge Konsumenten ansprechen.

    Hoffnung setzt er auch auf ein Limobier mit 70 Prozent statt der sonst in Biermixgetränken üblichen 50 Prozent Limonade. Im Olympia- und Fußball-EM-Jahr bringt Krombacher zudem Vitamalz Sport heraus, ein isotonisches Malzbier mit wenig Zucker.

    Das Wachstum bringt Krombacher allerdings ungeahnte Probleme. Die 50 eigenen Brunnen rund um Krombach reichen künftig nicht mehr aus. Derzeit laufen in der Nachbarschaft vielversprechende Testbohrungen für Felsquellwasser. Von Bauern, die ihr Wasser abgegraben sehen, regte sich jedoch Protest. Man hätte die Bürger vorab einbeziehen sollen, gesteht das Krombacher-Management nun ein. Schließlich gebe es keinen Grund zur Sorge.

    Der Konzern Nestlé steht wegen intensiver Nutzung von Quellen im Ort Vittel in der Kritik. Auch Krombacher erlebte einen Shitstorm, als es 2018 den Vertrieb der Nestlé-Marke Nestea übernahm. Die Partnerschaft ist seit Juli beendet. Krombacher ist aber auf neue Quellen angewiesen. „Denn wir wollen weiterwachsen – wenn auch nicht nur mit Bier“, betont Riehs.

    Mehr: Die Kunden greifen traditionell zu günstigem Schaumwein, doch edle Winzersekte sind im Kommen. Auch Rosé, Fruchtsecco und alkoholfreier Sekt legen zu.

    Unser junger Podcast #Businessclass erklärt das Bier-Geschäft


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