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29.01.2019

17:51

David Schirrmacher ist Gründer des Modehändlers „Von Floerke“  Privat

David Schirrmacher

Nach Handelsblatt-Informationen häufte Von Floerke weit mehr als eine Million Euro Schulden an.

„Höhle der Löwen“

Start-up Von Floerke will die Insolvenz noch abwenden

Von: Jannik Tillar

Gründer David Schirrmacher will die Wende schaffen – mit einem neuen Investor und einem Schuldenschnitt. Frank Thelen ist nicht mehr dabei.

Bonn Nach der gescheiterten Geschäftsausweitung bleibt es unruhig um das Mode Start-up Von Floerke. Im Dezember schien das Unternehmen nahezu zahlungsunfähig, stellte aber keinen Insolvenzantrag. Nach Handelsblatt-Informationen soll der auch nicht folgen: Gründer David Schirrmacher will demnach den Turnaround schaffen.

Investor Frank Thelen glaubt nicht daran und schreibt seine Anteile komplett ab. Die Investition ist für ihn ein Totalverlust. Dafür soll nun ein neuer Investor bereitstehen, der das Unternehmen sanieren will – sofern ein Schuldenschnitt erreicht wird.

Bekannt wurde das Unternehmen im Jahr 2015. Schirrmacher trat mit seinem Konzept von selbstgebundenen Fliegen und Maßanzügen in der Fernsehsendung „Die Höhle der Löwen“ an. Frank Thelen war überzeugt und investierte knapp 180.000 Euro für 16 Prozent der Anteile.

Anfangs erfreute Von Floerke Investoren und Kunden, doch im Hintergrund geriet das Unternehmen in Schieflage. Nach Handelsblatt-Informationen häufte Von Floerke weit mehr als eine Million Euro Schulden an. Ende September hatte Von Floerke Liquiditätsengpässe.

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    Schirrmacher reagierte, und verkaufte fortan Spirituosen zu Sensationspreisen. Was folgte, war ein Ansturm von Kunden, dem Von Floerke aber nicht gewachsen war. Zu den strukturellen Problemen gesellten sich finanzielle Schwierigkeiten. Zahlungsdienstleister wie Klarna und Paypal froren die Konten des Unternehmens ein.

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    Spätestens im Dezember schien das Start-up nahezu zahlungsunfähig zu sein. Gründer David Schirrmacher befand sich zu diesem Zeitpunkt nach eigenen Angaben im Ausland. Ein Kunde stellte daraufhin Strafanzeige wegen Insolvenzverschleppung.

    Fast gleichzeitig verlor Schirrmacher die Unterstützung von Investor Frank Thelen. Die Geschäftspartner wollten sich eigentlich schon im August 2017 trennen. Nachdem Von Floerke 1,2 Millionen Euro auf der Crowdinvest-Plattform Kapilendo einnahm, suchte Schirrmacher aggressivere Partner.

    Brands4friends-Mitgründer Christian Heitmeier stand nach Informationen des Portals „Deutsche Startups“ bereit und bot Thelen 4,5 Millionen Euro für seine Anteile. Beide Parteien einigten sich sogar notarisch. Nur: Geld floss nie. Auch hier läuft nach Handelsblatt-Informationen ein juristischer Streit.

    So blieb Thelen stiller Anteilseigner einer Firma, die er eigentlich veräußern wollte. Spätestens als Schirrmacher sich mit dem umstrittenen Stardrinx-Gründer Christian Lutz Schönberger einließ und ins Spirituosengeschäft expandierte, stand für Thelen sein Ausstieg fest.

    Vieles bleibt unwägbar

    „Ich werde niemals billigen Alkohol verkaufen. Das interessiert mich so sehr wie Katzendreck-Schaufeln“, sagt Thelen dem Handelsblatt. Nun gibt er seine Anteile ans Unternehmen zurück. Außerdem sollen die Kapilendo-Anteilseigner mit einer geringen Auszahlung kompensiert werden.

    Dem Handelsblatt liegt das Angebot an die Kapilendo-Gläubiger vor: Demnach haben sie die Wahl zwischen einer sofortigen Auszahlung von 7,5 Prozent ihres Investments oder einer erfolgsabhängigen Rückzahlung. Dann verzichten die Anleger heute auf 75 Prozent ihres Investments. Ende 2028 erhalten sie 25 Prozent des verbleibenden Betrages, die restlichen 75 Prozent gibt es im Falle eines operativen Gewinns oder eines Exits im Wert von 3,5 Millionen Euro.

    Sofern die Gläubiger zustimmen, ist der Weg für einen neuen Investor frei. Dieser wird im Rundschreiben nicht genannt, will nach Informationen von „Deutsche Startups“ aber einen niedrigen sechsstelligen Betrag investieren. Schirrmacher soll dann nur noch Minderheitsgesellschafter seiner Firma werden.

    Vieles bleibt trotzdem unwägbar: Vor allem die Frage, ob Von Floerke auch wieder mit Alkoholika handelt. Die Spirituosen brachten zwar viel Ärger, aber auch Informationen über Kunden. Nach Handelsblatt-Informationen sitzt Von Floerke auf knapp 700.000 Datensätzen von Menschen, die sich für die Produkte interessierten. Die nächste Geschäftsidee scheint nicht fern.

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