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11.03.2019

03:55

Huber Mobil Technik

Warum Witwe Stephanie Huber das Unternehmen ihres Mannes verkauft hat

Von: Joachim Hofer

Den Familienbetrieb gab die 50-Jährige nach dem Tod ihres Mannes ab. Inzwischen hat sie eine neue Aufgabe als Firmen-Streitschlichterin gefunden.

Die Huber-Erbin schlichtet inzwischen Konflikte in Unternehmen. privat

Stephanie Huber

Die Huber-Erbin schlichtet inzwischen Konflikte in Unternehmen.

MünchenStephanie Huber zieht zwei Blätter aus der Tasche, Kopien von Zeitungsartikeln. „Sie schafft es trotz Schicksalsschlag“ lautet die Schlagzeile aus der „Schwäbischen Zeitung“. Im anderen Bericht steht, dass sie nach dem Tod ihres Mannes Huber Mobil Technik weiterführe.

Die Texte aus dem Sommer 2013 sind Vergangenheit. Denn kurz danach hat sie den Betrieb verkauft, einen Umrüster für behindertengerechte Fahrzeuge. Huber hat es eben nicht geschafft. Sie hat erkannt, dass das Opfer zu groß wäre, den Mittelständler allein zu lenken.

„Die Firma ist das Lebenswerk deines verstorbenen Mannes. Wenn du sein Unternehmen weiterführst, verlieren deine beiden Kinder nicht nur den Vater, sondern auch die Mutter. Willst du das?“ Mit diesen Worten habe sie eine Freundin darauf aufmerksam gemacht, dass die Führung des geerbten Betriebs viel zu viel Zeit in Anspruch nehme. Sie selbst habe das gar nicht gemerkt. „Ich bin in dem Hamsterrad gerannt und habe getan, was ich glaubte, tun zu müssen.“

Sechs Jahre ist es her, seit Hubers Mann Peter einem Herzinfarkt erlag. Er sei der Kopf der Firma gewesen, sagt sie, ein erfahrener Techniker. Als Marketing-Expertin hat sie ihn unterstützt. Ohne Peter Huber ging es letztlich nicht.

Nun macht sich die umtriebige Frau aber daran, ihre eigene Firma aufzubauen; allerdings auf einem ganz anderen Gebiet: Sie entwickelt eine Methode, um Streit in Unternehmen zu schlichten.

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Die Firma gab sie im Herbst 2013 an Kirchhoff Mobility ab. Dann verkaufte sie ihre Villa im Schwäbischen und zog nach Pfronten ins Allgäu. An der Universität Augsburg absolvierte sie eine Ausbildung zur Mediatorin. Seither reist sie durchs Land, wenn in Firmen oder öffentlichen Einrichtungen ein Streit eskaliert. „Ich werde gerufen, wenn’s kracht“, sagt Huber. Das sei häufig tatsächlich wörtlich zu verstehen. Bei einem der ersten Aufträge hätten sich Dozenten an einer Hochschule geohrfeigt.

Ihre Erfahrung nutzt Huber nun, um eine Anleitung zu entwickeln, „wie Menschen ihre Konflikte selbst lösen können“. Künftig will die Konsensmanagerin Mitarbeiter einstellen. Durch den Verkauf der Firma ist sie abgesichert, das sei beruhigend. „Ich habe nicht den Druck, jeden Monat Rechnungen zu schreiben.“

Manche Kunden würden inzwischen ihren Rat suchen, auch ohne einen Konflikt. So wie Sybille Bayer, Geschäftsführerin der Atrium Werbeagentur im schwäbischen Schemmerhofen. „Ein gut funktionierendes Netzwerk ist aus meiner Sicht von enormem Vorteil“, sagt Bayer. Huber sei Teil ihres Netzwerks „und wird es auch in Zukunft sein“.

Trotz der finanziellen Unabhängigkeit ist die Geschäftsfrau nicht abgehoben. Im Gegenteil: In ihrer Freizeit steuert sie Reisebusse, übernimmt die Verantwortung für Dutzende Fahrgäste. Nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes hat sie den Busführerschein gemacht, eine Herausforderung, die sie schon immer gereizt hatte. Öfter steuert sie den in auffälligem Orange gehaltenen Allgäu-Airport-Express vom Flughafen Memmingen an den Münchener Hauptbahnhof. „Mir macht das Spaß“, sagt Huber. Viel mehr jedenfalls, als einen Betrieb zu leiten, in dem Mechaniker Autos und Transporter umbauen.

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