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26.04.2017

09:19 Uhr

Interview mit Frank Otto

„Viele Erben werden von der Leistung ihres Vaters erdrückt“

VonChristoph Kapalschinski

Frank Otto wollte nie so recht zum Image der hanseatischen Versender-Familie Otto passen. Der Unternehmer und Reality-TV-Star über ererbten Reichtum, Geld in der alternativen Szene und die Zukunft des UKW-Radios.

Der Hamburger Unternehmer und seine Lebensgefährtin posieren für die Reality-TV-Sendung „Story of my Life“. dpa

Frank Otto und Nathalie Volk

Der Hamburger Unternehmer und seine Lebensgefährtin posieren für die Reality-TV-Sendung „Story of my Life“.

HamburgFrank Ottos Büroräume liegen in einem alten Lagerhaus in der Hamburger Hafencity. Ein Warmwasser-Aquarium mit Korallen und bunten Fischen grüßt die Besucher. Es verweist auf Ottos Tauch-Leidenschaft. Der ging er zuletzt in der Reality-TV-Show „Goodbye Deutschland“ zusammen mit seiner 38 Jahre jüngeren Freundin nach.

Herr Otto, lassen Sie uns über das Thema Peinlichkeit sprechen.
Wieso denn das?

Sie waren zuletzt häufig im Fernsehen und der Boulevardpresse zu sehen mit ihrer Freundin Nathalie Volk. Häufig war zu hören oder lesen, diese Auftritte seinen für jemanden aus einer Kaufmannsfamilie peinlich.
Naja, das liegt immer im Auge des Betrachters. Manche Menschen haben eben das Bedürfnis, über andere zu urteilen. Im Boulevard-Journalismus ist das ja überhaupt das Kernthema: Menschen zu bewerten.

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Wie gehen sie damit um?
Ich überblättere sowas.

Störte es Sie, dort auf einmal aufzutauchen?
Das hat ja mit meiner Freundin Nathalie Volk zu tun, die in Formaten unterwegs war, wo Image-Bildung zentral ist. Etwa in der Sendung „Germany’s Next Topmodel“ oder im „Dschungel-Camp“. Jeder, der dahin geht, weiß, dass er sich der Häme der deutschen Nation aussetzt.

Das heißt, für Sie ist das ein Spiel?
Nein, das ist einfach Teil der Medienrealität, aus der Nathalie stammt. Sie nimmt mich mit in ihre Welt, ich nehme sie mit in meine Welt.

Andere Unternehmer würden sich nicht in diese Welt mitnehmen lassen.
Das ist auch sicher kein Dauerzustand. Es ist kein Business für mich, ich muss mein Geld so nicht verdienen. Für mich war es einfach eine Abwechslung, ein Experiment.

Die 10 besten Ratschläge für Unternehmer

Hab Spaß

„Das Leben ist ein Marathon und kein Sprint“, sagt Thorsten Reiter, dessen Buch „Start up – Jetzt! Endlich loslegen und es richtig machen“ gerade im Campus-Verlag erschienen ist. Genauso verhält es sich auch mit dem Bestreben als Unternehmer. Reiter: „Wer lange durchhalten will, sollte Spaß an der Sache entwickeln, der er täglich nachgeht, und vor allem daran, wie er es tut.“

Glaub an dich

Unternehmer sollten sich laut Reiter darauf konzentrieren, ihre Marke auszubauen sowie ihre Arbeit zu erledigen, und aufhören, über sich und ihr potentielles Versagen nachzudenken. „Wenn sie eines Tages scheitern, werden sie es schon merken und haben genug Zeit, im Nachhinein darüber nachzudenken.“

Glück ist eine Einstellungssache

„Jeder Gründer sollte sich entscheiden, stets Glück zu haben“, rät Thorsten Reiter. Seiner Lebensphilosophie nach liegt es in den eigenen Händen, Glück zu haben. Dabei ist für den Gründer-Experten genauso richtig, dass jeder einzelne der Herr seines Schicksals ist wie der Glaube daran, dass alles, was wir erleben, durch etwas oder jemanden vorherbestimmt ist.

Versuchen ist gut, machen ist besser

Reiter rät jungen Unternehmern nicht zu „entscheiden“, wann sie gescheitert sind. „Scheitern passiert und es bleibt keine andere Wahl, als das Scheitern zu akzeptieren und daraus zu lernen.“ Getreu dem Motto von Meister Yoda in Star Wars: „Do or do not. There is no try!“.

Nutze alle Ressourcen

Haben Sie Spaß daran, Teil von etwas zu sein und nutzen Sie das für sich. Als Unternehmer erhalten Sie Zugang zu Ressourcen, für die man sonst große Summen bezahlen müsste. Reiter: „Ein Marketingplan-Wettbewerb an einer lokalen Hochschule beispielsweise gibt der Einrichtung sowie ihren Studierenden Stoff, um sich weiter zu qualifizieren“, und Ihnen als Unternehmer einen enormen Pool an neuen Ideen.

Manchmal hilt nur: Zähne zusammenbeißen!

Jungunternehmer sollten sich schnell daran gewöhnen, die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit nicht nur auszutesten, sondern sie regelmäßig zu überschreiten. Thorsten Reiter: „Nur so können sich Gründer und Erfolgssuchende sicher sein, wo sie verlaufen.“ Und: „Im gemütlichen Nine-to-Five-Sessel lassen sich keine Märkte revolutionieren und keine Konsumentenerfahrungen erschaffen, die zu wahren Ereignissen im Leben der Kunden werden.“

Gib dein Wissen weiter

Behalten Sie niemals die Dinge, die Sie auf Ihrem Weg gelernt haben, für sich. Teilen Sie, wann immer sie können, lautet die Empfehlung des Start-Up-Experten Reiter. Halten Sie also Vorträge, geben Sie Workshops oder seien sie selbst ein Mentor für andere Entrepreneure. Reiter: „Dadurch wird auch der Gründer selbst besser, versteht seine Herangehensweisen und erhöht sein Exposure.“

The winner shares it all

Steuern Sie auf Ihrem Weg gezielt Win-Win-Win-Effekte an und ermöglichen Sie es so einer größeren Anzahl von Menschen, sich mit Ihrer Idee und der Sache, für die Sie stehen, zu identifizieren. Keine Angst, das bedeutet nicht, dass Sie etwas vom Kuchen abgeben müssen; es bedeutet, so Reiter, dass alle am Ende mehr haben. Wenn jemand also einen WLAN-produzierenden Baum entwickeln würde, wäre der zusätzliche Klimafaktor solch ein Effekt.

Verändere das Spiel der Könige

Was hat Unternehmertum mit Schach zu tun? Reagieren Sie im Business nicht nur auf die Züge des Gegners, sondern gehen Sie einen Schritt weiter über die Grenzen des Bretts hinaus, rät Thorsten Reiter. So werden die Regeln des Spiels neu definiert, das Feld wird erweitert und die Möglichkeiten sind plötzlich unzählig. Wer als Unternehmer gelernt hat, das Spiel zu durchschauen, hält einen Trumpf in der Hand, der die Konkurrenz ins Chaos stürzen kann. Reiter: „Manchmal ist ein vermeintlich irrationaler Zug der entscheidende Schlag, und was von außen wie Chaos erscheint, ist lediglich die strategische Wendung hin zum eigenen Competitive Advantage und ein echter Game Changer.“

Finde deine Antworten

Sind Sie ein Unternehmer? Haben Sie den Mut dazu, Ihr Leben – egal ob angestellt oder selbstständig – nachhaltig zu verändern? Ist das der richtige, der einzige Weg? Diese Fragen möchten Thorsten Reiter jedem potentielen Gründer mit auf den Weg geben, denn er kann lediglich Denkanstöße geben. Die Antworten darauf muss jeder für sich selber finden. Reiter: „Ob du ins Abenteuer Unternehmertum aufbrechen wirst, ob diese Reise für dich bestimmt ist, kannst nur du selbst sagen. Nur du kannst diese Antworten geben.“

Im Leben haben Sie überhaupt viel experimentiert, oder?
Ich habe Restaurator gelernt, dann Kunst studiert, war Kriegsdienstverweigerer… In dieser Szene war ich verhaftet und durch mein Umweltengagement gegen Atomkraft politisiert. Ich habe sehr frei gelebt. Die Zeit kann man sich heute nicht mehr vorstellen: Damals konnte man sich seine Lehrstelle ja aussuchen. Man konnte sich überlegen, was man mit seinem Leben machen will – und das dann auch tun. Den Konkurrenzdruck von heute gab es damals nicht.

Ist es einem in so einer alternativen Szene eigentlich peinlich, aus einer reichen Familie zu stammen?
Ne, mir ist das nicht peinlich gewesen. Bis heute beschäftige ich mich mit Künstlern, die oft nicht sehr wohlhabend, ja sogar arm sind. Sie arbeiten aus einer intrinsischen Motivation, nicht wegen des Geldes. Ich verstehe das, ich bin ja eigentlich auch so. Von vielen anderen, die Geld haben, weiß ich aber, dass sie eigentlich nur mit Ihresgleichen umgehen können. Weil sie immer die Frage fürchten: Kannst Du mir was leihen, kannst du mir da und dort helfen, meine Mutter ist krank, du hast es doch… Da können viele nicht mit umgehen, weil sie es nicht gelernt haben.

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