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10.11.2021

17:37

Intralogistik

Jungheinrich steigert Umsatz und Gewinn und setzt sich höhere Ziele

Von: Anja Müller

Der Intralogistik-Spezialist trotzt den Lieferengpässen und hat seine Ziele für 2025 angepasst. Mit dem Zukauf von Arculus wächst der Intralogistik-Spezialist strategisch.

Mitarbeiter fertigen Gabelstapler auf einer von fünf Produktionslinien. dpa

Jungheinrich-Werk in Hamburg

Mitarbeiter fertigen Gabelstapler auf einer von fünf Produktionslinien.

Hamburg
Vorstandschef Lars Brzoska sieht sein Unternehmen beim Management der Lieferketten gut aufgestellt: „Trotz weltweiter Lieferengpässe und stark gestiegener Materialkosten“ sei die Geschäftsentwicklung des Intralogistik-Spezialisten Jungheinrich „sehr gut“, sagte er bei der Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal. Doch mit Blick in die Zukunft ist der seit nun mehr als einem Jahr amtierende Firmenchef durchaus etwas besorgt. „Wie alle anderen sind wir aber auch nicht davor gefeit, dass für den Fall, dass eine Lieferkette reißt oder es zu weiteren Engpässen kommt, auch bei uns mal die Produktion stillsteht.“

Auf die Frage, ob es noch in diesem Jahr dazu kommen könnte, sagte er: „Natürlich kann ich nicht dafür garantieren, dass wir in diesem Jahr keine Probleme bekommen. Ich bin aber unverändert optimistisch hinsichtlich unserer Ziele.“

Selbst Unternehmen wie Jungheinrich, die bislang so gut vorsorgen konnten, können sich in Zukunft dem Chipmangel nicht entziehen. Sie reihen sich damit ein in die Klagen vor allem der Autohersteller und -zulieferer, der Maschinenbauer und anderer Industriezweige.

Konzernziele erhöht, Aktie reagiert kaum

Dabei zeigen die Zahlen von Jungheinrich derzeit vor allem eines: Wachstum. Brzoska hatte bereits Ende Oktober die Prognose erhöht. Nun kamen am Mittwoch die konkreten Zahlen: Danach stieg der Auftragseingang in den ersten neun Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 30 Prozent auf 3,58 Milliarden Euro. Der Konzernumsatz wuchs im selben Zeitraum auf mehr als drei Milliarden Euro, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern konnte der Familienkonzern um mehr als 70 Prozent auf 258,4 Millionen Euro steigern. Die Ebit-Rendite erhöhte sich auf 8,6 Prozent.

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    Dennoch reagierte die Aktie mit einem ganz leichten Rückgang auf die aktuellen Zahlen. Sie lag bei 45,75 Euro am Vorabend der Bekanntgabe und liegt nun bei 45,20.

    Die meisten Analysten sehen die Aktie im grünen Bereich, also als Kauf oder Beimischung. So beließ auch Peter Rothenaicher von der Baader Bank die Einstufung bei „Add“ mit einem Kursziel von 49 Euro. Zum Vergleich: Auch der deutsche, fast doppelt so große Konkurrent Kion hatte zuletzt seine Prognose für 2023 angehoben und zum dritten Quartal gute Zahlen vorgelegt. Kion rechnet bis 2023 mit einem Umsatz von zwölf Milliarden Euro. Auch die Kion Aktie ist derzeit mit mehr als 97,50 Euro mehr als doppelt so hoch bewertet wie Jungheinrich.

    Das 1953 gegründete Hamburger Familienunternehmen Jungheinrich ist seit September zurück im MDax – nachdem es zuvor in den SDax abgestiegen war, gehört Jungheinrich nun wieder in die zweite Börsenliga. Und das Unternehmen profitiert bereits beim Employer Branding, wie der Firmenchef feststellt.

    Auf dem Weg zum CO2-freien Lager

    Denn der Fachkräftemangel ist auch bei Jungheinrich mit mehr als 18.000 Mitarbeitern ein Thema, wenngleich ein anderes als bei vielen anderen Unternehmen, die dringend Fach- und Führungskräfte suchen. Denn einerseits, so erklärt Brzoska, wachse Jungheinrich wegen des Fachkräftemangels: weil man viel automatisiere und die Kunden daher weniger Logistikkräfte benötigten. Andererseits brauche man aber auch die Mitarbeiter.

    Brzoska hat auch die Ziele für 2025 angepasst. So soll der Konzernumsatz organisch auf 5,5 Milliarden Euro steigen. Bislang waren 4,6 Milliarden Euro angepeilt. Bei der Vorlage der Strategie vor einem Jahr hatte Brzoska größere Übernahmen angekündigt – auch mit Blick auf die geringe Präsenz von Jungheinrich außerhalb Europas von derzeit 14 Prozent. Bis 2025 sollen es 20 Prozent sein. Im vierten Quartal 2021 hat Jungheinrich den Münchener Automationsspezialisten Arculus übernommen und damit auch 90 Experten. Arculus bietet neben der Roboter-Hardware vor allem eine Software, die es ermöglicht, die automatisierten Fahrzeuge aller Hersteller innerhalb eines Werks oder Lagers zentral zu managen.

    Mit Arculus ist Brzoska allerdings in der Heimat und eine Nummer kleiner unterwegs. Wenn man auf den Umsatz schaue, sei es keine große Übernahme, „wenn man auf die Technologie schaut, aber eine entscheidende“, sagt er. Gemeinsam könne man die Anforderungen der Kunden besser bedienen. Doch nicht nur Jungheinrich profitiert vom Zukauf, sondern auch Arculus: Mit dem Vertriebsnetz des Hamburger Familienunternehmens kann das Unternehmen deutlich schneller wachsen.

    Anteil der Lithium-Ionen-Batterien soll auf 70 Prozent steigen

    Zu den ehrgeizigen Zielen von Brzoska zählt zudem, dass das Unternehmen bis 2025 rund 70 Prozent Stapler mit Lithium-Ionen-Batterien im Angebot hat. Zum Vergleich: Aktuell sind es rund ein Viertel. Europaweit sollen es dann rund 52 Prozent sein.

    Neben den Themen Automatisierung, Digitalisierung und Batteriesysteme hat Brzoska vor allem auch das Thema Nachhaltigkeit konkretisiert. Manchmal sei er weniger, manchmal einen ganzen Tag damit befasst, erzählt er. Gerade ist er dabei, Projekte umzusetzen, die den Kunden ein „CO2-freies Lager“ ermöglichen.

    Zu den Zielen zählt aber nicht nur die Klimaneutralität der Produktion und eine nachhaltige Lieferkette, sondern auch mehr Diversität in der Führung. Mindestens 18 Prozent des Managements sollen ab 2025 weiblich sein. In der operativen Führung ist mit Sabine Neuß als Technikvorständin bislang eine Frau vertreten.

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