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11.12.2018

04:10

Mit Speedinvest will Ametsreiter Start-ups zu Erfolgsgeschichten machen. Speedinvest

Marie-Helene Ametsreiter

Mit Speedinvest will Ametsreiter Start-ups zu Erfolgsgeschichten machen.

Investorin

Wie Marie-Helene Ametsreiter mit Speedinvest Start-ups beschleunigt

Von: Hans-Peter Siebenhaar

Die Österreicherin will mit Speedinvest Bindeglied zwischen Industrie und Innovatoren sein. Das Konzept überzeugt Investoren.

WienDas Wiener Stilwerk als Mekka für Liebhaber des Möbeldesigns hat ausgedient. Das transparente Gebäude am Donaukanal ist mittlerweile ein Zentrum für österreichische Start-ups, man nennt es Wexelerate-Start-up-Campus. In einem aus Kiefernholz-Wänden bestehenden Mini-Konferenzzimmer sitzt Marie-Helene Ametsreiter.

Die Partnerin des österreichischen Investors Speedinvest ist quasi auf der Durchreise. In Wien coacht die Ehefrau des Vodafone-Deutschlandchefs Hannes Ametsreiter junge Unternehmen. Ihre Firma versteht sich aber nicht nur als Investor, sondern eben auch als Helfer für das operative Geschäft. „Wir bringen auch Managementleistung, um aus Start-ups Erfolgsgeschichten zu machen.“

Das kommt bei den Investoren gut an. Über mangelndes Interesse der Geldgeber kann sich Ametsreiter nicht beklagen.

Unternehmen wie der Getränkekonzern Red Bull des Multimilliardärs Dietrich Mateschitz, das Vorarlberger Medienunternehmen Russmedia, der Papierhersteller Heinzel Group, die Funke Mediengruppe oder die Industrieunternehmen Plansee und Doppelmayr sowie der Automobilzulieferer Miba haben mittlerweile in mehr als 100 Start-ups via Speedinvest investiert. Ametsreiter sieht es als ihre Aufgabe an, die jungen Firmen nicht nur in die Gewinnzone zu führen, sondern auch Netzwerke mit den Geldgebern zu bilden.

„Unsere Investoren kommen nicht vorwiegend wegen der finanziellen Rendite, sondern wollen am Ökosystem der Start-ups teilhaben“, berichtet die frühere Mobilfunkmanagerin. Sie will als Bindeglied zwischen Industrie und Innovatoren dienen.

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Ihre Firma Speedinvest gibt das Geld der Anleger ausschließlich in Europa aus. Vor allem kleine und mittelständische Familienunternehmen haben an dem Konzept Interesse. Deshalb hat Ametsreiter in diesem Jahr den Speedinvest Industry Fonds aufgelegt. Insbesondere für den Mittelstand ergebe es oft keinen Sinn, einen eigenen Corporate-Venture-Arm für Start-up-Investments aufzubauen, sagt die 48-Jährige.

„Wir leisten die Screeningarbeit für die Unternehmen und verhelfen den jungen Firmen dann zum Markterfolg.“ Es stünden 50 Millionen Euro für Industrie-Start-ups zur Verfügung. Im März nächsten Jahres gibt es eine Aufstockung des Speedinvest-Industry-Fonds mit einem Volumen von 15 Millionen Euro.

Investoren können ab einer halben Million Euro einsteigen. Speedinvest beschäftigt insgesamt 50 Mitarbeiter inklusive zweier Tochterfirmen für Personal und Marketing.

Ametsreiter tourt von Großbritannien bis nach Kroatien, 50 „industrierelevante Start-ups pro Monat“ schaut sie sich an. Zu Hause ist die Österreicherin mit ihrem Ehemann seit drei Jahren in München. Hannes Ametsreiter übernahm 2015 den Chefsessel bei Vodafone Deutschland in Düsseldorf. Seitdem pendelt der frühere Vorstandschef von Telekom Austria zwischen der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt und München.

„Marie-Helene besitzt eine große und schnelle Entschlusskraft und Risikobereitschaft, auch Neues auszuprobieren“, sagte der ehemaligen Vorstandschef der Telekom Austria, Boris Nemsic, über seine ehemalige Kollegin. „Dabei ist sie eine Teamplayerin.“

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Marie-Helene Ametsreiter hat ihre Karriere als Investorin in Start-ups erst 2014 gestartet. Von München aus baut sie das Deutschlandgeschäft auf. Das Business ist nicht einfach. „Die guten Start-ups können sich Investoren aussuchen“, gesteht die Managerin offenherzig ein.

Das Geld für Investments zu erhalten ist hingegen im Fall ihres Industriefonds einfacher. „Man muss in der Regel um Investorengeld kämpfen, beim Industriefonds ist der Nutzen für die Investoren klarer.“ Mittlerweile besitzt Risikokapitalgeber Speedinvest sogar ein Team in den Vereinigten Staaten, damit die betreuten Start-ups dort leichter Fuß fassen können.

Im Gespräch lächelt die zweifache Mutter viel. In dem offenen Büro der Wiener Start-ups fühlt sich die gebürtige Wienerin wohl. „Ich war in meinen Positionen immer sehr unternehmerisch tätig“, sagte sie rückblickend. In Kroatien baute sie 2005 und 2008 für Mobilkom Austria eine Mobilfunktochter namens VIPnet auf.

Beim Öl- und Gaskonzern OMV kümmerte sich die ehrgeizige Ökonomin um die Nachhaltigkeit. Dann wollte sie aber „wieder in eine schnelle Welt“, erinnert sie sich. „Um Start-ups in ihrer Entwicklung zu verstehen, ist es ganz wichtig, selbst unternehmerisch unterwegs gewesen zu sein.“

Erfolgreiches Netzwerk

Alle Investments, die sie betreut, sind ihr ans Herz gewachsen, das liegt auch daran, dass es zu Speedinvest gehört, dass man viel Zeit mit den Gründern verbringt. „Ich bin von allen Start-ups fasziniert, die ein reales Problem lösen“, sagt Ametsreiter. Im Gegensatz dazu sind Unternehmen aus dem digitalen Handel und der Unterhaltung nicht unbedingt ihr Thema.

Mit Begeisterung betreibt sie beispielsweise das letzte Investment von Speedinvest namens Twaice. Dabei handelt es sich um eine Ausgründung aus der Technischen Universität München, die eine Batterieanalysesoftware entwickelt hat, um im boomenden Elektromobilitätsmarkt die Batterielebensdauer sowie deren Zuverlässigkeit zu erhöhen. Oder auch Metis Labs ist ihr ans Herz gewachsen. Das Start-up kann mit vorausschauenden Analysen Energiekosten von produzierenden Unternehmen voraussagen und damit bis zu 15 Prozent Kosten sparen.

Für den unternehmerischen Erfolg sind aber auch die eigenen Netzwerke wichtig. Ametsreiter wird als Marie-Helene Magenschab geboren, sie studiert Wirtschaftswissenschaften in Wien und Kalifornien und arbeitet nebenher als Stewardess. Sie ist eine Menschenfängerin. Kommunikation liegt in der Familie. Ihr Vater Hans Magenschab war einst Pressesprecher des österreichischen Bundespräsidenten Thomas Klestil.

Der Name Ametsreiter öffnet zusätzliche Türen bei manchen Geldgebern im Bereich Industrie 4.0. „Die Bekanntheit meines Mannes ist natürlich ein Vorteil“, gibt die Speedinvestor-Partnerin zu und ergänzt: „Meinen Weg als unternehmerische Investorin musste ich aber selbst gehen.“

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Kennen gelernt hat sich das prominente Paar bereits vor fast einem Vierteljahrhundert bei Mobilkom Austria. Hannes Ametsreiter leitete im Jahr 1996 das Produktmanagement. Marie-Helene arbeitete damals im Marketing. „Es bringt viele Vor-, aber natürlich auch Nachteile, wenn beide Partner im gleichen Unternehmen tätig sind. Wir haben das aber nie belastend empfunden.“

Im Gegensatz zu anderen Managern versteht sie sich als Homo politicus, weil sie eben in einem politischen Haushalt aufgewachsen ist, allerdings kann sie „mit Parteipolitik wenig anfangen“.

Im Gegensatz zu Deutschland oder Großbritannien ist die Start-up-Szene in Österreich unterentwickelt. Denn eine Insolvenz galt für einen jungen Unternehmer in der Alpenrepublik wie eine Art Todesurteil bei der Suche nach neuen Geldgebern. Doch das Blatt wendet sich langsam. Es gebe einen Kulturwandel, in dem Gründen und auch Scheitern inzwischen positiver besetzt seien, urteilt Ametsreiter.

Doch die berüchtigte Bürokratie in Österreich macht den Start-ups weiter zu schaffen. „Unternehmerisch tätig zu werden ist in Österreich immer noch aufwendiger als in vielen anderen Staaten“, kritisiert die Investorin ihr Heimatland. Auch die Rahmenbedingungen für Risikokapitalgeber seien weit von einem Idealzustand entfernt.

Trotz des Arbeitsexils in Deutschland sind die Ametsreiters ihrer Heimat verbunden und finden an ihrem zweiten Wohnsitz in der Nähe des malerischen Mattsees unweit von Salzburg Erholung bei Skifahren, Tennis und Yoga.

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