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16.05.2019

15:27

Get Your Guide sammelt 484 Millionen Dollar ein GetYourGuide

Johannes Reck

„Get Your Guide bleibt ein gründergeführtes und gründerzentriertes Unternehmen.“

Johannes Reck im Interview

„Das schafft man nur, wenn man fokussiert ist“

Von: Miriam Schröder

Der Softbank Vision Fund und der singapurische Staatsfonds Temasek investieren in die Reisebuchungsplattform. Im Interview spricht Mitgründer Johannes Reck über die Finanzierungsrunde.

Düsseldorf Johannes Reck klingt erschöpft und zugleich aufgeregt am Telefon. Der 34-Jährige ist gerade am Flughafen in Berlin gelandet, als er dem Handelsblatt die Nachricht verkündet: Sein Start-up Getyourguide hat eine Finanzierungsrunde in Höhe von 484 Millionen US-Dollar abgeschlossen.

Hauptinvestoren sind der Softbank Vision Fund aus Japan und der singapurische Staatsfonds Temasek. Unter anderen hat sich auch der deutsche Investor Klaus Hommels mit seinem Fonds Lakestar beteiligt.

Viele Monate haben Reck und seine Mitarbeiter an den Feinheiten des Deals gearbeitet. Für die deutsche Start-up-Szene ist die Finanzierungsrunde eine Besonderheit: In dieser Größenordnung sind sie äußerst selten in Deutschland. Zuletzt hatte die Gebrauchtwagenplattform Auto 1 vor anderthalb Jahren ein ähnlich hohes Investment verkündet – ebenfalls angeführt von Softbank.

Getyourguide wurde 2008 von Tao Tao, Martin Sieber, Johannes Reck und Tobias Rein in Zürich gegründet, wo die vier damals studierten. Bis sie erkannten, welches Potenzial in dem Geschäft steckte, war Getyourguide nur ein Hobby für die Männer. Heute vermittelt die Plattform ihren Kunden Erlebnisse auf ihren Reisen – von der geführten Bergtour bis zum Ticket fürs Museum.

Lesen Sie hier das Interview mit Mitgründer Johannes Reck:

Herr Reck, Sie haben mit Getyourguide gerade ein Investment in Höhe von 484 Millionen Euro eingeworben – das ist eine der größten Finanzierungsrunden, die ein deutsches Start-up jemals abgeschlossen hat. Das Geld stammt unter anderem von dem japanischen Investor Softbank und dem singapurischen Staatsfonds. Was haben Sie denen versprochen?
Wir bewegen uns mit Getyourguide in einem extrem spannenden Markt – wir verkaufen Erlebnisse vor Ort. Bei uns kann man Stadtführungen buchen, Tauchausflüge, oder Tickets für die berühmtesten Museen der Welt. Wir kümmern uns um den emotionalen Aspekt einer Reise, bei dem nichts fehlen darf und bei dem auch nicht an Geld gespart wird. Für Konsumenten ist das Erleben und Teilen von Erfahrungen heutzutage ja viel wichtiger als materieller Besitz. Wir erwarten, dass sich dieser Trend in den kommenden Jahren weiter verstärken wird.

Grafik

Wie viel Umsatz kommt denn dabei herum?
Diese Zahlen veröffentlichen wir nicht. Wir verraten nur so viel: Wir haben bislang mehr als 25 Millionen Tickets verkauft. Wir sind auf allen Kontinenten aktiv und haben Erlebnisse in mehr als 150 Ländern im Programm. Wir waren die Ersten, die diesen Markt gesehen haben. Wir waren sehr schnell. Und jetzt werden wir unser Tempo beschleunigen.

Was machen Sie jetzt mit dem ganzen Geld?
Wir wollen weiterwachsen. Der weltweite Markt für Touren und Aktivitäten – also unser Kernmarkt – hat ein Umsatzvolumen von mehr als 180 Milliarden US-Dollar. Und erst zwei Prozent der Transaktionen auf diesem Markt finden online statt, bei Plattformen wie Getyourguide. Bei den Hotelbuchungen sind es schon 30 bis 40 Prozent. Wir sind ein kleiner Fisch im Meer der Erlebnisse – und der soll größer werden.

Wollen Sie organisch wachsen – oder ein paar kleinere Fische schlucken?
Bislang sind wir immer zu 100 Prozent organisch gewachsen. Ich sehe keinen Grund, warum das nicht weiter so sein sollte. Bis Ende des Jahres wollen wir unsere Mitarbeiterzahl von 500 auf 800 erhöhen. Außerdem wollen wir Originals-Touren weiter ausbauen und weiterentwickeln, das sind Aktivitäten, die wir in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern für unsere Kunden maßgeschneidert haben. Es sind bereits 25 neue Destinationen geplant und zusätzlich stehen weitere maßgebliche Produktneuerungen kurz vor dem Roll-out.

Ihren Markt haben inzwischen aber auch andere für sich entdeckt. Große Player wie Airbnb und Booking haben jetzt zusätzlich zu Unterkünften auch Erlebnisse im Programm. Sie waren die ersten – aber werden Sie auch die letzten sein?
Airbnb und Booking sind schon einige Zeit auf dem Markt für Erlebnisse aktiv – aber sie fokussieren sich weiter auf ihr Kerngeschäft. Wir vermitteln nach wie vor sehr viel mehr Erlebnisse. Wir haben den Markt erfunden. Wir waren die Ersten, die den Service für das Mobiltelefon optimiert haben und die Ersten, die das Potenzial der Last-Minute-Buchung für Tickets gesehen haben. Wir waren anderen Unternehmen immer zwei Schritte voraus – das schafft man nur, wenn man fokussiert ist.

Darüber hinaus glaube ich: Die Leute wollen nicht alles in einer App buchen können. Die wollen in einer App buchen, die richtig gut ist.

Auch Google hat im vergangenen Jahr eine Plattform für Ausflüge und Aktivitäten gegründet – und dürfte deutlich leichter an Kunden kommen als Sie.
Google sehen wir nicht als Konkurrenten. Google ist ein starker Partner für uns – eine Plattform, die uns geholfen hat, schnell und über viele Märkte hinweg zu skalieren. Google macht selbst keine Transaktionen, das Unternehmen leiten die Kunden an uns weiter und wir bezahlen Google dafür.

Das dürfte teuer sein.
Langfristig wollen wir natürlich, dass die Leute direkt über unsere App bei uns buchen. Das tun sie auch.

Zu Ihren Investoren gehören jetzt Schwergewichte wie Softbank und Temasek. Wie viel haben die Gründer bei Getyourguide künftig noch zu sagen?
Getyourguide bleibt ein gründergeführtes und gründerzentriertes Unternehmen. Softbank und Temasek halten nur Minderheitsanteile. Im Aufsichtsrat haben weiterhin die Gründer die Mehrheit. Weder an der Governance noch an der strategischen Ausrichtung wird sich etwas ändern.

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Der größte Tech-Investor der Welt denkt offenbar über einen Börsengang seines Fonds nach. Auch ein zweiter Vision Fund ist derzeit im Gespräch. Doch es gibt viele Fragezeichen.

Was schätzen Sie an Ihren neuen Investoren?
Softbank sorgt dafür, dass Unternehmen nicht zu früh an die Börse müssen. Sie können sich auf aggressives Wachstum konzentrieren, ohne sich um den Aktienkurs zu kümmern und ohne alle drei Monate einen Quartalsbericht vorlegen zu müssen – und ohne anderen bürokratischen Aufwand zu haben.

Haben Sie in Europa keinen Investor gefunden?
Ganz ehrlich: Wir haben nicht mal angefangen, in Europa zu gucken – weil es hier einfach niemanden gibt, der Finanzierungen in dieser Größenordnung stemmen kann. Wir haben uns in den USA und in Asien umgesehen. Es ist wirklich schade, dass sich hier so wenig tut.

Was müsste sich denn tun?
Die Regierungen sind in der Pflicht, Anreize zu schaffen für Investments in europäische Wagniskapitalfonds. Für die Start-ups ist das Thema gar nicht mal so relevant: Geld ist global. Gute Unternehmen kriegen eine Finanzierung, woher auch immer. Aber für uns als Europäer ist es doch ein Armutszeugnis, wenn diese Firmen eines Tages an die Börse gehen und die Gewinne abwandern.

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