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15.02.2022

10:04

Luxusmodeplattform

Rebelle verkauft gebrauchte Designermode von Gucci oder Prada – und strebt nun an die Börse

Von: Anja Müller, Andreas Kröner

Die Secondhand-Luxusmodeplattform Rebelle will der erste grüne Börsengang im Nasdaq-System werden. Gründerin Cécile Wickmann hat ihre Gründe, den Börsengang schnell durchzuziehen.

Cécile Wickmann und Max Schönemann gründeten das Unternehmen im Jahr 2013.

Cécile Wickmann

Cécile Wickmann und Max Schönemann gründeten das Unternehmen im Jahr 2013.

Düsseldorf Die in Hamburg gegründete Modeplattform Rebelle verkauft gebrauchte Designermode. Kleider von Gucci, Chanel oder Prada gibt es bereits ab wenigen Hundert Euro. Nun will das 2013 von Cécile Wickmann und Max Schönemann gegründete Unternehmen in Stockholm an die Börse gehen. Dabei hat Rebelle 2021 gerade einmal einen Marktplatzumsatz von rund 26 Millionen Euro netto nach Abzug von Retouren und Stornos erwirtschaftet.

Bislang erzielt das Unternehmen, das den gesamten Prozess für die Verkäufer übernimmt, auf Jahressicht keine schwarzen Zahlen. „Und auch in den nächsten Jahren planen wir nicht, eine Dividende auszuschütten“, sagt Wickmann im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die Ziele dagegen sind ambitioniert. 2025 will Rebelle 100 Millionen Euro Umsatz erwirtschaften – den Umsatz also in den nächsten drei Jahren vervierfachen.

Der Pariser Konkurrent Vestiare Collective ist inzwischen zum Einhorn geworden, erhielt also bereits eine Milliardenbewertung. Ebenfalls wurde die Secondhand-Plattform Vinted zu einem Einhorn. Das Unternehmen ist in Deutschland zunächst mit den Plattformen Mamikreisel und Kleiderkreisel bekannt geworden – und arbeitet nicht im Luxussegment.

Das gilt auch für die Berliner Re-Commerce-Plattform Momox: Das Unternehmen erwirtschaftete im vergangenen Jahr bereits 47 Millionen Euro allein mit Mode. Auch die großen Modeplattformen, Zalando und About You, bieten inzwischen gebrauchte Kleidung an. Außerdem ist der schwedische Modehändler H&M ins Geschäft eingestiegen.

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Standort erkennen

    Die Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group schätzt den Markt für Secondhandmode auf 30 bis 40 Milliarden Euro in Europa. Jedes Jahr soll er um rund ein Fünftel zulegen, prophezeien die Berater.

    Secondhandmode ist nicht nur bei vielen Kundinnen und Kunden beliebt, das Segment ist auch wichtig für die Bilanz der Unternehmen bei den ESG-Kriterien, also den Anforderungen an Klimaschutz, Sozialstandards und Unternehmensführung. Und genau darin liegt auch der Grund, warum Rebelle ausgerechnet in Schweden und ausgerechnet jetzt an die Börse strebt.

    Erster grüner Börsengang an Nasdaq-Börsen

    Wenn das Unternehmen an den Nasdaq First North Growth Market in Stockholm geht, könnte Rebelle der erste „grüne Börsengang“ an Nasdaq-Börsen weltweit werden, sagt Wickmann. Mit dem IPO könnte Rebelle die sogenannte „Nasdaq Green Equity Designation“ erhalten.

    Das unabhängige Prüfunternehmen Cicero Green hat den schwedischen Modeanbieter bereits untersucht. Die Green ist eine Tochtergesellschaft des norwegischen Klimaforschungsinstituts Cicero. Die Prüfer sehen noch Verbesserungsbedarf bei Rebelle. So müsse der Transport der Waren noch nachhaltiger werden. Zudem bemängelte Cicero Green, dass die Schweden bislang keine Reparaturen für die Kleidungsstücke anbieten.

    Dennoch wurde Rebelle von der Institution mit der zweithöchsten Stufe mittelgrün bewertet, wie aus dem Report hervorgeht. Das Siegel werde sicherlich weitere Investoren anziehen und weiteres Wachstum ermöglichen, so das Kalkül der Unternehmer.

    Das Unternehmen wird den Börsengang mit einer Kapitalerhöhung verbinden und neue Aktien ausgeben. Die bisherigen Investoren haben sich verpflichtet, ihre Anteile „weitere 360 Tage zu halten“, sagt Wickmann. Dazu zählen der deutsche Hightech-Gründerfonds mit 5,4 Prozent, als größter Investor das deutsche Family-Office HCS mit 19,2 Prozent, der italienische Medienkonzern Mediaset sowie einige Investoren aus Skandinavien.

    Die Aktie soll mit einem Preis von 2,64 Euro ausgegeben werden. Umgerechnet liegt die vorbörsliche Bewertung laut Börsenprospekt bei rund 41 Millionen Euro, hinzu kämen dann rund 19 Millionen Euro durch die Ausgabe neuer Anteile , sodass sich insgesamt ein Volumen von rund 60 Millionen Euro ergibt.

    In Deutschland können nur institutionelle Investoren Anteile erwerben. In Schweden und Dänemark auch Privatanleger.

    Einen grünen Börsengang und ein grünes Label für Unternehmen wie an den europäischen Märkten der Nasdaq gibt es bei der Deutschen Börse bisher nicht. Gelistete Unternehmen haben jedoch seit Jahresanfang die Möglichkeit, ihre Nachhaltigkeitsdaten auf der Internetseite der Börse Frankfurt zu hinterlegen. Interessierte Anlegerinnen und Anleger können sie dort auf dem Aktien-Datenblatt unter dem Reiter „Nachhaltigkeit“ abrufen.

    Zudem hat die Deutsche Börse einen Fragebogen entwickelt, um Unternehmen bei der Erstellung einer ersten Nachhaltigkeitsberichterstattung zu unterstützen. „Das Angebot ist freiwillig und steht allen Emittenten zur Verfügung“, erklärte eine Sprecherin der Deutschen Börse. Man plane, die Services in diesem Bereich kontinuierlich zu erweitern.

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