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05.02.2019

17:00

Lynsi Snyder

Amerikas jüngste Milliardärin punktet mit Burgern – und christlichen Werten

Von: Katharina Kort

Der Tod ihres Vaters hat Lynsi Snyder einst aus der Bahn geworfen. Sie suchte Trost bei Männern und Drogen. Heute steht sie an der Spitze der Fast-Food-Kette In-N-Out.

Früher bestimmten Männer und Marihuana ihr Leben, heute Glaube und Geschäft. In-N-Out Burger

In-N-Out-Chefin Lynsi Snyder

Früher bestimmten Männer und Marihuana ihr Leben, heute Glaube und Geschäft.

New YorkMit ihren Tattoos, den vielen silbernen Armreifen und den wilden, langen Haaren sieht Lynsi Snyder nicht aus wie die klassische Vorstandschefin. Und dennoch steht die 36-Jährige, die in ihrer Freizeit gern Autorennen fährt, an der Spitze der angesagten Burgerkette In-N-Out-Burger. Im vergangenen Jahr hat es die Kalifornierin mit einem geschätzten Vermögen von drei Milliarden Dollar als jüngste Frau unter die 400 reichsten Amerikaner gebracht.

Sie ist die Erbin der 1948 gegründeten Burgerrestaurantkette In-N-Out – einer der ersten Drive-through-Ketten in den Vereinigten Staaten. Aber ihr Weg an die Spitze war alles andere als geradlinig. Vor dem heutigen Erfolg haben Schicksalsschläge und Drogen ihr Leben bestimmt.

Ihre Großeltern hatten das Unternehmen vor mehr als 60 Jahren in Baldwin Park, 30 Meilen östlich von Los Angeles, gegründet und sind damit rasch gewachsen. Später führte dann Lynsis Onkel das Unter‧nehmen. Doch er kam ums Leben, als er von einer Schulaufführung von ihr zu einer Filialeröffnung flog und sein Flugzeug abstürzte.

Ihr Vater, der nach einem Motorradunfall abhängig von Schmerzmitteln geworden war, übernahm zunächst das Kommando. Doch auch er starb 1999 – mit Opiaten im Blut. Lynsi Snyder war damals 17 und lebte mit ihrer geschiedenen Mutter auf einer Ranch in einer Kleinstadt. Ihr Leben geriet komplett aus den Fugen.

Heute steht die College-Abbrecherin – in vierter Ehe und Mutter von drei Kindern – wieder ganz oben. 2010 hat Snyder den CEO-Posten im Familienunternehmen im Alter von 27 Jahren übernommen. Damals lag der Umsatz bei geschätzten 550 Millionen Dollar. Seit Snyder In-N-Out führt, hat er sich fast verdoppelt.

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Die Gewinnmarge vor Steuern und Zinsen des privat gehaltenen Unternehmens wird in Branchenkreisen auf 20 Prozent geschätzt. Eine Zahl, die viele Burger-Konkurrenten vor Neid erblassen lässt.

Auch bei ihren Mitarbeitern ist die junge Chefin äußerst beliebt. Auf Glasdoor.com – einer Bewertungsseite für Arbeitgeber – erhält Lynsi Snyder von 99 Prozent der Mitarbeiter eine positive Bewertung. Damit steht sie dort unter den Top-Bossen auf Platz vier– noch vor LinkedIn-Chef Jeff Weiner, Salesforce-CEO Marc Benioff und vor Microsofts Satya Nadella.

Ein Grund dafür ist sicher auch, dass In-N-Out mit 13 Dollar pro Stunde auch die einfachen Angestellten überdurchschnittlich bezahlt. Filialmanager kommen sogar auf sechsstellige Gehälter. „Wir haben viele loyale Fans“, sagte Snyder jüngst in einem‧ ihrer seltenen Interviews mit dem Fernsehsender Fox. „Aber wir sind auch ein sehr loyales Unternehmen“, stellt sie klar.

Geschäft ausgebaut, ohne viel umzuwerfen

Ein Brancheninsider, der namentlich nicht genannt werden will, macht für den enormen Erfolg vor allem die starke Unternehmenskultur verantwortlich, die den Mitarbeitern wertschätzt und ihnen Freiräume lässt. Er lobt die „großartige Führung und die Familienwerte, die ganz oben anfangen und sich nach unten übertragen“. Jeder, der dort arbeitet, sei stolz und sieht einen Sinn in der Arbeit, die weit darüber hinausgehe, die besten Hamburger des Kontinents zu verkaufen.

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Snyder, der seit ihrem 35. Geburtstag sämtliche Anteile von In-N-Out gehören, hat das Geschäft stetig ausgebaut, ohne dabei allzu viel umzuwerfen. Die mehr als 300 Filialen sehen mit ihrem Rot-Weiß und den Chromtischen immer noch aus wie in den Fünfzigerjahren. Auch an den Rezepten hat die Besitzerin nicht viel geändert.

Das Menü ist mit seinen gerade einmal 15 Gerichten – Soda und Milkshake mitgezählt – noch immer so übersichtlich wie in den Anfangsjahren. Aber genau darin liegt wohl ein weiteres Erfolgsgeheimnis. Die Kunden lieben die kleine Auswahl. Die Burger von In-N-Out haben schon Rapper besungen. Bei den Oscar-After-Partys gehören die „Double-Double-Burger“ von Snyder zum festen Bestandteil. Sogar Spitzenköche zollen ihr Respekt.

Guter Lohn und Wertschätzung

Tatsächlich legt die Burgerkette stets Wert auf gute Zutaten. Anders als bei vielen anderen Fast-Food-Ketten entsteht das Essen im Hause. Das Brot wird jeden Morgen frisch gebacken. Das Fleisch wird in einer der drei Großküchen von In-N-Out durch den Fleischwolf gedreht und dann frisch an die Filialen geliefert. Mikrowelle, Hitzelampen oder Tiefkühler sind verpönt.

Die Preise sind in den vergangenen Jahren weniger als die Inflationsrate gestiegen. Ein komplettes Mahl mit Double-Double-Burger, Pommes frites und Getränk gibt es schon für 7,50 Dollar. Die interne Produktion spart Kosten beim Einkauf. Außerdem gehören sämtliche Filialen dem Unternehmen – oft schon seit vielen Jahren. So muss In-N-Out keine teuren Mieten zahlen. Bisher ist das Unternehmen vor allem an den Freeways und Highways in Kalifornien aktiv.

Aber zuletzt ist Snyder auch in Texas und Oregon expandiert. Demnächst stehen Colorado und New Mexico auf der Liste. Verkaufen will Lynsi Snyder auf keinen Fall. Oft klopften Scheichs und Konkurrenten mit hohen Angeboten an, berichtet sie. Aber sie will das Unternehmen weiter in Familienhand führen und auch kein Franchisesystem entwickeln, sagt sie. „Außer, Gott schickt mir einen Blitz und sagt mir etwas anderes.“

Gott ist enorm wichtig im Leben der ‧Unternehmerin, die sich Bibelverse auf den Arm tätowiert hat. Auf Godtube – dem Youtube für Christen – erzählt sie in einem bewegenden‧ Video, wie sie nach dem Tod ihres Vaters die Orientierung im Leben verlor. Nach drei Ehen und dem verzweifelten Versuch, nicht allein zu sein, habe sie die Liebe Gottes erfahren.

„Gott hat mich wieder auf die Beine gestellt nach all diesen Fehlschlägen“, ist sie überzeugt. Dann fand sie auch ihren aktuellen Ehemann, der ebenfalls ein sehr gläubiger Mensch ist. Gemeinsam unterstützen sie verschiedene Stiftungen und Initiativen für hilfsbedürftige Menschen.

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