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05.06.2019

03:46

Mathias und Marcus Hevert

Homöopathie-Firma sorgt für Empörung im Netz

Von: Siegfried Hofmann

Der kleine Hersteller Hevert-Arzneimittel versuchte, Kritikern Unterlassungserklärungen abzutrotzen. Das sorgt für eine Welle der Kritik.

Dem Geschäft hat die Kritik an der Homöopathie bisher offenbar wenig geschadet. Torsten Silz

Mathias (links) und Marcus Hevert

Dem Geschäft hat die Kritik an der Homöopathie bisher offenbar wenig geschadet.

FrankfurtMit knapp 30 Millionen Euro Umsatz und gut 200 Mitarbeitern gehört das Familienunternehmen Hevert-Arzneimittel nicht gerade zu den Adressen, die in den sozialen Medien im Fokus stehen. Der Hersteller von homöopathischen und pflanzlichen Arzneimitteln mit Sitz im rheinland-pfälzischen Nussbaum, nahe Bad Kreuznach, gehört zu den kleineren Mittelständlern der Pharmabranche.

Doch mit einer ungewöhnlichen Aktion ist es den beiden Firmenchefs und Mitinhabern, Mathias und Marcus Hevert, jetzt gelungen, einen kleinen „Shitstorm“ zu entfachen. Von der Buchautorin und Medizinern Natalie Grams, einer bekannten Kritikerin der homöopathischen Medizin, forderten sie eine Unterlassungserklärung. Sie solle künftig nicht mehr behaupten, Homöopathie sei nicht wirksamer als ein Placebo.

Die Attackierte weigerte sich, eine solche Erklärung zu unterzeichnen, bleibt bei ihrer Überzeugung, dass es keine verlässlichen Nachweise für die Wirkung von Homöopathie gibt, und machte den Vorstoß von Hevert öffentlich. Dafür wiederum und erhält sie nun kräftigen Beifall und Unterstützung auf Facebook, Twitter & Co.

Kritiker werfen den Hevert-Managern nun den Versuch vor, mit juristischen Winkelzügen die Meinungsfreiheit und wissenschaftliche Erkenntnisse zu unterdrücken. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach spricht auf Twitter von einer „Frechheit“ und warnt, das Geschäft mit der vergeblichen Hoffnung der schwer Kranken dürfe nicht zu weit getrieben werden.

Und Grams fordert, dass Homöopathika ihren Status als Arzneimittel verlieren, nicht mehr apothekenpflichtig sein und auch nicht mehr von den Kassen erstattet werden sollen.

Die Hervert-Geschäftsführer, beide Enkel der Firmengründer Dorothea und Emil Hevert, wollten sich gestern direkt zur Debatte nicht äußern. Das Unternehmen wies aber in einer Erklärung den Vorwurf zurück, die Meinungsfreiheit mit juristischen Mitteln zu unterdrücken.

„Wir möchten betonen, dass Wahl- und Meinungsfreiheit demokratische Grundrechte sind und nach unserem Verständnis gehören dazu auch Therapiefreiheit und -vielfalt in der Medizin. Als solches begrüßen wir eine wissenschaftlich fundierte und faktenbasierte Diskussion zu jeder Zeit, denn wir erachten homöopathische Arzneimittel als integralen Bestandteil der Gesundheitsversorgung.“

Mit Sorge sehe man, dass in anderen Ländern wie Großbritannien wegen unbegründeter Diskreditierungen die Politik mit gesetzlichen Einschränkungen gegen Homöopathie vorgeht. Damit dies nicht auch in Deutschland, dem Mutterland der Homöopathie, geschehe, gehe man nun auch auf juristischem Weg „gegen ungerechtfertigte Diskreditierungen“ von Homöopathie vor.

Dem Bremer Gesundheitsexperten Gerd Glaeske hat Hevert in diesem Zuge die Zusicherung abgerungen, künftig nicht mehr zu behaupten, dass für homöopathischen Mittel grundsätzlich ein Wirksamkeitsnachweis fehle.

Dem Geschäft hat die Kritik an der Homöopathie bisher offenbar wenig geschadet. Der Umsatz stieg 2018 laut Hevert-Jahresbericht um 6,5 Prozent auf 29,7 Millionen. Der Gewinnvortrag in der Bilanz verbesserte sich danach von 0,17 auf gut zwei Millionen Euro.

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Kommentare (3)

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Herr Jörg Grunewald

05.06.2019, 11:19 Uhr

„Pharmafirma will mit Anwaltsheer Kritiker mundtot machen“ - so oder ähnlich tönt es doch sonst von den Homöokus-Pokus-Anhängern, wenn's gegen die allzeit böse Schulmedizin geht. Hat man denn keine Angst, sich mit solchen Aktionen den Markenkern, die einzige Daseinsberechtigung kaputtzumachen? Nämlich das Märchen von der unterdrückten Minderheit im Kampf gegen kalte Kommerzkrankenhäuser und Pharma-Gelddruckmaschinen? Sind wir Zeuge einer Art, haha, „Erstverschlimmerung“ -sog. sanfte Medizin zeigt ihr wahres Gesicht-, nach deren Abklingen wir uns Heilung von dem potenzierten Unsinn erhoffen dürfen?

Wenn jetzt noch rauskommt, dass auch die Zuckerkügelchenverkäufer und -verschreiberinnen keineswegs ehrenamtlich arbeiten, ist es damit doch wahrscheinlich endgültig aus. Von daher betrachtet: Geiles Eigentor. Schöne Aktion, das.

Herr Josef Müller

05.06.2019, 12:03 Uhr

Naturwissenschaftliche Fakten sind keine "ungerechtfertigte Diskreditierungen“. Die weit verbreitete Wissenschaftsignoranz und Wissenschaftsfeindlichkeit in unserer Gesellschaft ist wirklich bedenklich und wird leider von vielen Boulevardmedien immer wieder geschürt, weil auch vielen Journalisten (und auch manchen Ärzten) ein fundiertes wissenschaftliches Grundwissen fehlt.

Kein Maulkorb für die Wissenschaft!

Herr Gernot Ruoff

05.06.2019, 19:58 Uhr

Zu diesem Artikel gibt es unter „Expertenrat“ einen Artikel von Prof. Curt Diehm. Das übliche Homöopathie-Bashing eines Schulmediziners. Aber Schulmediziner sind üblicherweise keine Experten für Homöopathie. Sie wissen nur, dass nach der Loschmidtschen Zahl ab der Verdünnung D23 wahrscheinlich kein einziges Molekül der Ausgangssubstanz mehr in dem gekauften Fläschchen enthalten ist. Von den einzelnen Arzneimitteln haben sie keine Ahnung. Deshalb haben sie auch noch nie erlebt, wie eine D200 in Kürze eine Krankheit in Luft auflöst, wie ich es in 40 Jahren nicht nur ein Mal erlebt habe.

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