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15.05.2019

06:00

Max Freiherr von Elverfeldt

Schwarz-grüner Baron auf Versöhnungsmission

Von: Anja Müller

Der neue Bundesvorsitzende der Familienbetriebe Land und Forst will alte Feindbilder aufbrechen und die Grundbesitzer neu positionieren.

Auf seinem Grundstück stehen vier große Windräder. Privat

Max Freiherr von Elverfeldt

Auf seinem Grundstück stehen vier große Windräder.

Die Welt von Max von Elverfeldt ist gerade ganz in Ordnung. Die schwarz-gelbe Landesregierung in NRW hat das für seinen Verband der Familienbetriebe Land und Forst so wichtige „Jagdgesetz novelliert“, sagt der passionierte Jäger und Landesvorsitzende des Verbands, der am Dienstag nun auch zum Bundesvorsitzenden für drei Jahre gewählt wurde. Sein Vorgänger an der Bundesspitze, Michael Prinz zu Salm-Salm, hat die Vertretung der land- und forstwirtschaftlichen Familienbetriebe mehr als 25 Jahre geführt. Man denkt in großen Zeiträumen in diesem Verband.

Der 55-jährige Elverfeldt kennt auch die andere Welt. Nach seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre in Köln, arbeitet er zehn Jahre bei Burda und Pro Sieben und danach in der Finanzindustrie, bevor er 2001 gemeinsam mit seiner Frau Antoinette den landwirtschaftlichen Betrieb der Familie seiner Frau gemeinsam mit ihr übernahm. „Ich bin in der Nähe von Freiburg auf dem Land aufgewachsen, das war eine Rückkehr zu meinen Wurzeln“.

In seiner Medienzeit ging es um Businesspläne mit einem Zeithorizont von ein bis zwei Jahren, auf seinem Gut Kalbeck geht es um Bäume die erst 50 bis 80 Jahre wachsen, bevor sie wirtschaftlichen Ertrag bringen. Ja und dort gibt es auch Dürreschäden aus dem vergangenen Sommer, als durch die trockene Witterung sich der Borkenkäfer ausbreitete und dessen Schäden eben auch jahrzehnte die Forstbesitzer beschäftigen werden, viel länger als die Landwirte, die jedes Jahr neu ernten, erklärt der Land- und Forstwirt. Man denkt in Generationen auf dem Land - seit jeher. Von Elverfeldt vertritt demnächst rund 2.000 Betriebe mit rund 50.000 Familienmitgliedern und Mitarbeitern.

Gemeinsam mit seiner Frau und 15 Beschäftigten bewirtschaftet er 400 Hektar Landwirtschaft und erntet, Erbsen, Kartoffeln, Möhren, Zuckerrüben, aber auch Dinkel, Raps, Mais und Emmer. Zu seinem Betrieb gehören aber auch 850 Hektar Wald. Die von Elverfeldts arbeiten konventionell, aber der Verbandschef „könnte es sich schon vorstellen, ökologischen Landbau zu betreiben.“ Das wäre allerdings ein "gewaltiger Umbau und ein gewaltiges Risiko", fügt er an.

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    Aber waren dafür die Zeiten nie besser als jetzt? „Das stimmt, wir werden sehen,“ wiegelt er dann doch ab. Blühstreifen und Wildwiesen für Bienen auf fünf Prozent der landwirtschaftlichen Fläche, immerhin, eine seiner vier Töchter hat bei den Demonstrationen Fridays for Future mitgemacht. Es wird diskutiert im Hause von Elverfeldt.

    Und genau das will der neue Bundesvorsitzende auch in seiner neuen Funktion tun – mit anderen Verbänden, gerade ist er auch zum Vorsitzenden des Aktionsbündnis Forum Natur gewählt worden, darin sind so ziemlich alle Landwirtschafts- und Forstverbände vereint. Er will aber auch mit den Naturschützern diskutieren, das „natürliche Feindbild aufbrechen“, verspricht er. In Deutschland würden schließlich 50 Prozent der Fläche landwirtschaftlich genutzt und 30 Prozent wären Wälder. Da müsste doch jedem die Bedeutung seines Verbandes klar werden, zeigt er sich selbstbewusst.

    „Auf Einsatz von Herbiziden können wir nicht verzichten“

    „Die Menschen müssen mehr Vertrauen in die Fachleute, also die Bewirtschafter und Eigentümer entwickeln.“ Natürlich werfe man ihnen immer Eigennutz vor, während die Nichtregierungsorganisationen immer die gute Sache vertreten würden. Das Bild der Land- und Forstwirte will er gerade rücken und sagt, dass er mit mit dem Naturschutzbund (Nabu) in NRW oft auch gut zusammen arbeite. „Vor allem vor Ort, da sieht man sich. Das will ich auch auf Bundeebene versuchen.

    Von Elverfeldts grundsätzliche Gesprächsbereitschaft bestätigt denn auch der stellvertretende Landesvorsitzende des Nabu Heinz Kowalski, er sei sogar zu Verbandstagungen geladen worden. „Ich habe Max von Elverfeldt als verbindlich kennen gelernt“, sagt der Nabu-Verantwortliche. Man könne mit von Elverfeldt reden, aber, so fügt er an: „Man kommt nicht unbedingt zu einem gemeinsamen Ergebnis, auch wenn er kein Hardliner ist.“

    Das ist er wahrlich nicht, aber bei der Düngeverordnung wird schon klar, auf welcher Seite das CDU-Mitglied steht. Auch beim Thema Glyphosat sagt er mit Blick auf das gerade in den USA ergangene Urteil: „Auf einen gezielten Einsatz von Herbiziden können wir in der Landwirtschaft nicht verzichten. Sollte Glyphosat tatsächlich aus der Nutzung genommen werden, wird es Alternativen brauchen.“

    Von Elverfeldt glaubt, dass es jetzt beim Thema Düngeverordnung erst einmal gut sei, man müsse den europäischen Wettbewerb im Auge behalten und nicht immer vorpreschen. Alleingänge findet von Elverfeldt nicht gut, nicht nur, wenn Deutschland vorprescht, sondern auch das Bundesland, das er bislang für seinen Verband vertreten hat. Als die damals rot-grüne Landesregierung das Landesjagdgesetz verschärft hat, bezog er klar Position.

    Doch auch in seinem Verband verlaufen die Linien inzwischen nicht mehr so ganz gerade. Es gibt inzwischen mehrere Lager berichtet ein Insider. „Es gibt diejenigen, die bloß nicht mit den Naturschützern sprechen wollen, es gibt aber auch diejenigen, die das aber auf jeden Fall wollen, Max von Elverfeldt steht so dazwischen.“ Auf seinem Grundstück jedenfalls stehen vier große Windräder die Strom für 14.000 Haushalte produzieren und sein Wald speichert so viel CO2 wie 1.500 Autos pro Jahr verbrauchen, erklärt der Verbandschef. „Das gibt mir ein gutes Gefühl.“

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