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25.09.2018

14:54

Melikshah Ünver

Start-up Taledo will zum digitalen Headhunter werden

Von: Johannes Steger

Melikshah Ünver will das Headhunter-Modell für Tech-Unternehmen digitalisieren. Mit viel Erfolg: Er überzeugt auch die Größen der Start-up-Szene.

Start-up Taledo will zum digitalen Headhunter werden Taledo

Melikshah Ünver

Der Gründer konnte mit seinem Unternehmen schon Kunden, wie Metro oder Home 24 gewinnen.

Berlin Melikshah Ünver ist eine auffällige Erscheinung: Der 32-Jährige spricht wie eine Mischung aus seriösem Unternehmensberater und aufgedrehtem Berlin-Mitte-Gründer. Sein Äußeres erinnert dabei an die Hipster-Kids, die durch die Straßen der Hauptstadt tingeln. Ünver redet schnell und benutzt auch schon mal Wörter wie „geil“ oder „crazy“.

Unterschätzen sollte man den Jungunternehmer aber nicht – er weiß genau, was er will: „Für andere habe ich gearbeitet. War ok. Jetzt geht es darum, etwas Sinnvolles aufzubauen und zu etablieren.“ Genau das hat Ünver mit seinem Start-up Taledo vor. Das will eine Art digitaler Headhunter sein. Es vermittelt hoch bezahlte Fach- und Führungskräfte für Technologieunternehmen.

An dem lukrativen Geschäft will Ünver mitverdienen. Taledo ist dabei tatsächlich ein waschechtes Familienunternehmen: Neben einem Ex-Kollegen gehören Ünvers beiden Brüder zum Gründungsteam. Dabei wollten die vier am Anfang eigentlich mit Dating Geld verdienen.

Für die Ünver-Brüder war irgendwie immer klar, dass es nicht der klassische Bürojob sein sollte: „Als Teenager haben wir importierte Produkte über das Internet verkauft“, erzählt Ünver. Damals noch in einem Dörfchen in der Nähe von Reutlingen. Danach ging es erst einmal zum BWL-Studium und Unternehmen wie Google, Hitfox oder Boston Consulting Group.

Den Traum vom eigenen Unternehmertum gaben die drei Brüder indes nie auf: „Nach dem Studium wollten wir unsere eigenen Projekte verfolgen. Jede freie Minute haben wir mit der Entwicklung von Ideen und Geschäftsmodellen verbracht“, sagt er. Darunter war zum Beispiel eine Dating-App für Türken: „Wir haben viel gelernt, schnell die ersten 1.000 Nutzer aufgebaut. Dennoch haben wir uns dann auch neuen Projekten angenommen.“

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Den Traum vom Unternehmertum gaben die Ünvers aber nicht auf – und suchten nach einem Markt, der viel Potenzial und hohe Umsätze versprach. Sie wurden fündig in der digitalen Personalsuche. Anfang 2016 starteten sie mit dem Start-up-Scanner Startup CVs. Auf der Plattform wollten sie junge Unternehmen und Talente zusammenbringen.

Schnell merkten sie, dass sie an die Tech-Spitzenleute heran mussten: „In Deutschland ist der Fachkräftemangel in diesem Bereich nichts Neues. Unsere Lösung mit Taledo hingegen schon“, sagt Ünver. Anfang 2017 wurde dann nach langer Entwicklungsarbeit die Plattform gestartet.

Talente können sich dort bewerben: „Taledo ist ein Marktplatz für die absoluten Top-Fachkräfte, die oberen zehn Prozent. Bei uns kann sich niemand „einkaufen“. Nur Leistung zählt.“ Das sei sein Erfolgsrezept. Die Anbahnung zwischen potenziellen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist erst einmal kostenlos.

Investoren glauben an das Modell

Kommt ein Vertrag zustande, erhält das Start-up 20 Prozent des Jahreszielgehalts vom Arbeitgeber – bei Verdiensten von bis zu 200.000 Euro ein nicht unerheblicher Motivationsanreiz, gibt Ünver zu. Klassische Personalberater kassieren bis zu 30 Prozent des Zielgehalts. „Bei uns bekommen Kandidaten das Jahreszielgehalt und den Titel vor einem Interview mitgeteilt – auch wenn diese Angebote dann natürlich noch unverbindlich sind, wird die Transparenz deutlich erhöht.“

An das Modell glauben mittlerweile nicht nur Kunden wie Metro oder Home 24, sondern auch Investoren. Anfang des Jahres bekam Taledo eine Finanzierung in siebenstelliger Höhe von privaten Geldgebern aus Digitalwirtschaft und der Bankenbranche. Nach eigenen Angaben zählt das Unternehmen mehr als 80.000 Kandidaten und 800 Firmenkunden.

Unter den Investoren ist auch Stephan Manz, ehemaliger Managing Director bei der Deutschen Bank. Ihn überzeugte nicht nur das Geschäftsmodell, sondern auch das starke Gründerteam mit seinen komplementären Kompetenzen: „Taledo digitalisiert tradiertes Headhunting und setzt damit auf einen erfolgversprechenden Mix aus Headhunting mit moderner Technologie.“

Vor Konkurrenten fürchtet sich Ünver übrigens nicht – besonders nicht vor Netzwerken wie LinkedIn oder Xing, die ebenfalls auf dem Markt mitmischen wollen: „Bewerber gelangen völlig ungefiltert auf diese Netzwerke – also sind sie auch keine Konkurrenz für uns“, meint der Gründer. Das sei so als würde man bei einer persönlichen Arztempfehlung auf die Gelben Seiten verweisen: „Das ist nicht eine andere Liga, sondern ein anderer Sport.“

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