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25.03.2019

15:57

Merkur-Bank-Chef

Marcus Lingel – der etwas andere Privatbankier

Von: Christian Schnell

Seit mehr als zehn Jahren führt der Schwabe die private Merkur Bank. Er bricht mit vielen Klischees der Branche und engagiert sich als Honorarkonsul für Mosambik.

Seit mehr als zehn Jahren ist er inzwischen Vorsitzender der Geschäftsleitung bei der Münchener Merkur Bank. Wolf Heider-Sawall/laif

Marcus Lingel

Seit mehr als zehn Jahren ist er inzwischen Vorsitzender der Geschäftsleitung bei der Münchener Merkur Bank.

MünchenDas Türschild erinnert an eine andere Epoche. „Bankier“ steht vor dem Büro von Marcus Lingel. Ein Beruf, der in den Banktürmen in den internationalen Finanzzentren längst dem des Bankers gewichen ist. Seit mehr als zehn Jahren ist Marcus Lingel inzwischen Vorsitzender der Geschäftsleitung bei der Münchener Merkur Bank. Und als persönlich haftender Gesellschafter eben auch Bankier der alten Schule. Nur, dass sein Haus so gar nichts mit dem teils elitären Gehabe anderer Privatbanken gemein hat.

Dazu fehlt schon die Tradition. Ursprünglich im Jahr 1959 von einem Cousin des berühmten Pianisten Vladimir Horowitz als Merkur Bank Horowicz gegründet, übernahm Lingels Vater Siegfried 1986 die Bank. Den Schwaben, der beruflich aus der Baubranche kam, reizte die Banklizenz und die Möglichkeiten, die sich so in der damals schon boomenden Immobilienbranche boten. Bereits im ersten Jahr nach der Übernahme schaffte er die Rückkehr in die Gewinnzone.

Vater und Sohn Lingel führen heute noch die Bank. „Ich habe keinen Dreijahresvertrag, sondern lebenslänglich“, kann sich Marcus Lingel einen Seitenhieb auf die üblichen Wechsel in der Branche nicht verkneifen. Mit schwäbischem Unterton bekennt er sich auch zum Standort der Zentrale direkt neben dem Münchener Hauptbahnhof. Die Gegend hat nicht unbedingt den besten Ruf. „Ich halte nichts von Glaspalästen.“ Dass er mit dieser Einstellung trotzdem gutes Geld verdienen kann, zeigen die Zahlen, die sein Finanzinstitut am Montag mitteilte.

So ist im vergangenen Jahr das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit um 13,7 Prozent auf 9,6 Millionen Euro gestiegen. Das Ergebnis je Aktie stieg um 6,6 Prozent auf 0,64 Euro. Die als Kommanditgesellschaft auf Aktien firmierende Privatbank ist seit 1999 mit einem kleinen Anteil börsennotiert und wird unter anderen in den Kleinwertesegmenten Maccess in München und Open Market in Frankfurt gehandelt. Der besseren Refinanzierung wegen habe man sich zu diesem Schritt entschlossen.

Für Silke Wolf, Geschäftsführerin des Bayerischen Bankenverbands, gleicht die Merkur Bank in Haftung und Verantwortung dem ehrbaren Kaufmann von einst. Als persönlich haftender Gesellschafter stünde Marcus Lingel auch im Falle eines wirtschaftlichen Misserfolgs gerade. „Diese Haltung findet sich dann auch in Geschäftsentscheidungen wieder“, beobachtet Silke Wolf. Die Merkur Bank hat mit ihren rund 200 Mitarbeitern heute eine Bilanzsumme von 1,353 Milliarden Euro.

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Darüber mögen andere schmunzeln. Marcus Lingel hält dann stets dagegen: „Wir können nicht alles. Aber was wir machen, machen wir richtig.“ Das sind vor allem die Nischen. So ist im vergangenen Jahr das Kreditvolumen in der Zwischenfinanzierung von Bauträgern um fast 40 Prozent gestiegen, in der Refinanzierung von Leasinggesellschaften wuchs das Volumen um mehr als 30 Prozent. Und auch die Ausleihungen an Mittelständler nahmen um über elf Prozent zu.

Dem gewerblichen Kreditgeschäft steht auf der Gegenseite die Vermögensanlage für Privatkunden gegenüber. Auch hier wuchs das Depotvolumen 2018 um mehr als elf Prozent auf über 336 Millionen Euro. Von einem „starken Jahresergebnis“ sprechen deshalb die Analysten von Equinet.

Ein konkreter Wachstumsplan fehlt

Durch ihre Positionierung unterscheidet sich die Merkur Bank von vielen anderen Privatbanken in Deutschland. Die haben sich zumeist auf die Vermögensanlage betuchter Familien spezialisiert und zehren hier oft von Verbindungen, die über Generationen reichen. „Es war eine sehr gute Entscheidung, dass die Merkur Bank stets ihr sehr nischenbezogenes Geschäft weiterentwickelt hat“, lobt Silke Wolf.

Einen konkreten Wachstumsplan mit einer Vielzahl strategischer Eckpunkte sucht man bei der Merkur Bank vergeblich. Die räumliche Ausdehnung mit Filialen in Bayern, Sachsen und Thüringen sowie einer Repräsentanz in Stuttgart soll ebenso wenig erweitert werden wie das Risiko in der Anlagepolitik.

Wobei auch Marcus Lingel die Augen vor dem rasanten Wandel in der Bankbranche nicht verschließt. „Die Wettbewerbsintensität nimmt eindeutig zu“, stellt der 50-Jährige fest. Zudem sei Deutschland klar „overbanked“ – und bemüht dann doch einmal einen Begriff aus der modernen Bankenwelt, die er sonst sorgfältig meidet. Man müsse deswegen auch seitens der Politik den Mut haben, Institute vom Markt gehen zu lassen.

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Politische Themen spielen sich für Marcus Lingel ohnehin weit weg von Deutschland ab, er ist nebenbei noch Honorarkonsul der Republik Mosambik. Den Posten hatte er einst ebenfalls von seinem Vater übernommen. Zwei Mitarbeiter der Bank sind mit Verwaltungstätigkeiten wie dem Ausstellen von Visa beschäftigt. Über die Jahre sind durch Spenden der Bank Schulen und Kindergärten für rund 3 000 Kinder in dem afrikanischen Land entstanden.

Der schwere Tropensturm „Idai“, der am Wochenende in Mosambik Zehntausende Menschen obdachlos gemacht und die Hafenstadt Beira zu gut 90 Prozent verwüstet hat, beschäftigt auch Lingel. Auch die Katholische Universität der Stadt, die von der Merkur Bank bisher unterstützt wurde, ist weitgehend zerstört.

150.000 bis 200.000 Euro sind nach ersten Schätzungen von Lingel allein für den Wiederaufbau der Uni nötig. Kleines Geld für deutsche Verhältnisse, in Mosambik aber eine gewaltige Summe. Über die deutsch-mosambikanische Gesellschaft, die sich in den Räumen der Bank befindet, ruft Lingel jetzt zu Spenden auf.

Dass in nächster Generation wieder ein Lingel an der Spitze der Merkur Bank stehen wird, ist denkbar. Die Kinder von Marcus Lingel sind 19 und 21 Jahre alt. Zwangsläufig müsse ihr Weg aber nicht in die Bank führen. Auch ein externer Manager könne irgendwann nach ihm die Bank leiten. Bis dahin dürften es aber noch einige Jahre sein. Marcus Lingel hat schließlich „lebenslänglich“ bei der Merkur Bank.

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