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11.04.2022

07:01

Mittelstandsumfrage

Risiken durch Ukrainekrieg: Vier von fünf Unternehmen erhöhen die Preise

Von: Anja Müller

Eine exklusive Umfrage zeigt, dass höhere Beschaffungspreise und Lieferengpässe den Mittelstand stärker belasten als die Pandemie. Das könnte die Inflation weiter vorantreiben.

Vier von fünf Unternehmen rechnen damit, ihre Preise erhöhen zu müssen. dpa

Unternehmen der Metallverarbeitung

Vier von fünf Unternehmen rechnen damit, ihre Preise erhöhen zu müssen.

Düsseldorf Der Krieg Russlands gegen die Ukraine trifft den deutschen Mittelstand hart. Zu diesem Ergebnis kommt eine dem Handelsblatt vorab vorliegende repräsentative Umfrage der DZ Bank. Dafür wurden von Ende Februar bis Ende März mehr als 1000 Geschäftsführer und Entscheider mittelständischer Unternehmen befragt. Es ist damit die erste Umfrage, die die Auswirkungen des Kriegs abbildet.

Der Erhebung zufolge werden vier von fünf Unternehmen ihre Preise erhöhen müssen. Das gilt besonders für die Elektroindustrie und im Ernährungsgewerbe. Dort gaben jeweils fast 90 Prozent der Befragten an, die eigenen Preise nach oben korrigieren zu müssen. Im Handel, im Metall-, Kfz- und Maschinenbausektor sowie in der Chemiebranche muss mit jeweils 85 Prozent die überwältigende Mehrheit der Mittelständler höhere Kosten an ihre Kunden weiterreichen.

Dabei planen 87 Prozent der Unternehmen mit mehr als 50 Millionen Euro Umsatz höhere Preise, bei den kleineren mit einem Umsatz von weniger als 25 Millionen sind es 78 Prozent. Die DZ Bank rechnet daher damit, dass eine erhöhte Inflationsrate „wohl vorerst weiter erhalten bleiben“ wird. Aktuell liegt die Inflationsrate bei 7,3 Prozent.

Überraschend ist, dass die Belastung durch die gestiegenen Preise beim Gas nur bei knapp einem Drittel der Befragten im März spürbar war, während die hohen Kosten für Treibstoffe und Vorprodukte mehr als die Hälfte belasten. „Im Gegensatz zu den Treibstoffkosten, deren Preisanstieg für die Unternehmen sofort spürbar ist, wirkt der Kostenanstieg für Gas und Öl bei vielen erst zeitverzögert – nämlich dann, wenn die Öltanks wieder gefüllt oder die Gasverträge verlängert werden müssen“, erklärt Claus Niegsch, Ökonom bei der DZ Bank.

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    Wie das Handelsblatt berichtete, haben allerdings bereits jetzt die Unternehmen das Nachsehen, die wegen der bereits im Herbst deutlich angestiegenen Energiepreise keine langfristigen Kontrakte eingegangen sind. Zudem prüfen Energieversorger und Unternehmen, ob sie sich durch den Krieg in einer Situation höherer Gewalt („Force majeure“) befinden.

    Versorgungsnotstände durch Eskalation befürchtet

    Noch mehr Unternehmen zeigen sich von Lieferengpässen betroffen. Laut Umfrage äußerten sich im Schnitt 77 Prozent der befragten Geschäftsführer entsprechend. Im Handel, in der Chemiebranche und in der Elektroindustrie ist die Betroffenheit mit 88 und 86 Prozent einzeln betrachtet deutlich höher.

    „Viele von ihnen kämpfen bereits seit der Coronapandemie mit Lieferengpässen und hinken seitdem beim Abarbeiten von Aufträgen hinterher“, analysiert Stephan Ortolf, Leiter des Firmenkundenzentralbereichs der DZ Bank. „Dass zusätzlich dazu die Produktion immer teurer wird, ist für einige Unternehmen existenzbedrohend.“ Erhöhten sie die Absatzpreise nicht entsprechend, komme der Motor der deutschen Wirtschaft zum Erliegen.

    Ortolf sieht bei einer weiteren Zuspitzung des Konflikts die Gefahr eines Versorgungsnotstands bei Öl und Gas. „Die Unternehmen sind darauf angewiesen, dass die Politik Lösungen zur alternativen Energieversorgung findet und nachhaltig sichert – und das besser heute als morgen. Die Folgen des Kriegs sind ansonsten dramatischer für viele Mittelständler als die der Coronapandemie.“

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