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22.12.2021

11:48

Molkereikonzern

Sohn des Patriarchen: Stefan Müller wird neuer Chefaufseher bei Müller Milch

Von: Anja Müller

Der frühere Kuka-Chef Till Reuter wird den Milchkonzern verlassen. Der älteste Sohn von Theo Müller übernimmt den strategisch wichtigen Posten.

Der älteste Sohn von Theo Müller wird neuer Chefaufseher im Molkereikonzern. imago stock&people

Stefan Müller

Der älteste Sohn von Theo Müller wird neuer Chefaufseher im Molkereikonzern.

Düsseldorf Beim Molkereikonzern Müller Milch steht ein Wechsel an der Aufsichtsratsspitze an. Till Reuter gibt zum Jahresbeginn den Posten des Chefkontrolleurs ab und wird das Unternehmen wahrscheinlich zur Jahresmitte verlassen. Das geht aus einem Brief an die Mitarbeiter hervor, der dem Handelsblatt vorliegt.

Auf Reuter folgt Stefan Müller, ältester Sohn von Haupteigentümer Theo Müller. Ein Unternehmenssprecher bestätigte den Vorgang am Mittwoch, wollte ihn aber nicht weiter kommentieren.

Seit 2019 war Reuter Mitglied des Aufsichtsrats des Familienunternehmens. Er war im September 2019 an dessen Spitze gerückt – für Außenstehende überraschend, hatte der Manager doch Deutschlands bekanntesten Roboterproduzenten Kuka groß gemacht und schließlich an den chinesischen Konzern Midea verkauft.

Aus Unternehmenskreisen verlautet, der Schritt sei lange geplant gewesen. Stefan Müller war schon einmal operativ im Unternehmen seines Vaters aktiv. 2014 verließ er Müller Milch und führte das Start-up Colostrum Biotec.

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    Seit Anfang 2020 ist der 54-Jährige wieder im Aufsichtsrat und ersetzt dort seinen Vater, der das Unternehmen von einem Vier-Mann-Betrieb zu einem Konzern gemacht hatte. Der 81-Jährige ist formal in keinem Führungsgremium mehr, aber nach wie vor Haupteigner. Seine insgesamt neun Kinder halten bislang nur wenige Anteile an dem Unternehmen, das seinen Sitz in Luxemburg hat. Der Patriarch selbst lebt in der Schweiz.

    Reuter werde Stefan Müller noch als Mitglied des Aufsichtsrats einarbeiten und dann das Gremium verlassen, hieß es in dem Schreiben. Darüber hinaus werde Stefan Müller gemeinsam mit seinem Schwager Andreas Hoh die Eigentümerfamilie in dem Gremium vertreten.

    Der Firmenpatriarch hält im Konzern noch immer die Fäden in der Hand. imago images/Robert Michael

    Theo Müller

    Der Firmenpatriarch hält im Konzern noch immer die Fäden in der Hand.

    Die Rückkehr von Stefan Müller sei ein Beleg dafür, dass „das Unternehmen trotz des deutlichen Wachstums beim Umsatz von rund sechs Milliarden auf rund sieben Milliarden Euro und einer Mitarbeiterzahl, die sich von 26.000 auf rund 34.000 erhöht hat, auch künftig alle Vorteile eines durch und durch soliden und gesunden und damit krisenfesten Familienunternehmens nutzen wird“, heißt es in dem Brief.

    Spätestens im Sommer muss für Reuter noch ein Nachfolger im Aufsichtsrat gefunden werden. Neben Müller und Hoh gehört noch der auf Familienunternehmen spezialisierte Anwalt Rainer Lorz dem Gremium an.

    Im Müller-Aufsichtsrat werden die strategischen Entscheidungen getroffen

    Im Müller-Konzern hat der Aufsichtsratschef die strategische Führung inne. In seiner Amtszeit hat Reuter das englische Frischmilchgeschäft restrukturiert und wieder in die schwarzen Zahlen gebracht, heißt es aus unternehmensnahen Kreisen. Darüber hinaus wurde auch die Salatsparte verkauft. Unter der Marke Homann verkauft Müller künftig nur noch Dressings, die Fertigsalate wurden an Signature Foods und Wernsing verkauft.

    Reuter hatte vor allem in der Logistik zugekauft, aber nicht im Kerngeschäft. Dazu zählt auch die Akquisition Culina in Großbritannien. Dort sei man „Marktführer“, wie es in dem Brief weiter heißt. Inzwischen bietet auch Müller Milch vegane Produkte an, ist allerdings erst relativ spät auf diesen Trend aufgesprungen. „Ein großer Schritt für Theo Müller“, sagt ein Unternehmenskenner.

    Theo Müller sei entscheidungsfreudig, direkt und denke schnell in klaren Kategorien, sein Sohn Stefan sei dagegen zurückhaltender und weniger entscheidungsfreudig, sagt ein Vertrauter der Familie.

    Für den früheren Kuka-Chef scheint die Mission bei Müller Milch abgeschlossen. dpa

    Till Reuter

    Für den früheren Kuka-Chef scheint die Mission bei Müller Milch abgeschlossen.

    Naturgemäß haben es Nachfolger aus der eigenen Familie schwerer, sich gegen erfolgreiche Patriarchen durchzusetzen und neue Wege zu gehen, als familienfremde Manager wie Reuter. Reuter hatte in früheren Gesprächen jedoch stets betont, dass er ein gutes Verhältnis zu Theo Müller habe und für diesen auch ein Sparringspartner sei.

    Für Reuter scheint seine Mission im Konzern abgeschlossen, wie es im Weihnachtsbrief durchklingt. Welche Pläne der Manager künftig verfolgt, ist noch unklar. Der 53-Jährige ist auch in einigen Start-ups investiert.

    Der Manager hatte nach seinem Wechsel zu Müller auch die Personalmanagerin Silvia Buchinger mitgebracht, die den Konzern bereits im September verlassen hatte, wie das Unternehmen bestätigte.

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