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11.12.2018

13:10

Brose: Mitarbeiter machen Zugeständnisse, um Werk Coburg zu retten Brose

Michael Stoschek

„Ich bin der einzige, der sich traut, mal so etwas laut zu sagen.“

Nach Drohung von Michael Stoschek

Brose-Mitarbeiter machen Zugeständnisse, um Werk Coburg zu retten

Von: Gertrud Hussla, Anja Müller

Michael Stoschek, Gesellschafter des Autozulieferers, hatte mit der Verlagerung von Stellen ins Ausland gedroht. Nun gibt es einen Kompromiss.

DüsseldorfEs war mal wieder einmal typisch Michael Stoschek. Am 23. Juli 2018 trat der Vorsitzende der Gesellschafterversammlung der Brose-Gruppe auf der Betriebsversammlung in Coburg ans Rednerpult und donnerte richtig los. 26 Tage im Jahr seien die Mitarbeiter im Schnitt krank. Wenn das so bleibe, sei der Standort Coburg nicht mehr konkurrenzfähig.

Michael Stoschek, der diesen Dienstag 71 Jahre alt wurde, wollte sich eigentlich schon zurückziehen. Doch nun sah sich der sportliche Senior mit der jugendlichen Ausstrahlung mal wieder gezwungen, durchzugreifen.

Ganz loslassen kann Stoschek nicht. Der Springreiter und Autorennfahrer hat den Coburger Autozulieferer über 47 Jahre großgemacht. „Die Leute kennen mich, ich habe in solchen Situationen die richtige Durchsetzungskraft“, so sieht es Stoschek.

Bei seinem Auftritt im Juli legte er nach: Das Werk für elektronische Sitzmechanik in Coburg mit seinen 1500 Mitarbeitern sei das letzte dieser Art in Deutschland. Alle anderen würden längst in Osteuropa produzieren.

„Wenn wir die Kosten hier nicht senken, müssen wir Coburg allmählich schließen.“ Gewerkschafter sahen das als kalte Erpressung, für Stoschek dagegen war es eine Notwendigkeit. „Ich bin der einzige, der sich traut, mal so etwas laut zu sagen“, meinte er gegenüber dem Handelsblatt. Andere Hersteller hätten sich einfach aus Deutschland zurückgezogen.

Brose-Chef Michael Stoschek : Über alle Grenzen

Brose-Chef Michael Stoschek

Über alle Grenzen

Der Coburger hat den Autozulieferer Brose zu einem Weltkonzern mit 6,1 Milliarden Euro Umsatz gemacht. Wie hat er das geschafft? Scharfer Wettbewerb scheint dem begeisterten Rallye-Fahrer Spaß jedenfalls zu machen.

Der Druck kommt von den Autoherstellern. Die Autoindustrie macht zwar Standortsicherungsverträge für Deutschland, den Kostendruck gibt sie aber dann an die Zulieferer weiter. Auch Brose musste nun den Preis für einen Großauftrag um 40 Millionen Euro senken, um ihn nicht zu verlieren.

Diese gewaltige Preisreduktion wollten die Gesellschafter nicht alleine tragen. Sie aber, sowie Mitarbeiter und Geschäftsführung tragen zur Einigung bei, in dem sie auf Ausschüttungen und Gehaltssteigerungen verzichten.

Gut vier Monate nach dem schockierenden Auftritt verkündete der Enkel von Firmengründer Max Brose am Dienstag nun Versöhnliches: Man habe sich mit dem Betriebsrat geeinigt, die Zukunft des Coburger Werks und eines weiteren in Spanien sei für die nächsten fünf Jahre gesichert.

Stoschek eckt immer wieder an

„Ganz ohne Einfluss von außen“, seien die Verhandlungen gelaufen, schildert es Stoschek. Sprich: Die IG Metall blieb bei den Verhandlungen draußen. Schon länger ist Brose aus der Tarifgemeinschaft ausgeschieden. Stefan Kübrich, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender Coburg, und seit 1986 bei Brose erklärte: „Nach hartem Ringen wurde die Einigung erzielt und die Verlagerung der Fertigung nach Osteuropa verhindert.“

An mehreren Stellschrauben haben die Verhandlungspartner gedreht, so werden etwa teure Sonntagsschichten gestrichen, das Akkordlohnsystem wird durch ein Prämienlohnsystem ersetzt. Wie von selbst hat sich seit Sommer auch der Krankenstand von durchschnittlich 26 auf 16 Tage reduziert.

Michael Stoschek ist der Mann, der Brose mit einst 55 Millionen DM Jahresumsatz zu einem Weltkonzern gemacht hat, mit heute 62 Produktionsstandorten in 23 Ländern und einem Umsatz von 6,3 Milliarden Euro. In seiner Heimatstadt Coburg hat er immer wiedermitgestaltet, nicht ohne dabei öfters kräftig anzuecken.

Nach dem Kompromiss, der den Standort Coburg nach Zugeständnissen der Arbeitnehmer nun sichert, erwartet Stoschek, dass sich der Sturm wieder legt: „Nun bin ich mal nicht der Böse, sondern der Gute.“

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